"Kleiner Weckruf" für mehr Klimaschutz

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Bis zu 200 Radfahrer beteiligen sich an der Tunneldemo und radeln durch das 2,2 Kilometer lange Bauwerk. Einhorntunnel eine gute Stunde gesperrt. Staus in der Stadt.

Schwäbisch Gmünd. Die Angaben zur Teilnehmerzahl variierten: Etwa 130 bis 150 Radfahrer hätten sich an der Tunneldemo beteiligt, sagte Gmünds Stadtsprecher Markus Herrmann. Demo-Organisator Tim-Luka Schwab von Fridays for Future hingegen sprach von etwa 200 Raddemonstranten. So oder so: Erstmals in der Geschichte des Gmünder Einhorntunnels durchquerten Radfahrer diesen, um so auf Handlungsbedarf gegen die Klimaerwärmung aufmerksam zu machen.

Dazu hatten sich die Radfahrer am Freitag gegen 14 Uhr am Bahnhof versammelt. Dort war auch Gmünds Ordnungsamtschef Gerd Hägele. Er hatte den Tunnel gegen 13.45 Uhr gesperrt. Zwei Lastwagen versperrten im Osten und Westen des Tunnels die Zufahrt. Eine zusätzliche Sicherheitsmaßnahme, wie Hägele erläuterte. Und Mitarbeiter der Straßenmeisterei durchquerten den Tunnel, schauten, ob er tatsächlich leer war. Erst dann gab Hägele grünes Licht. Bevor die Radler jedoch in die Pedale traten, erläuterte Schwab einmal mehr die Ziele der Aktion. In eineinhalb Jahren habe Fridays for Future das Klimathema zu einer globalen Protestbewegung gemacht. Aber: Alle würden zwar sagen, dass dies wichtig sei. Gleichzeitig werde jedoch "nicht ausreichend gehandelt". Schwab: "Wir setzen mit der Tunneldemo ein entschiedenes Zeichen, dass das so nicht weitergehen kann".

Dies sahen auch die Teilnehmer der Demo so. "Klimaschutz ist dringend notwendig", sagte Bernhard von Lippe. Die Böden würden immer trockener. Deshalb müsse man etwas machen. "Wir sind auf einem Schiff, das mit 99-prozentiger Wahrscheinlichkeit untergehen wird", sagte Antonia Schoch. Hier gehe es um einen Tag, an dem Radler durch einen Tunnel fahren, der an 364 Tagen den Autos gehört. Die Radler würden sich nun einmal den Platz nehmen, der ansonsten den Autos gehöre.

Unter den Teilnehmern waren auch stadtbekannte Gesichter. Neben den Stadträten Prof. Dr. Andreas Benk (Die Linke), Karl Miller (Grüne) und Thomas Krieg (Grüne) war der Intendant des Festivals Europäische Kirchenmusik, Klaus Stemmler, dabei. Er sei ein passionierter Radfahrer, sagte Stemmler. Deshalb war die Demo für ihn eine "tolle Idee". Man müsse mehr über Klimawandel und Klimaziele reden. Um dorthin zu kommen, gebe es unterschiedliche Wege. Einer davon sei die Tunneldemo.

Wir brauchen einen Wechsel vom Autoland zum Mobilitätsland.

Andreas Mooslehner BUND

Von der Polizei begleitet, fuhren die Radler über die Stuttgarter Straße in den Tunnel, durchquerten diesen und radelten von der Ostausfahrt zum Johannisplatz. Einen "Riesenapplaus" gab es dort zunächst einmal dafür, dass alle unfallfrei durch das Bauwerk unter der Erde gekommen waren. Als "kleinen Weckruf" wertete danach der Geschäftsführer des BUND Ostwürttemberg, Andreas Mooslehner, die Tunneldemo. Mooslehner forderte, Investitionen für Straßen auf Schienen umzulenken. Nur so könnten die Klimaziele von Paris erreicht werden. Mit dem Abkommen aus dem Jahr 2015 soll die Zunahme der Erderwärmung auf 1,5 Grad Celsius begrenzt werden. Dazu brauche es eine Stärkung des Radverkehrs und weniger Autos im Land, sagte Mooslehner. Wenn heute in der Automobilindustrie Jobs verloren gingen, sei dies, weil die Industrie den Wandel vom Autoland zum Mobilitätsland vertrödelt habe.

