Käsers Stall bleibt geschlossen, aber Ernst Mantel nicht untätig

+
ernst-mantel
  • schließen

Warum der Kabarettist seine Hausbühne geschlossen hat, was er dort nun macht und wie er die aktuelle Lage für die Kultur bewertet.

Abtsgmünd-Laubach

Die Kultur hat es nicht leicht in dieser Pandemie. Ein Neustart in diesem Sommer ließ so manchen Kulturschaffenden auf einen Winter hoffen, in dem nicht alles still steht. Der Kabarettist Ernst Mantel allerdings wollte angesichts warnender Virologen nicht so richtig daran glauben. Er schloss seine Hausbühne „Käsers Stall“ in Laubach. Warum er das machte, wie er nun in Käsers Stall arbeitet und was ihn zum Lachen bringt, erzählt Mantel im Interview mit Dagmar Oltersdorf.

Auf Ihrer Website ist zu lesen, dass Sie „Käsers Stall“ nicht mehr öffnen werden. Was ist der Grund?

Ernst Mantel: Es hat keinen Sinn. Wir haben uns im Frühherbst dazu entschlossen. Der Sommer war angenehm, aber schon da wusste man, dass es nicht alles gewesen sein kann mit der Pandemie. Da waren wir auch schon in einer Unsicherheitsschleife, wenn man auf das hörte, was das Robert-Koch-Institut vorausgesagt hat. Wenn man die aktuelle Situation anschaut, war das die richtige Entscheidung. Es war schon vor der jetzigen Situation ein Horror mit den sich ständig ändernden Verordnungen. Ob wir nun für immer zu haben, wissen wir nicht. Aber als „Ernst und Heinrich“ meine Frau und ich haben wir immer gesagt, wenn es in Richtung 70 geht, hören wir damit auf vermutlich mit der eigenen Bühne auf, wobei ich meine Auftritte auf anderen Bühnen ja weiter mache, nur nicht als eigener Veranstalter. Und mit jetzt 65 und 66 ist es bis dahin gar nicht mehr so lang.

Also ist die Pandemie der Grund?

Nicht nur. Wir waren 20 Jahre ein Familienbetrieb. Aber unsere Töchter und unser Sohn haben ihre Berufe, haben eigene Familien. Ein Neuanfang mit Angestellten zu machen, da spricht im Moment viel dagegen. Wir haben 2020 in „Käsers Stall“ noch Auftritte gemacht, mit zwei mal 20 Gästen im Publikum - so eine Art Trainingslager. Verdient war daran nichts, dafür war es ein Riesenaufwand. Man muss das Publikum leiten und führen, muss sich jeden Abend kümmern, damit die Verordnungen eingehalten werden. Wir haben gemerkt: das sind wir nicht. Es schmerzte uns, dass wir das Publikum maßregeln mussten, obwohl wir einsahen, dass vieles notwendig war. Hinzu kommt ein großer bürokratischer Aufwand mit ständigen Verlegungen, Verlegungen von Verlegungen und Kartenrücknahmen wenn man Karten zurücknimmt.

Wie sehen Sie die aktuelle Situation?

Es wird schwieriger, weil ja nicht jeder für einen Theaterabend ein oder zwei Stunden für einen Test ansteht. Das machen die wenigsten. Ich habe nächste Woche sogar noch einen Auftritt im Renitenztheater Stuttgart. Es ist ein wenig skurril: Wenn viele kommen, dann hat man gerade auch kein so ganz gutes Gefühl, dass das jetzt so gut ist. Sowohl nicht als Künstlerin oder Künstler, aber auch nicht als Veranstalters oder als Teil des Publikums.

Sind Sie verärgert, dass gerade auch die Kultur stark unter der Pandemie leidet?

Nein. Dass nicht alles mit gleichem Maß gemessen wird, weiß man ja. Aber Alternativen zu benennen ist auch schwierig. Letztendlich kommt es darauf an, dass wir gemeinsam durch die Pandemie gehen. Stellenweise stellt sich schon Resignation ein, wenn ein Büro wie das meine eineinhalb Jahre ins Nichts hineinarbeitet. Hilfen sind geflossen, aber immer unter der Sichtweise: es wird ja anders. Hier haben wir uns in diesem Sommer verschätzt oder verschätzen wollen. Es wäre schön gewesen, wenn sich mehr hätten impfen lassen. Dies meine Mainstream-Meinung. Aber vielleicht passiert es ja noch? Hoffentlich.

Was passiert mit „Käsers Stall“?

Der bleibt so, wie er ist. Bevor wir dort Veranstaltungen gemacht haben, habe ich im Stall geprobt und aufgenommen. Das ist jetzt wieder so. Ich bin also nicht untätig. Im Sommer war ich bei 15 Open Airs zu Gast, alle sind super gelaufen und das Publikum war toll. In der letzten Zeit habe ich mich im Stall jeden Donnerstag mit Werner Koczwara getroffen. Wir arbeiten an einem neuen Programm, das wir bald vorstellen möchten.

Geht es in dabei auch um Corona?

Wir haben Anfang des Jahres ein Lied dazu gemacht, aber auch gemerkt, dass man das Thema nicht überstrapazieren sollte. Den ganzen Tag geht es um Corona, da will man abends nicht auch noch den Vollbeschuss.

Wie bewahren Sie Ihren Humor?

Es ist mir zunächst mal wichtig, mir nicht meinen Grundhumor nehmen zu lassen angesichts dessen, was in den Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen passiert. Momentan sind wir alle im winterlichen Modus, da muss man sehen, dass man nicht grundsätzlich den Mut verliert, wozu ich allerdings nicht neige. Wie lange das dauert, wissen wir nicht. Aber dass es mal wieder anders sein wird, wissen wir. Danach wartet schon die nächste Problematik, wer älter ist, weiß das. Es sind Phasen der Bedrängung, die vorübergehen und dann wieder kommen. Ich ziehe meinen Humor bei all dem auch daraus, dass ich über mich selbst lache und witzige Situationen erkenne.

Gibt es einen Kollegen, über den Sie lachen können?

Uli Keuler zum Beispiel. Er ist für mich immer noch der Großmeister des schwäbischen Humors. Ich durfte vor einem Monat die Laudatio auf ihn halten, er wurde mit dem Sebastian-Blau-Preis ausgezeichnet. Er hat auch viel in Laubach gespielt. Ich kenne das Programm, das kann man sich mehrfach ansehen. Aber es gibt ja unterschiedliche Hümore und unterschiedliche Publikümer.

Zurück zur Übersicht: Schwäbisch Gmünd

Mehr zum Thema

Kommentare