Können sich die Menschen noch Kultur leisten?

+
Wie startet die Kultur in Schwäbisch Gmünd in den Winter, welche Zukunftsprojekte sind für die Stadt von Bedeutung? Dazu äußert sich der Vorsitzende des Arbeitskreises Kultur, Dr. Rudolf Böhmler. Foto: kust
  • schließen

Der Vorsitzende des Arbeitskreises Kultur, Dr. Rudolf Böhmler, äußert sich zur aktuellen Lage.

Schwäbisch Gmünd. Mündet ein toller Kultursommer auch in einen begehrten Kulturwinter? Möglich, aber nicht sicher, meint dazu der Vorsitzende des Arbeitskreises Kultur in Schwäbisch Gmünd, Dr. Rudolf Böhmler. Er sieht zwei Faktoren, die Bremswirkung haben könnten: Das sind die erhöhten Kosten, die auf Veranstalter in Innenräumen zukommen, das ist auch das Budget vieler Kulturinteressierter, für die Inflation und Energiekosten zur Belastung werden. Positiv stimme, dass sich der Besucherschwund in Schwäbisch Gmünd bis jetzt in Grenzen gehalten hat. Mit einer Auslastung von über 80 Prozent sei das Festival Europäische Kirchenmusik ein gutes Beispiel. In Stuttgart, aber auch bei den Festspielen in Ludwigsburg, seien die Einbußen erheblich größer gewesen.

Neustart Kultur

Vor allem Gesangvereine hätten in den Corona-Jahren gelitten. Aus finanziellen Gründen konnten sie oft ihre Dirigentinnen und Dirigenten nicht halten. Beim Neustart seien die aber nicht mehr zurückgekommen. Nur wenige hätten so agieren können wie der Liederkranz Weiler, deren Dirigentin Kathrin Bechstein oft online mit den Mitgliedern geprobt habe. „Jetzt müssen wir Kraft schöpfen und die Kultur insgesamt in Schwäbisch Gmünd auf Betriebstemperatur bringen“, so Dr. Rudolf Böhmler. Positiv sei es, wenn die Stadt Vereinen weiter bei den Auftrittsorten entgegenkommt, die finanzielle Hürde niedrig hält. Bei vielen Gruppierungen brenne das Feuer noch, das habe auch der Verein Staufersaga in diesem Sommer bewiesen.

Neues Publikum für Gmünd

Was die Besucher angeht, da könnte Schwäbisch Gmünd über den Tellerrand blicken. In diesem Sommer seien viele Touristen in die Stadt gekommen – vielleicht auch durch das 9-Euro-Ticket. Dann aber sollten touristische Attraktionen auch geöffnet sein. So hätten viele – das sei keine Kritik am Träger – vor einer verschlossenen Johanniskirche gestanden. Auch beim „Schattenreich“, dem Museum für Schattentheater, sollte man häufiger Zugang haben. Dafür Modelle zu entwickeln, wie so etwas personell und finanziell zu stemmen ist, sei jetzt die Aufgabe.

Konkrete Vorhaben

Dr. Rudolf Böhmler nennt das bevorstehende Schattentheater-Festival im Oktober, das Schwäbisch Gmünd einen Glanzpunkt verleihe. Und er hat das Jubiläum des Gmünder Museum im Blick, das in vier Jahren seinen 150. Geburtstag feiern könne. Nur wenige bedeutende Städte in Deutschland hätten 1876 schon ein Museum gehabt. Vorreiterrollen möchte er weiter für Schwäbisch Gmünd in Anspruch nehmen. 1971 sei das mit der Eröffnung der Städtischen Musikschule gelungen, in jüngerer Zeit mit dem Start der Jugendkunstschule. „Was jetzt noch fehlt, ist eine Theaterschule“, sagt er und sieht das als konkretes Ziel, zu dem schon vorhandene Gruppierungen wie die Gmünder Bühne, das Kolping-Musiktheater, der Verein Theaterwerkstatt oder der Verein Staufersaga beitragen könnten. Und neben Theater dürfe dort auch das gesprochene Wort eine Rolle spielen. 

Auf lange Sicht

Das Kulturleben möchte der Arbeitskreis-Kultur-Vorsitzende auf Dauer bereichern. Weil Gmünds Wirtschaftskraft überschaubar sei, sind es Projekte der Zukunft. So wünscht er sich, dass das Atelier Fehrle für die Öffentlichkeit zugänglich gemacht wird. Ein finanziell vielleicht noch größerer Kraftakt sei der Erhalt und die Öffnung der ehemaligen Synagoge in der Imhofstraße. Dort habe Robert Dinser finanziell Vorleistungen erbracht, an die es anzuknüpfen gelte. Das Gebäude aus dem 12. bis 13. Jahrhundert sein einmalig, überregional von Bedeutung. 

⋌Kuno Staudenmaier

Das ist der Arbeitskreis Kultur

Der Arbeitskreis Kultur wurde 1977 gegründet, seither ist Dr. Rudolf Böhmler Vorsitzender. Mitglieder kommen aus allen kulturellen Richtungen.  An vielen kulturellen Errungenschaften war  der Arbeitskreis beteiligt. Bei der Einrichtung des Silberwarenmuseums Ott-Pauser ebenso wie bei den Landeskunstwochen 1987. Auch die Künstlerszene wurde in diesen 45 Jahren unterstützt.

Zurück zur Übersicht: Schwäbisch Gmünd

Kommentare