Krise ent- und geschlossen annehmen

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Gmünds direkt gewählte Abgeordnete Martina Häusler (Grüne) und GT-Redaktionsleiter Michael Länge im Gespräch mit Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann und Grünen-Fraktionschef Andreas Schwarz. Foto: privat
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Die Grünen im Land laden Journalisten zum Austausch ein. Ministerpräsident Winfried Kretschmann stimmt auf schwierigere Zeiten ein.

Stuttgart / Schwäbisch Gmünd. Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann stimmt die Bürger auf schwierigere Zeiten ein. „Wir stehen vor einem Winter, wie wir ihn lange nicht mehr gesehen haben“, sagte Kretschmann am Dienstagabend bei einer Begegnung der Grünen aus Landtagsfraktion, Landesvorstand und Landesregierung mit Journalisten aus dem ganzen Land. Die 58 Abgeordneten der Grünen, unter ihnen Gmünds direkt gewählte Abgeordnete Martina Häusler, hatten dazu aus ihren Wahlkreisen jeweils einen Medienvertreter eingeladen.

„Im vergangenen Winter hatten wir den Eindruck, die Corona-Krise ginge zu Ende“, sagte Kretschmann. Dann sei „wie ein Paukenschlag“ der Krieg in der Ukraine gekommen. Mit Unbekanntem umzugehen, sei uns nicht mehr unbekannt, sagte Kretschmann. Dies hätten wir in der Corona-Krise gelernt. Der Regierungschef bezog dies vor allem darauf, dass „wir uns eine neoimperialistische Politik Putins nicht mehr vorstellen konnten“. „Wir hatten gedacht, das sei in Europa überwunden, nun müssen wir damit fertig werden“, sagte Kretschmann.

Aktuell müssten die Menschen „parallel mit schwersten Krisen fertig werden“. Der Ministerpräsident nannte dafür drei aus seiner Sicht wichtige Erfordernisse: Entschlossenheit, Geschlossenheit und Stärke. Dies gelte für die gesamte Europäische Union. Für den kommenden Winter müsse Vorsorge getroffen werden. Wirtschaftsminister Robert Habeck stelle dafür die Weichen. Dass er sich Zwängen beugen müsse, treffe die Grünen besonders schwer. Was Kretschmann damit meinte: Mit der vermehrten Nutzung von Kohle sei das „kleinere Übel als Element der Politik zurückgekehrt. Kretschmann verwies auf den Gasgipfel des Landes am kommenden Montag. Die Entscheidung jedoch über die Verteilung des Gases treffe nicht das Land. Die träfen das Bundeswirtschaftsministerium und die Bundesnetzagentur.

Der Ministerpräsident forderte alle Bürger zum Sparen auf: „Wenn alle an der Schraube drehen, an der sie drehen können, dann wird aus vielen Peanuts eine Nuss.“ Im Land Baden-Württemberg ändere sich aktuell die Haushaltslage, sagte Kretschmann in Bezug auf anstehende Haushaltsgespräche für 2023/24. Weshalb der Landesvater dazu aufforderte, „nicht mit der Krise zu hadern, sondern sie anzunehmen“. Und so zu verhindern, „dass die Gesellschaft auseinanderfliegt“. Sich darum zu kümmern, sei nicht minder befriedigend als zu gestalten. Das, sagte Kretschmann, „ist unsere Verantwortung“.

Vor Kretschmann hatte der Fraktionschef der Grünen, Andreas Schwarz, die Journalisten begrüßt. Die Grünen stünden für eine offene Gesellschaft, sagte Schwarz. In einer solchen seien Medien notwendig. Schwarz kritisierte den Umgang von Querdenkern in der Corona-Krise mit Medienvertretern. Dabei machten Fake News das Leben schwerer. „Da sitzen wir in einem Boot“, sagte der Fraktionschef und Abgeordnete des Wahlkreises Kirchheim / Teck. Er beo-bachte Entwicklungen in den sozialen Medien mit Sorge, sagte Schwarz und betonte: „Es braucht seriöse Berichterstattung und gründliche Recherche.“ In einem Wort: „Qualitätsjournalismus“. Dabei bräuchten sich Politik und Medien für einen Zusammenhalt der Gesellschaft „mehr denn je“.

Darauf hatte nach dem Fraktionschef Andreas Schwarz auch Ministerpräsident Winfried Kretschmann hingewiesen. „Sie sind wichtig wie nie zuvor“, sagte er den Medienvertretern und fügte hinzu: „Auch wenn uns Ihre Kommentare nicht immer gefallen.“

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