Kommt die DNA-Spur vom Angeklagten?

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50-Jähriger wegen versuchter Tötung im Jahr 2010 vor der Schwurgerichtskammer.

50-Jähriger wegen versuchter Tötung im Jahr 2010 vor der Schwurgerichtskammer.

Ellwangen. Wegen eines vor über elf Jahren in Schwäbisch Gmünd gemeinschaftlich begangenen Einbruchs mit schwerer Körperverletzung und dem Versuch, einen Menschen zu töten, steht ein 50-Jähriger seit Dienstag vor der 1. Schwurgerichtskammer um Richter Bernhard Fritsch des Landgerichts Ellwangen. Er war aufgrund einer erst 2018 gewonnene n DNA-Probe verhaftet worden, die mit am Tatort gefundenem Material übereinstimmte.

Staatsanwalt Maximilian Adis beschrieb in seiner Anklage, dass der Beschuldigte U. am Abend des 25. Januar 2010 zusammen mit einem unbekannten Komplizen sich Zugang zum einem Mehrfamilienhaus des Geschädigten G. verschafft und dort im Keller an dessen Tür zum Hobbyraum geklopft habe. Als dieser öffnete, hätten die beiden ihn sofort brutal niedergeschlagen, mit Panzertape gefesselt und geknebelt. In der Folge hätten sie ihn gegen Körper und Kopf getreten, während sie den Raum durchsuchten. Dann seien sie geflüchtet und hätten den Schwerverletzten hilflos liegengelassen. Aufgrund von Hilferufen war er von Nachbarn gefunden worden.

Der Angeklagte, der zuletzt in der JVA Düsseldorf einsaß und derzeit in U-Haft in Schwäbisch Hall ist, ließ seinen Pflichtverteidiger Goran Bronisch aus Düsseldorf und Rechtsanwalt Dr. Stephan Prinz aus Gelsenkirchen, eine Verteidigererklärung verlesen. Darin bestritt er eine Tatbeteiligung, die gefundene DNA-Spur sei anders an den Tatort gekommen. Bronisch führte aus, dass U. seit 20 Jahren als Kleinspediteur für Autos und Waren von Deutschland und aus Nachbarländern nach Rumänien und Serbien tätig sei. Er würde seine beiden Gespanne auch immer wieder mit allem nötigen Material – Spanngurte, Werkzeug, Klebeband – vermieten. Das sei auch zum Tatzeitpunkt geschehen, führte Prinz weiter aus. Zum fraglichen Zeitpunkt sei U. auf einer Reise nach Serbien wegen gesundheitlicher Probleme zusammengebrochen und dort in einer Klinik gewesen. Zuvor, am 20. Januar, habe er ein Gespann an zwei ihm bekannte Brüder vermietet. Die DNA-Spur sei an den Tatort gekommen, weil beim Einbruch sein Klebeband aus dem Auto benutzt worden sei, das er zuvor öfter in den Händen gehabt und auch mit den Zähnen abgerissen habe.

Mit Klebeband gefesselt

Als Zeugen wurde ein älteres Ehepaar aus dem Wohnhaus vernommen. Die beiden erzählten, wie sie beim Fernsehen ein Rumpeln hörten, das sie zunächst in der Wohnung über ihnen verorteten. Später hörten sie ein Stöhnen. Als Ursprung machten sie jetzt den Keller aus. Auf Hilferufe liefen sie nach unten, fanden mit weiteren Nachbarn den Verletzten blutüberströmt und betätigten den Notruf. Zwei Polizisten schilderten, wie sie sich um G. kümmerten, und erste Spuren sicherten. G. war mit Klebeband an den Armen gefesselt und am Hals verklebt, es wurde aber nicht ersichtlich, ob er Tape vor dem Mund hatte. Die Verteidiger versuchten nachzuweisen, dass das abgenommene Band auch hier mit der DNA von U. kontaminiert worden sein könnte. Der Geschädigte selbst sagte, dass er zwei Täter vermute, weil in dem Moment, als er die Tür öffnete, das Licht ausging, als ob jemand die Sicherung herausgedreht hätte. Dann sei er niedergeschlagen worden. Später habe er gemeint, einen der Täter von hinten zu erkennen, es sei aber nicht der Angeklagte gewesen, sondern einer der beiden Brüder. Ihn kannte er aus einer Stammkneipe. Er leide heute noch an den Folgen, sei unter anderem halbseitig gelähmt.

Ein Kriminalbeamter sagte, dass Ermittlungen in Serbien, etwa die Befragung des angegebenen Klinikarztes, schwierig oder erfolglos waren mangels Kooperation der dortigen Beamten. Ein weiterer Beamter, seit 2019 Sachbearbeiter des Falles, verwies auf das Alibi des Bruders durch einen Kaufbeleg einer Videothek, das aber nicht wasserdicht sei. Für ihn sei G. vor der Tat ausgespäht worden. Prinz führte an, dass die Durchsuchung des Autos des einen Bruders und dessen Wohnung nicht sorgfältig genug geschehen sei, beispielsweise seien die Fußmatten des Autos vor der Durchsuchung durch die damalige Frau des Bruders entsorgt worden. Ein weiterer Beamter beschrieb die Untersuchung des Hobbyraums. So seien im Tresor, der nicht aufgebrochen war, ein Gewehr und Bargeld gefunden worden. je

Die Verhandlung wird an diesem Mittwoch mit weiteren Zeugen fortgesetzt.

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