Zu dem Zeitpunkt, als Mooslehner sprach, war der Tunnel schon wieder frei gegeben. Das war gegen 14.45 Uhr, sagte Gerd Hägele, der auch froh war, dass "alles glatt" gelaufen war. Nur der Stau, der durch die Sperrung aufgelaufen war, musste sich noch vollends auflösen.

Stimmen der Autofahrer aus dem Stau: "gerechtfertigt" oder "so nicht"

13.15 Uhr: Noch ist der Tunnel nicht geschlossen für die Fridays-For-Future-Raddemo, trotzdem staut sich der Verkehr im Gmünder Osten bis zum Pfitzer- und zum Baldungskreisel. Ein Unfall auf der Aalener Straße sorgt für Stockungen. Auf der Fußgängerbrücke über die Aalener Straße beim Tunnelportal Ost haben sich einige wenige Schaulustige eingefunden, die auf die Tunnel-Radler warten. "Obwohl ich gerne Radfahrer bin, habe ich kein Verständnis hierfür", meint Siegfried Eigl. Ihm tun all jene leid, die im Stau stehen werden. "Fürs Klima streiken schon, aber nicht so", findet der Gmünder. Kontinuierlich am Thema dranbleiben sei besser. Diese Aktion schade den Klimaaktivisten mehr, als dass sie nütze.

Philipp Mensch aus Herlikofen "kann die Argumente nachvollziehen", die die Fridays-for-Future-Bewegung zu der Demo veranlasst haben, die mit einem spürbaren Zeichen auf die Klimaschädlichkeit des Verkehrs hinweisen wollten. "Sie hätten aber auch eine Demo durch die Stadt machen können", findet er, wenngleich: "Gäbe es mehr Radwege, würde ich mehr Rad fahren."

13.48 Uhr: Die Schranken am Tunnel sind zu. Binnen Minuten staut sich der Verkehr von Aalen her, aus Richtung Herlikofen vom Hinterland und aus dem Schießtal. Nicht nur in der Aalener Straße, auch am Baldungs- und am Pfitzerkreisel geht es jetzt nur noch schleppend voran. An letzterem steht Konstanze Naujocks und beobachtet den Verkehr. Es sei nicht mehr los, als sonst an einem Freitagmittag, ist ihr Empfinden. "Absolut gerechtfertigt" sei die Aktion von Fridays for Future, "ich finde, dass man mal ein Zeichen setzen muss". Autofahrer hätten in Gmünd immer noch Priorität, die Situation etwa für Radfahrer sei "megakatastrophal". Die Kritik amdurch die Demo verursachten Stau findet sie "unverhältnismäßig". denn "das ganze CO2, das man das Jahr über hochbläst, interessiert keinen".

Eine der Autofahrerinnen, die in der Remsstraße Richtung Stuttgart vorwärtsschleicht, findet das Engagement von Fridays for Future "im Prinzip gut – aber so nicht". So sei es vor dem Tunnelbau gewesen – "zum Kotzen". Ein ergebenes Schulterzucken hat der LKW-Fahrer aus Makedonien für die Klimaaktivisten. Stau? Ist üblich, sagt er und quetscht seinen Lastzug in die Kreuzung.

14.42 Uhr: Die Tunnel-Schranke öffnet sich. Eine Frau aus der Heidenheimer Gegend steigt auf dem Aldi-Parkplatz in ihr Auto. Sie war kurzerhand zum Einkaufen abgebogen , statt im Stau zu warten. Jetzt fädelt sie in den zunehmend flüssigen Verkehr ein.

 

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