Mit dem Silber auf Spurensuche

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Museumsdirektor Dr. Max Tillmann (rechts) erläutert OB Richard Arnold im Video die Ausstellung.

Ausstellung „Lechaim – auf das Leben“ im Silberwarenmuseum Ott-Pauser'sche-Fabrik online eröffnet. Regulärer Zugang, sobald es die Pandemie erlaubt.

Die Selbstverständlichkeit jüdischen Lebens in Schwäbisch Gmünd dokumentiert eine Ausstellung im Silberwarenmuseum Ott-Pauser'sche-Fabrik. An diesem Sonntag war Eröffnungstermin, für die Kunstfreunde aber nur online. „Ich bin der Alibi-Zuschauer“, sagt Oberbürgermeister Richard Arnold über seine Anwesenheit in der Ott-Pauser'schen Fabrik, Museumsdirektor Dr. Max Tillmann erläutert ihm im Video die Ausstellung, „eingebettet in das Jubiläumsjahr „1700 Jahre jüdisches Leben in Schwäbisch Gmünd.

„Ein großer Schatz für die Stadt“ ist nach Ansicht Dr. Max Tillmanns ein Kiddusch-Becher, 1905 in der Silberwarenfabrik Binder gefertigt. Ein Stempel weist darauf hin, dass es sich um ein Stück für den Vertrieb in den USA handelt. Um diesen Becher herum ist die Ausstellung im Erdgeschoss des Museums am Kornhausplatz inszeniert. Verwendet wurde er bei einer Sabbat-Zeremonie im privaten Umfeld. Zum Dekor zählen auch fein in Handarbeit getriebene hebräische Lettern. Übersetzt steht dort „der die Frucht des Weinstocks erschaffen hat“. Der Kidduschbecher ist auch ein Zeugnis des Jugendstils. Die US-Ausführung dokumentiere die erstaunliche Exportgeschichte von Judaica aus der Stadt Schwäbisch Gmünd, die Dr. Max Tillmann mit einem in der Ausstellung zu sehenden Plakat dokumentiert. Es zeigt einen Zeppelin mit dem Logo der Firma Wilhelm Binder, der über den Erdball schwebt und aus seinem Bauch Silbergeräte auf die Kontinente regnen lässt, darunter Leuchter und viele Judaica.

Einen ganz besonderen Bezug zum Ausstellungsort hat ein Chanukka-Leuchter, in der Ott-Pauser'schen Fabrik um 1900 geschaffen. In der Vitrine sind auch Werkzeuge für diese wertvolle Stücke zu sehen, darunter ein Davidstern. Insgesamt können Besucher rund 40 Exponate sehen. Eines, darauf weist Oberbürgermeister Richard Arnold hin, ist noch gar nicht da. „Es kommt aus Brasilien und hängt noch im Zoll fest.“ Das Stadtoberhaupt vertröstet, denn „bis zur Öffnung fürs Publikum ist auch dieses Stück in der Ausstellung angekommen“. Der Oberbürgermeister hebt auf die jüdischen Bezüge der Stadt Gmünd ab, die Stadt sei durch die Jahrhunderte eng mit der jüdischen Geschichte verflochten gewesen. Im 19. Jahrhundert bis in die Zeit nach dem Ersten Weltkrieg sei die Silberwarenindustrie Gmünds größter Arbeitgeber gewesen. Jeder zweite Arbeitsplatz hing davon ab. Das auch, weil jüdische Bürger in der Stadt und in aller Welt zur Kundschaft zählten.

Führungen sind geplant

Richard Arnold hofft, dass Besucher schon bald in die Ausstellung kommen können, „so bald es die Corona-Pandemie erlaubt“. Dann seien weitere Erkundungen des jüdischen Lebens in der Stadt möglich. Die mittelalterliche Synagoge in der Imhofstraße werde derzeit erforscht und öffne sich dann auch für Interessierte.

Das Ausstellungs-Video ist weiter über die Homepage der Stadt (www.schwaebisch-gmuend.de) zu sehen. Mit weiteren Judaica aus dem musealen Sammlungsbestand zeigt die Ausstellung jüdische Kultgeräte, die in Schwäbisch Gmünd von nahezu allen Silberwarenfirmen produziert und weltweit gehandelt wurden, darunter Kiddusch-Becher, Chanukka-Leuchter, Bsamim-Türme und Fruchtdosen. Auch Leihgaben sind darunter, unter anderem unterstützt das Museum für Kunst- und Kulturgeschichte Würzburg die Gmünder Präsentation.

Die Ausstellung „Lechaim – auf das Leben“ im Silberwarenmuseum Ott-Pauser'sche-Fabrik dauert regulär bis 31. Oktober. Sobald es die Corona-Verordnungen erlauben, wird Präsenzbesuch möglich sein. Dann sind immer sonntags um 14 Uhr reguläre Führungen vorgesehen.

Ein Exponat hängt noch im Zoll fest.

Richard Arnold,, Oberbürgermeister

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