Kein Sonnenblumenöl - keine Fritten?

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Pommes ohne Öl?
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Weil kein Speiseöl mehr aus der Ukraine und Russland in deutschen Supermärkten landet, ist die Ware knapp und teuer. Wie die Köche an den Pommes-Fritteusen darauf reagieren.

Schwäbisch Gmünd. Leere Supermarktregale dort, wo eigentlich Sonnenblumenöl, Rapsöl und Sojaöl verschiedener Hersteller stehen. Und das zur Hochsaison der Vereinsfestle, bei denen Pommes und Göggele - in Öl frittiert - verkauft werden. Seit dem Ausbruch des Krieges in der Ukraine wird vor allem Sonnenblumenöl auch hierzulande knapp. Denn die weltweit größten Exporteure sind Russland und die Ukraine - von dort gibt's aber derzeit keinen Nachschub. Wer kein Sonnenblumenöl bekommt, greift auf Alternativen wie Rapsöl zurück. Daher wird auch dieses knapp. Kunden kaufen Sonnenblumenöl, um Fleisch anzubraten, zum Backen oder zum Pommes frittieren. Kein Öl, keine Fritten? Bleiben die Fritteusen bei den kommenden Straßenfesten oder am Freibad-Kiosk etwa kalt?

„Nein“, sagt Jürgen Hanisch, der beim Lebensmittel-Großhändler Omega Sorg in Essingen unter anderem für den Wareneinkauf zuständig ist. Viele Gastronomen und Vereine zählen zu den Kunden des Unternehmens.  Sonnenblumenöl sei knapp, aber verfügbar, erklärt er weiter. Deshalb gibt das Unternehmen nur beschränkte Mengen an seine Kunden ab. Wenn aber beispielsweise ein Verein eine große Menge an Frittieröl, Blockfett oder halbflüssigem Fett für die Pommes-Fritteuse brauche, dann könne Omega das in der Regel auch möglich machen. Aber: „Es ist eine gewisse Vorplanung nötig“, erklärt Jürgen Hanisch. Er rät Vereinen und Gastronomen, die größere Mengen an Öl brauchen, unbedingt rechtzeitig vorher anzurufen und das Öl vorzubestellen. Es könne passieren, dass der Kunde dann Sonnenblumenöl oder Fett verschiedener Hersteller bekommt. Hanisch ist deshalb ständig im Gespräch mit den unterschiedlichen Händlern, um zu schauen, wo Öl zu haben ist.

Geringes Angebot, steigende Preise: Für einen Liter Sonnenblumenöl mussten Kunden vor der Ukrainekrise rund zwei Euro bezahlen. Aktuell sind's etwa vier Euro. Auch Palmfett für die Fritteuse ist teurer geworden. Trotzdem kauften die Kunden das Öl und Fett, „weil sie es einfach für bestimmte Dinge brauchen“, erklärt er.

Das bestätigt Marcus Heinrich, Vorsitzender des Bettringer Musikvereins. Fürs Vatertagsfest am Donnerstag seien die Vereinsmitglieder seit Wochen damit beschäftigt, über Lebensmittel-Großhändler genügend Frittierfett zu besorgen. „Wir kriegen das hin, es gibt Pommes und Göggele aus der Fritteuse“, freut sich Marcus Heinrich mit Blick aufs nahende Fest. Allerdings habe der Verein ungefähr das Doppelte fürs Fett bezahlen müssen als in den Jahren zuvor. Für die Portion Pommes verlangen die Bettringer deshalb dieses Jahr 3 Euro. Bislang kostete sie 2,50 Euro.

Auch Thomas Schneider, der den Kiosk im Heubacher Freibad betreibt, verlangt seit dieser Saison  drei Euro für die Schale. Er hat aber als Ausgleich etwas größere Pappschalen besorgt. Thomas Schneider verwendet normalerweise halbflüssiges Fett für seine Fritteuse. „Derzeit muss man aber einfach schauen, was es überhaupt gibt.“ Blockfett sei in der Verarbeitung etwas umständlicher, weil es vorher erst im Topf geschmolzen werden muss.

Eine Alternative hat sich Metzgermeister Alexander Wahl überlegt, der auch bei vielen Festen im Gmünder Raum die Pommes-Fritteuse anschmeißt. „Wir verwenden Rinderfett“, erklärt er. Damit würden auch die Originalpommes aus Belgien frittiert. Dazu wird überschüssiges Fett vom Rind klein geschnitten und im heißen Topf ausgelassen. Das flüssige Fett wird dann bis zur weiteren Verwendung in Behälter abgefüllt, in denen es wieder abkühlt und fest wird.

Das Rinderfett habe einen hohen Flammpunkt und sei gut zum Frittieren geeignet. Außerdem entspreche es seiner Philosophie, möglichst alles von der Nase bis zum Schwanz eines Tieres zu verarbeiten, erklärt Alexander Wahl. Die Pommes sind dann allerdings keine vegetarische Kost mehr, dafür umso schmackhafter.

Wir sind seit Wochen damit beschäftigt, genügend Öl zu organisieren.“

Marcus Heinrich, Musikverein Bettringen

Kein Sonnenblumenöl - was noch geht

Frittieren: Hierfür eignen sich Rapsöl, Maiskeimöl, Leinsamenöl, Rinderfett oder Palmfett. Auch diese Alternativen sind teurer geworden. Ein Liter Maiskeimöl kostet etwa drei Euro.
Braten: Sesamöl oder Kokosöl. Dieses kostet beispielsweise um die zehn Euro pro Liter.
Backen: Butter, Butterschmalz.

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