Kinos hoffen auf zweite Jahreshälfte

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Die Schaukästen, hier am Kino Brazil, spiegeln die aktuelle Lage: neue Filmplakate sind Fehlanzeige.

Ein Autokino ist bis jetzt nicht geplant. Neue Kinofilme nach den Corona-Einschränkungen. Kinderkino-Festival soll nun im Oktober stattfinden.

Schwäbisch Gmünd

Auf zu, auf zu und nochmal auf zu, das ist es, was uns mürbe macht, sagt Heinz Lochmann, Geschäftsführer der gleichnamigen Filmtheater-Betriebe. Bei der Wiedereröffnung des „Traumpalast“ in Schwäbisch Gmünd nach dem ersten Lockdown war er zuversichtlich, konnte sich nicht vorstellen, dass eine zweite und dritte Corona-Welle alles über den Haufen wirft.

Auch wenn die rund 200 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in Kurzarbeit sind, bleibt das Unternehmen auf Kosten sitzen. „Der Verlust bei allen acht Standorten zusammen geht in die Millionen“, sagt er und verweist auf den laufenden Unterhalt. Die Heizung muss laufen, die Lüftung regelmäßig in Betrieb sein. „Wir sind zwei Mal in der Woche vor Ort, kontrollieren dann auch die ganze Elektronik, um sie in Schuss zu halten.“

Mit einer raschen Entspannung rechnet Heinz Lochmann derzeit nicht. Er hat schon den Herbst im Blick. Die Sommermonate seien ohnehin keine wirklichen Kino-Monate, die Menschen bewegten sich lieber draußen.

Keine alten Kamellen

Ein Autokino, wie es vergangenes Jahr an der Nepperbergstraße eingerichtet war, ist für den Kinobetreiber aktuell keine Option. „Am Anfang war das eine tolle Sache, eine Möglichkeit, mal rauszukommen. Aber nun braucht es dazu Filme.“ Er will keine „alten Kamellen zeigen“. Und neue Kinofilme dürften erst wieder so richtig am Markt sein, wenn der Lockdown bundesweit beendet ist. Im Oktober erwartet er auch den neuen James-Bond-Film.

Erfahrungen, die in kleinerem Stil auch Walter Deininger macht. Er betreibt das Kino Brazil und die Kneipe KKF, muss ebenfalls seit November auf eine Öffnung verzichten. Nur zu schimpfen, das helfe in dieser Situation aber nicht weiter. Mit einem kurzen harten Lockdown hätte man das Infektionsgeschehen vielleicht eher in den Griff bekommen. Schulen und Betriebe seien nun mal auch Infektionsherde. Seine Hoffnung liegt in der zweiten Jahreshälfte, wenn mehr Menschen geimpft sind. „Wir haben jetzt einen neuen Termin für das Kinderkino-Festival (KiKiFe) festgelegt“, sagt Walter Deininger. Ursprünglich sollte es im März stattfinden, wurde auf Juni verlegt. Weil auch der Termin zu unsicher sei, „findet es nun im Oktober statt“. Wie immer leisten die Pädagogische Hochschule und die Stadt Schwäbisch Gmünd ihre Beiträge zum Kikife.

Drittes Standbein

Der langjährige Kinobetreiber spricht von einem „dritten lahmen Fuß“: Neben Brazil und KKF möchte er verstärkt Live-Veranstaltungen organisieren, hat vor Corona gerade damit begonnen. Etwa mit Musikgruppen im Himmelsgarten. Ein Engagement, das sich hoffentlich bald fortsetzen lasse. Ein Stück Planungssicherheit wünscht sich auch Heinz Lochmann zurück. Für seine Betriebe sei kurzfristiges Öffnen und Schließen nicht machbar. Nicht nur wegen der Filme, die erst vorliegen müssen. „Wir müssen auch Cola und Popcorn wegschmeißen, wenn wieder plötzlich geschlossen wird.“

Sollen Geimpfte wieder ohne Einschränkungen ins Kino gehen können? Für Heinz Lochmann ein zweischneidiges Schwert. „Mit einer Zwei-Klassen-Gesellschaft tue ich mich schwer“, sagt er. Denkbar wäre es viel mehr, dass Geimpfte Zutritt haben, aber gleichzeitig auch Besucher mit einem frischen Schnelltest rein dürfen. „Und was mache ich bei einem Kinderfilm?“, fragt er sich. Schließlich erreichen die Impfungen vorerst nur die ältere Generation. Schnelltests hält er neben Impfungen für eine wichtige Maßnahme, „denn wir brauchen Perspektiven“. Da sollte man den engagierten Leuten wie in Tübingen keine Knüppel zwischen die Beine werfen, meint Heinz Lochmann.

Walter Deininger sieht das ähnlich. Es rege ihn auf, wenn Firmen, die anders als sein Unternehmen während Corona Geld verdienen, bei Schnelltests zögerlich sind. Jetzt hofft er einfach darauf, schon bald nicht mehr Woche für Woche die aktuellen Pandemie-Zahlen verfolgen zu müssen.

Wir

Heinz Lochmann,, Kinobetreiber

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