Maikundgebung: Vielfältiger Handlungsbedarf

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Peter Yay-Müller.
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Der Deutsche Gewerkschaftsbund prangert bei der Maikundgebung in Gmünd Missstände an. Arbeitnehmer sollen solidarisch kämpfen.

Schwäbisch Gmünd

Die Welt ist aus den Fugen geraten. Corona zwang mit Lockdowns zum Stillstand, der Ukraine-Krieg belastet die Menschheit. Und die Arbeitswelt steckt mitten in einer Transformation, in der mancher Arbeitgeber sein soziales Gewissen vergisst. Arbeitende Mütter wurden mit der Dreifachbelastung Arbeit - Homeschooling - Hausarbeit an ihre Grenzen gebracht.

Es gab viele Missstände, die bei der traditionellen Maikundgebung des Deutschen Gewerkschaftsbundes am Sonntag auf dem Johannisplatz in Gmünd angeprangert wurden.

Unter dem Motto: „GeMainsam Zukunft Gestalten“, begrüßte DGB-Verbandsvorsitzender Werner Jany eine große Anzahl an Besucherinnen und Besuchern. Er appellierte für ein „solidarisches Miteinander – auch in unruhigen Zeiten“. Oder gerade in diesen. Und machte deutlich, dass der DGB Kriege ächtet, von denen es aktuell 29 auf der Welt gebe, wie Peter Yay-Müller als zweiter Bevollmächtigter der IG Metall und ehrenamtlicher DGB-Kreisvorsitzender der Ostalb klar machte. „Kapitalismus trägt den Krieg ins sich wie eine Wolke den Regen“, sagte Werner Jany. „Legt die Waffen nieder“, forderte er. „Endlich können wir wieder zusammenkommen“, freute er sich andererseits über die vielen Gäste, die an der Kundgebung teilnahmen. Die Arbeitslosenselbsthilfeorganisation a.l.s.o. kümmerte sich um die Bewirtung der Gäste, Musik gab’s von Siggi Beißwenger und Markus Schneider, später übernahm traditionell „Campfire“ .

An den ersten Bürgermeister Christian Baron gewandt, der sich neben den Abgeordneten Dr. Inge Gräßle (CDU) und Martina Häusler (Grüne) ebenfalls eingefunden hatte, erkundigte sich Jany in Anspielung auf Gegner der Coronamaßnahmen: „Hätten wir lieber einen Spaziergang machen sollen?“. Denn die Stadt hatte erstmals gefordert, dass pro zehn Teilnehmern ein Ordner anwesend sein muss. Früher war es einer auf 30 oder 40 Teilnehmer“, wunderte sich Jany. „Sie haben uns Kopfzerbrechen bereitet“, sagte er zu Baron.

„Wir als Gewerkschaften wollen die Zukunft sozial, ökologisch und demokratisch gestalten“, machte wiederum Jay-Müller deutlich. Verbunden mit den Zielen Frieden, einer optimalen Gesundheits- und Daseinsversorgung und -vorsorge, der Gleichstellung- und Gleichberechtigung der Geschlechter sowie einem Streben nach Wohlergehen und dem Erhalt einer von Respekt und Anerkennung getragenen Gemeinschaft.

Wohin die Reise geht

Gewerkschaftler machten deutlich, dass sie als DGB und Einzelgewerkschaften bundesweit bei Maikundgebungen „mitreden, mitstreiten und mitentscheiden wollen, wohin die Reise in unserem Land geht“, argumentierte Jay-Müller. Denn Zeiten von Krieg, Pandemie und drohendem Klimawandel seien verbunden mit einer massiven Verunsicherung bei Beschäftigten, Erwerbsuchenden und Rentnern. Starke Gewerkschaften ein handlungsfähiger Staat und Arbeitgeber, die ihrer Verantwortung gerecht werden, waren vielleicht noch nie so entscheidend wie heute für die Zukunft und Stabilität des Landes, mutmaßte der Gewerkschafter.

Mit einer Szenerie nach Vorlage der Weihnachtsgeschichte von Charles Dickens wartete der IG-Metall-Ortsjugendausschuss mit Kevin Hanselmann auf, dem neuen Gewerkschaftssekretär, Schwerpunkt Jugend. Der Geist der Vergangenheit und der Geist der Zukunft bewirkten, dass ein bequemer Arbeitnehmer „Scrooge“ plötzlich aufstehe und für das Arbeitsrecht streike.

Keine Zahlen geliefert

Die Frauengruppe mit Gewerkschaftssekretärin Erika Bresel bot eine Mitmachaktion rund um das Schreiben von Werten auf Steinen. Der ausgeschiedene Betriebsbeiratsvorsitzende Alexander Schneider beschrieb die  Ereignisse bei der Firma Techniplast auf dem Gügling, wo gerade 27 betriebsbedingte Kündigungen ausgesprochen wurden. Denen gegenüber stehen 30 Leiharbeiter im Betrieb. „Wir wollten Zahlen – und nichts wurde geliefert“, prangerte Schneider an.

Kapitalismus trägt den Krieg ins sich wie eine Wolke den Regen.“

Werner Jany,, DGB-Verbandsvorsitzender
Foto: Jan-Philipp Strobel
Peter Yay-Müller.
Peter Yay-Müller.

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