Maibaum als Ablenkung vom Krieg

+
Ukrainische Flüchtlinge vom Schönblick halfen beim Kranzbinden für den Stadtteil-Maibaum - und staunten beim Aufstellen über die Tradition.
  • schließen

Kriegsflüchtlinge aus der Ukraine beteiligen sich in Wetzgau und auf dem Rehnenhof beim Kranzbinden für den Maibaum - und staunen über die deutsche Tradition.

Schwäbisch Gmünd-Rehnenhof

Eine große Gemeinschaft vom Rehnenhof und aus Wetzgau kümmert sich alljährlich um das Kranzbinden für den Maibaum. Jeweils ein Verein oder eine Organisation ist jährlich an der Reihe. In diesem Jahr waren von der evangelischen Gemeinde auf dem Schönblick fleißige Hände gesucht, die sich um den floralen Schmuck am Maibaum kümmern sollten. Fachlich angeleitet von der einstigen Ortschaftsrätin und Floristin Isolde Weller, fanden sich heuer auch Flüchtlinge mit Handycap und ihr Betreuerteam aus der Ukraine in der Scheune am Schönblick ein – und brachten jede Menge Geschick für diese Arbeit mit.

„Sie haben sich erkundigt, wo sie unterstützen können. Und das Maibaum-Binden war da eine tolle Gelegenheit“, erklärt Gerhard Schwemmle vom Schönblick. Für die Ukrainer war es eine schöne Abwechslung. „Auch wenn wir diese Tradition des Maibaums bei uns gar nicht kennen“, schildert Sergey. In Lutzk, rund 130 Kilometer von Lemberg entfernt, leitet er eine Reha-Einrichtung für Menschen mit Handicap. Seine Frau Natalia sitzt seit einem Autounfall im Rollstuhl.

"Aktuell wird rege der Deutsch-Sprachkurs an der Volkshochschule belegt.“

Gerhard Schwemmle, vom Schönblick

Als der Krieg in der Ukraine ausbrach, organisierte Sergey mit deutscher Unterstützung einen Transport, der die Menschen mit Behinderung aus seiner Einrichtung in Sicherheit bringt. So wurden 40 Ukrainer nun neue Bewohner am Schönblick. Neun Kinder, acht Männer und 23 Frauen leben seither dort. „Aktuell wird rege der Deutsch-Sprachkurs an der Volkshochschule belegt. Sie sind sehr wissbegierig“, sagt Schwemmle. Und: Die Beteiligung am Kranzbinden mache allen viel Spaß.

Natürlich war die Truppe auch am Samstag auf dem Kirchplatz des Rehnenhofs live dabei, um das Stellen des Maibaums zu beobachten. „Eine schöne Tradition“, staunten die Ukrainer nicht schlecht, als der Bote des Frühlings unter Mithilfe der Angehörigen der Freiwilligen Feuerwehr rund um Ortsvorsteher Johannes Weiß an langen Stangen, nach und nach,  in die Senkrechte gebracht wurde.

Gerhard Schwemmle vom Schönblick berichtet zudem von einem Fest, dass die Flüchtlinge aus der Ukraine vor kurzem für die Gastgeber ausgerichtet haben. Speckbrot, Krautwickel und vieles mehr aus der ukrainischen Küche wurde kredenzt. Zum Abschluss gab es eine leckere Torte mit Biskuitboden, Sahne und Ananas. Verziert war das süße Naschwerk mit der deutschen und der ukrainischen Fahne sowie einem deutschen Schriftzug, der unmissverständlich war: „Vielen Dank.“

Mehr zum Thema Ukraine-Hilfe im Ostalbkreis. 

Ukrainische Flüchtlinge mit Isolde Weller (li.) beim Kranzbinden.

Zurück zur Übersicht: Schwäbisch Gmünd

Kommentare