Nicht ohne meinen Hund: „Da würde ich mir lieber einen anderen Job suchen“

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Förster Heiner Mohring bei der Arbeit - mit seiner vierbeinigen Kollegin Resi.
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Von Menschen, die ihre Hunde jeden Tag bei der Arbeit dabei haben: Die Büroangestellte Inge Cziollek und Förster Heiner Mohring erzählen.

Schwäbisch Gmünd/Aalen. Heiner Mohrings Kollegin hüpft aus der Beifahrertür und wuselt ums Auto herum: Resi, die Parson Russel Terrier-Hündin, ist jeden Tag dabei, wenn Mohring bei der Arbeit ist. Der Lorcher hat dafür den idealen Beruf: Mohring ist als Revierförster für die Stadtwälder von Gmünd und Lorch zuständig. „Es passt einfach gut zusammen“, sagt er. Mit der Meinung ist Mohring nicht allein, viele Förster haben einen Hund dabei bei der Arbeit,. „Bei uns im Forstamt ist es auf jeden Fall ein Drittel.“ 

Resi bringt als Kollegin noch eine Qualifikation mit: Sie ist ausgebildeter Jagdhund, hat den Jagdgebrauchsschein. Früher gehörte beides zusammen, heute ist nur noch ein Teil der Förster zugleich auch Jäger. In Mohrings Revier gibt es dafür Jagdpächter, bei Landeswäldern ist das noch anders geregelt: „Für die Kollegen von Forst BW ist es noch ein Berufsinhalt.“ Die bekommen, anders als Mohring, für ihre Hunde extra „Futtergeld“ vom Staat. 

Resis Können ist trotzdem immer wieder gefragt. „Wenn es einen Wildunfall gegeben hat, und das Tier  noch schwer verletzt weiter gelaufen ist“, dann macht sie sich auf die Suche. Es gibt auch Förster-Hunde mit erstaunlichen Zusatzqualifikationen, über die Mohring auch für Resi nachgedacht hat. „Man kann einen Hund so ausbilden, dass er Borkenkäfer riecht.“ Auch auf Pilze, die Bäume schädigen, könne man Hunde schulen, etwa den Brandkrustenpilz bei Buchen, erzählt Mohring. Er hat's dann doch gelassen, „die Ausbildung ist richtig teuer“, erzählt er. Was Resi auch so gut kann, ganz ohne Zusatzausbildung, ist Kinder erfreuen. „Wenn wir eine Waldführung machen mit Kindern, ist es immer schön, dass sie dabei ist.“

Inge Cziollek hat das Gegenteil von Mohrings Outdoor-Beruf;  die Aalenerin verbringt alle ihre Arbeitstage im Büro, sie hat einen Vollzeitjob. Trotzdem wollte sie auf vierbeinige Begleitung nicht verzichten: Japanspitz Bianco verbringt Cziolleks Arbeitstage im Entspannungsmodus in einer Nische zwischen Wand und Schreibtisch, manchmal fünf Stunden am Stück. Weil Hunde nicht nur exzellent riechen oder jagen können, sondern auch ausführlich ausruhen, klappt es trotzdem. „Hauptsache, er ist bei mir, wo ist egal“, sagt Inge Cziollek. Bewegung folgt, denn ihr Hund kann sich sicher sein, dass sie vor der Arbeit, nach der Arbeit und auch in der Mittagspause absolut verlässlich ist: Da ist Hundespaziergangszeit. „Er hat ja seine berechtigten Bedürfnisse.“

„Wie ein kleiner Urlaub“

Für Inge Cziollek ist das keine lästige Pflicht, im Gegenteil: „Es ist wie ein kleiner Urlaub im Alltag“, sagt sie über ihre Mittagspause, die sie mit Hund in der Natur verbringt. Ihr tue das unheimlich gut, „ich lebe viel gesünder als früher“. Fastfood holen und im Büro essen geht nicht mehr, Inge Cziollek nimmt zum Spaziergang ein To-Go-Vesper mit, meist Gemüse und ein belegtes Brot. Bianco ist ein großer Faktor für ihre Fitness und Gesundheit: „Ich bin ein Typ, der mag nicht allein spazieren gehen, ich brauche einen Grund dafür.“

Überzeugungsarbeit war nötig

Die Aalenerin hatte zehn Jahren Hundepause hinter sich, dann wollte sie endlich wieder einen Begleiter. Es war nicht einfach, ihren Traum zu realisieren, bei Kollegen und Chef, die anfangs reserviert reagierten, musste sie einiges an Überzeugungsarbeit und vertrauensbildenden Maßnahmen leisten.  

Inzwischen gehört Bianco einfach dazu in ihrer Firma. „Es sind alle zufrieden.“ Ihr Hund tut einfach gut. Wenn's stressig wird oder Ärger gibt im Job, dann schaut sie manchmal zu ihrem Hund. „Dann knuddel ich ihn ein paarmal, und es ist gleich wieder besser.“ Anders kann es sich Inge Cziollek nicht mehr vorstellen: „Ich wollte ihn nicht mehr hergeben  - ich würde mir lieber einen anderen Job suchen.“

Ich lebe viel gesünder als früher.“

Inge Cziollek, Hundemensch
Hauptsache dabei: Japanspitz Bianco in seiner Büro-Nische.

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