Nach dem Faustschlag gegen Dieter Lehmann: Täter muss lebenslang in die Psychiatrie

+
Die Hans-und-Sophie-Scholl-Schule im Ulm: In diesem Hinterhof war Dieter Lehmann brutal zusammengeschlagen worden.
  • schließen

Vor einem Jahr war der frühere Gmünder Sozialamtsleiter brutal niedergeschlagen worden - jetzt ist das Urteil da.

Schwäbisch Gmünd. „Die Wortfindungsstörungen und Probleme mit dem Kurzzeitgedächtnis werden bleiben“, sagt Dieter Lehmann. Der frühere Gmünder Sozialamtsleiter war im August 2021 in Ulm brutal zusammengeschlagen worden. Nun ist gegen den 35-jährigen Täter das Urteil gesprochen worden: Der Mann muss in die Sicherheitsverwahrung der Psychiatrie – ohne zeitliche Begrenzung.

Die Tat war auf einem Basketballplatz in Ulm passiert, wo Lehmann mit seinem Enkel war. Als dort ein Betrunkener zwei Jugendliche belästigte, wollte der 66-Jährige den Mann zur Rede stellen. Doch der Betrunkene schlug sofort zu, er traf Lehmann mit der Faust ins Gesicht. Der ging zu Boden, mit schweren Schädelverletzungen kam er ins Krankenhaus.

Dieter Lehmann geht es inzwischen wieder recht gut, nur drei Monate nach dem Niederschlag nahm er seine Arbeit für den Verein JuFuN in Gmünd wieder auf, dessen Vorsitzender er trotz seines Wegzugs nach Ulm nach wie vor ist. Ganz der Alte ist er allerdings nicht mehr. Manchmal findet er Worte nicht oder hat Probleme, sich Dinge zu merken. „Die Beeinträchtigungen werden mir laut den Neurologen zeitlebens bleiben.“

Mit dem Urteil, das Richter Michael Lang nun am Landgericht Ulm gesprochen hat, folgte er der Forderung der Staatsanwaltschaft. Es sei „das maximal mögliche“, so Lang. Eine Haftstrafe im Gefängnis war ausgeschlossen, weil ein psychiatrischer Gutachter dem Täter unter anderem eine chronische seelische Störung und verminderte Steuerungsfähigkeit attestiert hatte.

Dass die Einweisung in die Psychiatrie zeitlich unbefristet ist, liegt am Täter selbst: der Mann verweigert sich jeder Behandlung.

Dieter Lehmann hat sich früh nach dem „Unfall“, wie er die Tat nennt, bemüht aktiv zu werden. Zwei Männer waren ihm nach dem Schlag zu Hilfe geeilt, auch das hat ihn bestärkt, mit Vorträgen über sein Erlebnis für Zivilcourage zu werben. „Es gibt da was, das man hoffentlich in den Menschen, auch und besonders den Jungen, verstärken kann.“

„Ich würde wieder eingreifen“

Nach dem Urteil, das genau ein Jahr nach der Tat gesprochen wurde, sagte er: „Ich bin froh, dass es abgeschlossen ist und trotzdem würde ich wieder bei so was eingreifen.“ ⋌Bernd Müller

Zurück zur Übersicht: Schwäbisch Gmünd

Kommentare