Länger warten „Auf das Leben“

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Aus der Silberwarenfabrik Binder in die USA und jetzt zurück im Gmünder Museum: Dr. Max Tillmann zeigt den neu erworbenen Kidduschbecher und eine Prägeform für den Davidstern, beides zu sehen in der kommenden Ausstellung.

Die Ausstellung in der Ott-Pauser‘schen-Fabrik über Judaica aus Gmünder Produktion ist ab Sonntag, 25. April, online zu sehen. Eröffnung fällt aus.

Schwäbisch Gmünd

Seit mehr als einem Jahr bereitet sich das Gmünder Museum auf eine große Ausstellung in der Ott-Pauser‘schen-Fabrik vor: „Lechaim – Auf das Leben“ - Kiddusch-Becher und andere Judaica aus Gmünder Produktion“. Aus der geplanten Eröffnung am Sonntag, 25. April, wird nun erst einmal nichts. „Corona hat uns einen Strich durch die Rechnung gemacht“, sagt Museumsdirektor Dr. Max Tillmann. Dafür wird zum Eröffnungstermin Punkt 15 Uhr ein Video freigeschaltet, das einen Rundgang durch die Ausstellung zeigt. Zu sehen auf der Homepage der Stadt Schwäbisch Gmünd und auf Instagram. Im Jubiläumsjahr „1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland“ will das Museum Bezüge der Stadt und ihrer Menschen zum Thema darstellen.

Im Mittelpunkt steht dabei auch eine Neuerwerbung des Museums: Es geht um einen für die Produktions- und Exportgeschichte des Gmünder Silbers interessanten Kidduschbecher, der um 1905 in der Firma Wilhelm Binder für den US-amerikanischen Markt angefertigt wurde. Solche Kidduschbecher wurden bei einer Sabbat-Zeremonie auch im privaten Umfeld verwendet. Nach Worten Tillmanns überzeugt der Becher „durch seine formschöne Kontur und ein Dekor von ungemein fein in Handarbeit getriebenen hebräischen Lettern. Übersetzt steht dort „der die Frucht des Weinstocks erschaffen hat“. Der Kidduschbecher ist auch ein Zeugnis des Jugendstils. Die US-Ausführung dokumentiere die erstaunliche Exportgeschichte von Judaica aus der Stadt Schwäbisch Gmünd.

Werke aus Würzburg

Mit weiteren Judaica aus dem musealen Sammlungsbestand zeigt die Ausstellung jüdische Kultgeräte, die in Schwäbisch Gmünd von nahezu allen Silberwarenfirmen produziert und weltweit gehandelt wurden, darunter Kiddusch-Becher, Chanukka-Leuchter, Bsamim-Türme und Fruchtdosen.

Kurator Dr. Max Tillmann, der von seinem Stellvertreter Joachim Haller unterstützt wird, hat dazu auch das Museum für Kunst- und Kulturgeschichte Würzburg ins Boot geholt. „Ganz aktuell ist ein Filigranturm als Leihgabe eingetroffen“, sagt der Museumschef. Insgesamt 40 Objekte stehen für die Entwicklungs- und Formgeschichte.

Seit dem 18. Jahrhundert gehört die Fertigung von Judaica zum Repertoire der Schwäbisch Gmünder Edelmetallindustrie. In den 1920er Jahren beispielsweise zählten ein Besamim-Turm sowie zwei Varianten eines Chanukka-Luchters zur Produktpalette der Firma Pauser (gegründet 1820 von Nikolaus Ott), die von 1928 bis zur Stilllegung der Fabrik 1979 von Emil Pauser geführt wurde.

Produkte aus Gmünd

Dr. Max Tillmann hat die Gmünder Tradition weiter erforscht: Die Firma Otto Wolter (1875-1992) produzierte Chanukka-Leuchter, Besamim-Behälter, Kiddusch-Becher und Früchtedosen. Chanukka-Leuchter finden sich im Programm der Gebrüder Deyhle (1820-1998/99) ebenso wie in dem der Firma Gayer & Krauss (1919-1998) sowie der Gebrüder Kühn (gegründet 1860). Und bis heute führt unter den wenigen, noch produzierenden Manufakturen die seit 1895 familiengeführte Silberwarenmanufaktur Arthur Möhrle einen Chanukka-Leuchter im Angebot.

Wie es mit der Ausstellung weitergehen wird, das lässt Dr. Max Tillmann offen. „Wir müssen auf Sicht fahren“, sagt er und hofft, die Ausstellungsräume in der Ott-Pauser‘schen Fabrik möglichst bald öffnen zu können. Eine Ausstellungseröffnung – unter anderem sollte dabei Charles Steiman aus Zürich sprechen – wird es aber nicht mehr geben.

Anders bei der geplanten Ausstellung „DxDiane“ im Museum im Prediger. Sollte die Eröffnung am Pfingstsonntag nicht möglich sein, werde man das auf jeden Fall nachholen. Bis zum 3. Oktober bleiben die Arbeiten von Diane Herzogin von Württemberg, Prinzessin von Frankreich, im Prediger. Unmittelbar nach den Aufbauarbeiten in der Ott-Pauser‘schen-Fabrik wird mit dem Ausstellungsaufbau im Prediger begonnen.

Die Ausstellung „Lechaim – auf das Leben“ im Silberwarenmuseum Ott-Pauser'sche-Fabrik dauert regulär vom 25. April bis 31. Oktober. Sobald es die Corona-Verordnungen erlauben, wird Präsenzbesuch möglich sein.

Im Museum im Prediger beginnt am Pfingstsonntag, 23. Mai, die Ausstellung „DxDiane“. Noch wackelt der Eröffnungstermin.

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