Lindach war immer die geliebte Heimat

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Seit 65 Jahren sind Isolde und Rudi Neumann verheiratet
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Seit 65 Jahren sind Isolde und Rudi Neumann verheiratet und freuen sich darüber, noch gemeinsam im eigenen Heim leben zu können.

Schwäbisch Gmünd-Lindach

Auf der Anrichte im Esszimmer von Isolde und Rudi Neumann in Lindach steht ein Foto des Paares von seiner Diamantenen Hochzeit vor fünf Jahren. Das 88-jährige Ehepaar hat sich in den vergangenen Jahren augenscheinlich kaum verändert. Die Feier zur Diamantenen Hochzeit mit Gottesdienst und dem anschließenden Fest sei wunderbar gewesen, erinnert sich Isolde. Über die Geschwindigkeit, mit der die letzten fünf Jahre vergangen sind, kann das Paar nur staunen.

Die heutige Eiserne Hochzeit soll in kleinem Rahmen gefeiert werden, erklärt das Paar. Mit ein Grund dafür ist Rudis Gesundheitszustand: Nach einem üblen Sturz zu Jahresbeginn muss sich Rudi noch schonen, er sei von seiner Familie „auf Eis gelegt worden“ lacht der 88-Jährige. Soll heißen, auf körperliche Arbeit wie seit Jahrzehnten gewohnt, muss Rudi verzichten. Es falle ihm schon schwer, zuzuschauen, wie andere arbeiten und selbst nicht mit Hand anlegen zu können, meint Rudi und setzt gut gelaunt dazu, er werde sich schon daran gewöhnen. Der Sturz zog eine wochenlange Rehabilitation nach sich, für die behandelnden Einrichtungen findet Rudi nur lobende Worte, die freundliche und gute Behandlungen hätten den Heilungsprozess mit Sicherheit beschleunigt.

Besonders glücklich ist das Paar darüber, dass die jüngste Tochter Elke „vom hohen Norden“ wieder zurück nach Lindach ziehen möchte, um näher bei ihrer Familie zu sein.

Rührig und bekannt

Was macht der rührige Rudi Neumann, wenn er sich nicht mehr handwerklich betätigen kann? Er sei mit seinem Gehwagen regelmäßig im Dorf unterwegs und pflege seine Kontakte, schließlich hat Rudi seit 1953, mit kurzer Unterbrechung, hier eine Heimat gefunden und ist gut bekannt. 15 Jahre lang war er als Bademeister im Lehrschwimmbad tätig „Etliche Lindacher haben bei mir das Schwimmen gelernt“, sagt er. Zudem war Rudi Mitglied im Lindacher Ortschaftsrat.

In Mutlangen geschah es

Als „pommerscher Junge“ vor 88 Jahren geboren, wurde Rudi mit seiner Familie nach Kriegsende aus seiner Heimat, dem heutigen Polen, vertrieben. Schon früh musste Rudi als landwirtschaftlicher Helfer seine Familie unterstützen, der Vater galt damals als vermisst. Seine Arbeit als Landwirtschaftshelfer führte ihn 1953 nach Lindach.

Isolde wurde 1934 in Mutlangen geboren. Auf einem Faschingsball 1954 in Mutlangen trafen sich die junge Isolde Lakner und Rudi Neumann das erste Mal. Rudi konnte als einziger tanzen, es sei Liebe auf den ersten Blick gewesen, erinnert sich Isolde. Obwohl Rudi evangelisch war und „Mischehen“ zu damaliger Zeit nicht gerne gesehen waren, heiratete das Paar 1957 und bezog eine Wohnung im elterlichen Haus von Isolde. Nach der Geburt von Sohn Ralf zog die Familie zurück nach Lindach.

Heimweh nach Lindach

Nach der Ankunft von Sohn Thomas war die Wohnung beengt, so dass der nächste Umzug anstand. Nach der Geburt ihrer Tochter Iris packten die Neumanns erneut ihre Siebensachen und zogen wieder um. Erst mit Tochter Elke wurde das Paar sesshaft. 35 Jahre lebten sie zur Miete in einem Haus in Lindach.

Danach ging es zurück in Isoldes Heimatgemeinde Mutlangen. Hier war das Paar nie glücklich. „Sieben Jahre hatten wir Heimweh nach unserem Lindach“. Zu Fuß machte sich Rudi auf den Weg nach Lindach, um Ortsvorsteher Klaus-Peter Funk sein Leid zu klagen: „Wir wollten unbedingt wieder zurück nach Lindach“. Noch am selben Tag habe Ortsvorsteher Funk dem Ehepaar eine Wohnung im Achalmweg vermitteln können.

Geschätzte Kochkünste

Auch nach 65 Ehejahren ist Rudi voll des Lobes über Isoldes Kochkünste, jeden Tag werde ihm ein frisch gekochtes Essen zubereitet.

Die sich im Alter einstellenden „Wehwehchen“ nimmt das Paar mit Gelassenheit. Das Wichtigste sei, gemeinsam noch zu Hause in Lindach leben zu können.

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