Mit Dustin Hoffman in Das Boot

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Stefan Bryxi leitet seit drei Jahren die Bavaria Filmstadt in München. Der 44-jährige Gmünder spricht über ein Treffen mit bekannten Filmstars und erzählt von einem besonderen Schlüssel.

Schwäbisch Gmünd / München

Stefan Bryxi kramt in seiner Hosentasche. Und zieht etwas heraus, auf das er besonders stolz ist: einen Schlüssel. Es ist nicht ein x-beliebiger Schlüssel. Sondern der Schlüssel, der ihm Zugang zu einer der bekanntesten Filmkulissen in der Bavaria Filmstadt verschafft: zum Nachbau des U-Bootes U96, in dem 1981 der deutsche Spielfilm "Das Boot" gedreht wurde. "Das hat mich schon immer begleitet. In der elften Klasse habe ich das Buch gelesen, später den Film gesehen, und heute bin ich quasi der Chef des Bootes. Ich könnte nachts um drei Uhr reingehen, wenn ich möchte ...", sagt er.

Der 44-Jährige aus Gmünd gerät ins Schwärmen, wenn er von seinem Arbeitsplatz in München erzählt. "Ja, ich habe einen Traumjob", sagt er.

1999 hat er in der Bavaria Filmstadt angefangen, als sogenannter Tour-Guide. "Ich habe Führungen für Besucher gemacht, um mein Studium zu finanzieren." Eigentlich wollte der Politikstudent nach zwei Jahren wieder aussteigen und sich einen "richtigen Beruf" suchen, dann aber hat das Unternehmen ihm eine Festanstellung angeboten. Bryxi hat zugegriffen. Und seit 2017 leitet er die Bavaria Filmstadt – gemeinsam mit Valeria Torchiaro-Steinmeier.

Schon beim Betreten seines Büros in München wird klar, dass Bryxi keinen alltäglichen Job hat. Der Gmünder arbeitet im Nichtraucher-Eisenbahnwaggon aus dem Film "Das fliegende Klassenzimmer", der zu einem Büroraum umgebaut wurde. Am Schreibtisch sitzt der 44-Jährige allerdings nicht oft. Stattdessen ist er in der Filmstadt unterwegs. Und da kommt es zu Begegnungen, von denen kaum ein anderer erzählen kann: Dazu gehören internationale Stars wie Arnold Schwarzenegger, Bryan Adams, Till Schweiger, Arjen Robben, Peter Ustinov und "Snowden"-Darsteller Joseph Gordon-Levitt. Oder nationale Filmgrößen wie Sebastian Bezzel oder Simon Schwarz. Unvergesslich bleibt für den Gmünder natürlich das Treffen mit "Das Boot"-Regisseur Wolfgang Petersen. Und das mit Schauspieler Dustin Hoffman. "Obwohl er ein Weltstar ist, hat er es nicht nötig, auffällig zu sein. Er ist so cool, so normal. Ich glaube, ich würde ihn nicht einmal auf der Straße erkennen ...", sagt Bryxi, der Dustin Hoffman das Innere des U-Bootes U96 zeigen durfte. "Das war schon ein ganz besonderer Moment für mich", erzählt der Filmstadt-Leiter.

Nachbau der Raumstation ISS

Stefan Bryxi ist aber nicht nur für die Prominenz zuständig. "Meine Aufgabe ist es auch zu schauen, dass die vorhandenen Kulissen in einem guten Zustand bleiben und dass sich die Filmstadt natürlich weiterentwickelt." Ganz neu: die Kulisse für den Film "Stowaway" – ein Nachbau der Raumstation ISS. Auf die ist Bryxi besonders stolz.

Ich könnte nachts um drei Uhr reingehen.

Stefan Bryxi, Leiter der Bavaria Filmstadt

Aber auch auf die Klassiker, die nicht ausgetauscht werden. Dazu gehören die Kulissen von "Die unendliche Geschichte", "Jim Knopf", "Asterix und Obelix", "Fack ju Göthe" und natürlich "Das Boot". Sie sind auch in Zukunft ein fester Bestandteil der Filmstadt. "Deshalb kommen die Leute ja zu uns."

Sie kommen aber auch, weil auf dem 320 000 Quadratmeter großen Gelände ständig etwas Neues angeboten wird. Vor allem im vergangenen Jahr hat sich einiges verändert, als die Bavaria Film GmbH ihr 100-jähriges Bestehen feierte. Bryxi hat dazu in den Archiven gestöbert. Und außergewöhnliche Dinge entdeckt. Beispielsweise dass Alfred Hitchcock seinen ersten Film in den Bavaria-Studios gedreht hat. Oder dass einst Burt Reynolds und Grace Kelly in der Filmstadt gearbeitet haben.

Motorrad von Steve McQueen

Entstanden ist aus all dem das Filmstadt Atelier auf zwei Stockwerken. Im unteren Bereich sind alle möglichen Requisiten bekannter Filme zu sehen. Beispielsweise das Original-Motorrad aus dem Spielfilm "Gesprengte Ketten" mit Steve McQueen. Das Atelier ist neben der Führung und dem 4D-Kino eine von drei Attraktionen in der Bavaria Filmstadt.

Gut ein Jahr nach der Eröffnung im März 2019 sind schon weit über 150 000 Besucher drin gewesen im Atelier – trotz der Corona-Pandemie, die auch die Filmstadt "volle Kanne" getroffen hat. "Wir mussten zwei Monate komplett dicht machen." Und auch wenn die Besucherzahlen inzwischen wieder steigen, "wir müssen ganz schön strampeln, um im Jahr 2020 noch ein vernünftiges Ergebnis zu bekommen".

Stefan Bryxi ist aber zuversichtlich, dass seinem Team das gelingt. Auch dank seiner Liebe und Leidenschaft fürs Filmgeschäft.

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