Nach der Flucht die große Liebe gefunden

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Gisela und Siegfried Lautner
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Gisela und Siegfried Lautner sind bekannt auf dem Rehnenhof, heute feiern sie Diamantene Hochzeit.

Gmünd-Wetzgau/Rehnenhof. Dass Gisela und Siegfried Lautner aus dem Rehnenhofer Heidelbeerweg Gründungsmitglieder des Gmünder Altersgenossenverein 1942 sein sollen, vermag man nicht zu glauben. Das gleichaltrige Ehepaar kann heute zudem auf 60 glückliche Ehejahre zurückblicken. Mit viel Humor erzählen die beiden aus ihrem Leben und ihre nicht alltägliche Liebesgeschichte, die viel dem Mut einer noch jugendlichen Gisela geschuldet ist.

Während Siegfried Lautner im Februar 1942 auf dem Rehnenhof zur Welt kam, stammt die geborene Gisela Oehmichen aus Leipzig, das nach dem Krieg in der sowjetischen Besatzungszone lag. Gerade 18 Jahre jung war Gisela, als sie mit einigen Schulkameraden beschloss, aus der Ostzone „abzuhauen“. Ziemlich clever schaffte es das junge Mädchen, die Kontrollen zu umgehen und erreichte mit Notlügen ihr erstes Ziel: Berlin. Natürlich habe sie Angst gehabt, erinnert sich die hübsche Frau. Überall sei bewaffnetes Militär zu sehen gewesen. „Ich hatte meine Angst gut im Griff“, meint sie jedoch. Das Beeindruckendste sei damals für sie der Überfluss in den Berliner Kaufhäusern gewesen, erzählt Gisela Lautner.

Von Berlin nach Gmünd

Für die gelernte Spitzendreherin bot sich schließlich die Möglichkeit, nach Schwäbisch Gmünd zu gehen, um dort in der Zahnradfabrik eine Anstellung zu finden. „Da ist sie mir über den Weg gelaufen“, lacht Siegfried Lautner, der das hübsche Mädchen „von der Nähe sehen“ wollte. Das ergab sich, denn Giselas Arbeitsplatz lag nahe bei Siegfrieds.

Ganz zaghaft hätten sich die beiden einander genähert. Bei einer Tanzeinladung im Lokal „Tabula“ sprang der Funke schließlich über. Gisela zog von Hussenhofen in die Nähe ihres Siegfried. Durch ihre Herkunft galt Gisela mit 18 Jahren als volljährig, der gleichaltrige Siegfried benötigte zur Hochzeit noch die elterliche Unterschrift. Nur der Umstand, dass Gisela evangelisch war, sorgte in Siegfrieds katholischer Familie etwas für Aufregung – die Wogen konnten aber geglättet werden. Das junge Paar zog in Siegfrieds Elternhaus und spätestens nach der Geburt von Sohn Siegfried im März 1963 herrschten Am Heidelbeerweg 15 Glück und Zufriedenheit.

Ehrenamtlich engagiert

Als Störfaktor erwiesen sich allerdings die regelmäßigen Kontrollen des Jugendamtes. Denn das Paar war zwar verheiratet, und Baby Siegfried ging es ebenfalls gut, aber Papa Siegfried galt noch immer als minderjährig. Vater Ernst Lautner bereitete den Besuchen irgendwann ein Ende: „Er warf die Damen einfach aus dem Haus“, erinnert sich das Paar. In den Folgejahren wurde die Familie mit Gabriele und Martin komplett.

Das Ehrenamt der Lautners zieht sich wie ein rotes Band durch ihr Leben: Sie sangen im Stauferchor oder standen als Gewandete bei allen Aufführungen der Staufersaga auf der Bühne. Siegfried Lautner war zudem 20 Jahre lang Vorsitzender des Gesangsvereins Rehnenhof und viel Jahre Vorsitzender des Sängerbunds Friedrich Silcher sowie stellvertretender Vorsitzender des Gmünder Stadtverbandes Musik und Gesang. All das ging nur dank seiner Ehefrau: „Sie hielt mir immer den Rücken frei“, meint Siegfried mit einem liebevollen Blick auf Gisela.

Durch das Ländle getingelt

Mit der Landesgartenschau 2014 startete das Paar im Ehrenamt noch einmal voll durch. Um das Geld für den Bau des Himmelsstürmers zusammenzutragen, tingelte das Ehepaar auf der „Sammeltour“ durch das Ländle. Dass Siegfried Lautner für viele Jahre Vorsitzender des Freundeskreises Himmelsstürmer wurde, war eine logische Konsequenz. Auch das Turmstüble am Fuß des Aussichtsturms geht auf Siegfrieds Initiative zurück: „Der Verein benötigte einen zentralen Fixpunkt – auch für Veranstaltungen“, erklärt er. Die Feier zur Diamantenen Hochzeit soll so bescheiden ausfallen wie die Hochzeit vor 60 Jahren: „Nur im Kreis der Familie.“⋌ Andrea Rohrbach

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