Neue Einblicke in Kages Mikrokosmos

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Kages Videostudio.

Auf Schloss Weißenstein werden wieder Führungen angeboten. Die Familie des Video- und Multimediapioniers hat die Ausstellung erweitert und neu gestaltet.

Weißenstein

Radiolarien sind im richtigen Leben bis zu 500 Mikrometer groß, das ist ein halber Millimeter. Wer im Foyer der Ausstellung von Schloss Weißenstein steht, tritt einem übergroßen Exemplar dieser kugligen Strahlentierchen gegenüber. Die Aufnahme des Einzellers sei eines der Lieblingsmotive ihres Vaters gewesen, berichtet Ninja Kage. Um die Farbenpracht des Bildes richtig zur Geltung zu bringen, sei eine spezielle Leinwand verwendet worden, ergänzt Ehemann Oliver Kage. 

Die Familie hat die vergangenen Jahre, in denen wegen der Pandemie nur vereinzelt Führungen möglich waren, genutzt, um die Ausstellung, die das künstlerische und wissenschaftliche Lebenswerk Manfred Kages zeigt, zu erweitern und teilweise neu zu präsentieren – mit Unterstützung des Deutschen Verbands für Archäologie und der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien, betont Ninja Kage.

 Die Besucher – Führungen gibt es an diesem Wochenende – sehen neue Exponate und neue Räume und bekommen neue Zusammenhänge erklärt. Oliver Kage schätzt, dass mehr als 100 Mikroskope in den Ausstellungsräumen stehen. An vielen hat sein Schwiegervater gearbeitet, manche wurden vom Freundeskreis geschenkt. Mit einem der Okulare soll ein Sohn Charles Darwins gearbeitet haben.

Moderne Technik

 Aber auch weitere moderne Technik ist ins Schloss eingezogen. Zum Beispiel erlauben große Touchscreens das Abspielen von Informationen, Videos und Bildern. Präsentiert werde auch „die Geschichte meines Vaters“, verweist Ninja Kage auf interaktive Monitore. Die Technik werde künftig auch Einzelführungen möglich machen, etwa in Pandemiezeiten, wenn Gruppen nicht ins Schloss dürfen, erläutert Kage, die Biologie und Philosophie studiert hat.

 Dunkle Blautöne beherrschen einen Raum, den Sitzstufen wie ein kleiner Hörsaal oder Kino wirken lassen. Sitzkissen deuten an, dass hier Besucher entspannt eine Vorführung genießen sollen. Der Blick richtet sich auf die hohe Decke. Dort ist eine farbenprächtige Bildinstallation zu sehen: Der Kosmos in seiner galaktischen Größe und gleichzeitig feine Kristallstrukturen aus einer sonst unsichtbaren Mikrowelt. „Meinen Vater hat immer das Mikro- und Makrouniversum fasziniert“, erläutert die Tochter. In dem Raum kommt modernste Raumklangtechnik zum Einsatz, die es im Landkreis, wie Ninja Kage vermutet, kein zweites Mal gibt.

Eine unsichtbare Welt

Wer sehen möchte, wo Manfred Kage Filme für die Sendung mit der Maus produziert hat, betritt einen Raum mit einer riesigen Monitorwand. „Hier wurde dargestellt, wie Bakterien Löcher in den Käse machen oder warum Eier beim Kochen hart, Kartoffeln aber weich werden“, berichtet Oliver Kage, der Multimediatechnik gelernt hat. Das Videostudio sei nach Fotos aus Zeitungsausschnitten rekonstruiert worden. Wobei sein Schwiegervater die Technik stets modernisiert habe.

 Die Ausstellung in Schloss Weißenstein führt durch eine Technik, die eine sonst unsichtbare Welt für Menschen erlebbar macht. Zum Beispiel hängt in der kleinen Cafeteria die farbenprächtige Aufnahme eines Schnitts durch ein sonst winziges Coffein-Molekül. Der Rundgang durchs Schloss zeigt den Besuchern aber vor allem das Wirken des Wissenschaftlers, Künstlers und Tüftlers Manfred Kage, der dazu in der Lage war, sich die notwendigen Werkzeuge selbst herzustellen. Davon zeugt eine Drehbank in einem der Räume.

Beeindruckt vom Foto des Schwarzen Loches

Person: Manfred Paul Kage gilt als Pionier der künstlerischen und wissenschaftlichen Mikrofotografie und der Video- und Multimediakunst. Er starb im August 2019. Wenige Monate davor war es erstmals gelungen, ein Schwarzes Loch zu fotografieren. Das habe ihr Vater noch mitbekommen und ihn sehr beeindruckt, erzählt Ninja Kage.

Gesellschaft: Hinter der Kage Mikrofotografie GbR stehen Ninja Kage, ihr Ehemann Oliver Kage und ihre Mutter Christina Kage.

Führungen:  Info unter www.schloss.weissenstein.de.

Ninja und Oliver Kage (vor dem Strahlentierchen) stellen die neue Ausstellung vor. In der Eingangshalle werden jetzt auch alte Postkarten von Weißenstein und Pläne vom Schloss gezeigt. Fotos: Staufenpress

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