Eine Demo der Mittelschicht

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Eine "Querdenker"-Fahne gehörte auch zu der Kundgebung gegen die Corona-Politik der Regierung am Donnerstag vor der Eichenrainhalle in Lindach.
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Friedliche Aktion gegen die Corona-Einschränkungen vor der Lindacher Eichenrainhalle.

Schwäbisch Gmünd-Lindach

Knapp 30 Teilnehmer sind am Donnerstag nach Lindach zu einer Kundgebung gegen die Corona-Maßnahmen gekommen. Das Treffen auf dem Parkplatz der Eichenrainhalle war ursprünglich als Zug durch den Ort geplant gewesen, erinnerte Initiator Thomas Jauch. Nach "Irritationen" im Vorfeld habe er sich dann jedoch für eine Kundgebung an einem Ort entschieden. Jauch nannte Rechtsstaatlichkeit und friedliche Meinungsäußerung als Kriterien seiner Aktion.

Jauchs Ehefrau Linda Jauch schilderte als Rednerin ihre Erfahrungen. Sie habe 24 Jahre als Krankenschwester und in Arztpraxen gearbeitet und dabei eine "Unmenschlichkeit des Gesundheitssystems" wahrgenommen. Deshalb habe sie sich als kosmetische Fußpflegerin selbstständiggemacht – und sei nun von den beiden Lockdowns getroffen worden. Sie kritisierte eine Inkonsequenz der Corona-Politik. Weshalb dürften Friseure arbeiten, Fußpfleger jedoch nicht?

Bei vielen ihrer oft älteren Kunden habe sie zuvor die Bedeutung menschlicher Kontakte erfahren, erzählte Jauch. Oft seien Senioren wochenlang alleine gewesen. Diese psychische Belastung werde durch die Corona-Einschränkungen verstärkt. Die Rednerin wandte sich auch dagegen, dass Corona-Demonstranten als rechtsextrem abgestempelt würden. Sie seien, das zeige doch die Kundgebung in Lindach, "aus der friedlichen Mittelschicht".

Friedlich blieb die Veranstaltung, die auch von Polizisten und dem Leiter des Ordnungsamts, Gerd Hägele, beobachtet wurde, die ganze Zeit über. Eine kleine Gruppe Gegendemonstranten hatte sich in einem anderen Bereich des Platzes versammelt. Zu Kontakten der beiden Gruppen kam es kaum. Lediglich eine Teilnehmerin der Corona-Demo ging die Gegendemonstranten verbal an. Mutmaßlich in Bezug auf die Machtergreifung der Nationalsozialisten 1933 bezeichnete sie die Gegendemonstranten als "Leute, die 33 gut fanden".

Auch der Alfdorfer Stefan Schmidt, der bereits mehrere ähnliche Demonstrationen im Gmünder Raum angemeldet hat, sprach in Lindach. Er kritisierte die "etablierten" Parteien: zum Beispiel eine "unheilige Allianz" zwischen CDU und SPD, die auf Bundesebene für die Corona-Politik verantwortlich sei. Und die meisten der Leute, die derzeit die Bewegung "Querdenken" unterstützten, haben zuvor Grün gewählt. Die Bevölkerung werde falsch informiert: Eine höhere Zahl von Toten oder eine gestiegen Belegung der Kliniken gebe es nicht. Zu weiteren Rednern gehörte Thorsten Kunze, der in Göppingen schon eine ähnliche Demo mitveranstaltet hat. Er rief seine Zuhörer auf, kritische Fragen zu stellen.

Schließlich, so Thomas Jauch in seinem Fazit, sei das Ziel dieser Veranstaltung gewesen, die Bevölkerung zu informieren. Weitere Demos sollen folgen.

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