Neowise – 45 Minuten vor dem Sonnenaufgang

  • Weitere
    schließen
+
Astronom Prof. Dr. Hans-Ulrich Keller

Tipps von der Welzheimer Sternwarte: So lässt sich der Komet mit bloßem Auge beobachten.

Welzheim. Es ist ein Ereignis, das sowohl Astronomen als auch Hobby-Sterngucker in ihren Bann zieht: Erstmals seit vielen Jahren ist am Himmel wieder ein heller Komet sichtbar – und das mit bloßem Auge. Professor Dr. Hans-Ulrich Keller, Leiter der Sternwarte Welzheim, gibt Tipps, wie und wann der Schweifstern "Neowise" am besten zu sehen ist.

"Aktuell sieht man den Kometen 45 Minuten vor Sonnenaufgang am besten", so der Professor. "Man sollte einen freien Blick nach Nordosten haben, der Horizont sollte frei sein." Sprich: Hat man ein Haus oder einen Berg in nordöstlicher Richtung vor der Nase, kann man es vergessen. "Außerdem soll der Blick möglichst nicht durch Lichtquellen wie Straßenlaternen oder Autolichter gestört werden", empfiehlt Keller. Zusätzlich sollte man ein Fernglas zur Hand nehmen, das erleichtere die Suche.

Blickt man Richtung Nordosten, springt einem der Komet aber nicht sofort ins Auge. "Neowise" sei ein Stern zweiter Größenklasse, der in etwa so hell wie ein einzelner Stern aus dem Sternbild "Großer Wagen" sei, so der Astronom.

Man könne sich aber an einem anderen Stern orientieren: "Im nordöstlichen Morgenhimmel kann man einen hellen Stern erkennen, Capella genannt", erklärt Keller. Habe man diesen Stern entdeckt, sei es relativ leicht, "Neowise" zu finden. "Wenn man von der Capella ein bisschen links nach unten geht, müsste man den Kometen sehen können." Tipp: Mit der kostenlosen "Nightsky"-App lässt sich problemlos jeder Stern identifizieren. Und: "Seit dem 10. Juli taucht der Komet auch im Nordwesten am Abendhimmel auf", sagt der Leiter der Sternwarte Welzheim. Etwa 45 Minuten nach Sonnenuntergang könne man "Neowise" am Himmel entdecken.

Wie wurde der Komet entdeckt? "Neowise" wurde am 27. März 2020 von einem NASA-Weltraumteleskop entdeckt. Das Teleskop trägt den Namen "Neowise", daher auch die Namensgebung für den Kometen. Das erste Bild des Kometen schoss der russische Kosmonaut Iwan Wagner von der Internationalen Raumstation (ISS) aus.

Kann der Komet auf die Erde stürzen? "Nein, kann er nicht. Neowise ist harmlos", sagt Keller. Aktuell hat der Komet einen Abstand von rund 160 Millionen Kilometern zur Erde. Am 23. Juli wird er der Erde mit einer Entfernung von etwa 103 Millionen Kilometern am nächsten sein.

Wohin bewegt sich der Komet? Der Komet hatte am 4. Juli seinen sonnennächsten Punkt erreicht, das bedeutet: Nun entfernt er sich wieder von der Sonne. Aktuell bewegt er sich auf die Erde zu, von Europa aus gesehen in den nordwestlichen Himmelsbereich.

Wie lange ist der Komet noch sichtbar? "Neowise" bewegt sich nicht nur auf die Erde zu, er erhebt sich gleichzeitig immer höher über den Horizont in dunklere Himmelsbereiche. Mit etwas Glück kann man den Schweifstern auch noch bis in den August hinein sehen.

Wieso hat der Komet einen Schweif? Da sich "Neowise" aktuell so nah an der Sonne befindet, setzt er Gase und Staub frei, er verliert also an Masse. Dadurch bildet sich ein sichtbarer Schweif, der dem Kometen die Bezeichnung "Schweifstern" einbringt.

Simeon Kramer

Zurück zur Übersicht: Schwäbisch Gmünd

WEITERE ARTIKEL