Pommes essen im Landtag

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Gegenseitiges Interesse: Muhterem Aras an Grundschule Hardt.
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Landtagspräsidentin Muhterem Aras ist einen Tag lang unterwegs in Schwäbisch Gmünd – und besucht dabei die Kinder und Lehrer der Grundschule Hardt.

Schwäbisch Gmünd. Als Muhterem Aras den Schülerinnen und Schülern der Grundschule Hardt von sich erzählt und dass sie als Kind aus der Türkei nach Deutschland gekommen ist, klatscht ein Mädchen spontan Beifall. Vor Aras sitzen viele Kinder, die wie sie nicht hier geboren sind – oder Eltern haben, die nach Deutschland eingewandert sind. Schulleiterin Bärbel Schlienz stellt ihre Schule kurz vor: „Wir sind eine bunte Schule, mit Kindern aus 21 Nationen und etwa 90 Prozent Migrantenanteil.“

Als Muhterem Aras nach Deutschland kam, war sie älter als diese Grundschulkinder: 12 Jahre alt, und sie habe kein Wort deutsch gesprochen. Jetzt sitzt sie da und gibt sich Mühe die Landespolitik-Fachbegriffe – Parlament, Abgeordnete, Legislaturperiode – in grundschulverträgliche Sätze zu verpacken. Man merkt: Die Grünen-Politikern will den Kindern auch Vorbild sein und Mut machen; zeigen, was man in Deutschland auch als Einwandererkind erreichen kann. „Es ist alles möglich, Euch stehen alle Wege offen“, sagt sie. Auch mit Hilfe der Schule: „Ich hatte eine Klassenlehrerin, die habe ich geliebt.“

Auch die Schülerinnen und Schüler dürfen zu Wort kommen. Was ihr gefällt an der Arbeit, wollen sie wissen. Und was nicht. Aras erzählt, dass es im Landtag einige Abgeordnete gebe, die sich nicht an Regeln halten.

Rektorin Schlienz sagt auch, was ihr nicht gefällt. Etwa der Klassenteiler, den sie für ihre Schule, in der die Kinder mehr Förderung brauchen, als Nachteil sieht. Sie sei dankbar, dass sich die Stadt für ihre Schule engagiere: „Ich bin sehr froh, dass wir die Schulsozialarbeit aufgestockt bekommen haben.“ Aber dieses Anliegen bleibt: „Wir würden uns freuen, wenn in der Landespolitik über Klassenteiler gesprochen würde.“ Schlienz erkundigt sich nach dem Plan, einen Sozialindex ein zuführen, um Schulen wie ihre noch mehr zu unterstützen (siehe Info). Die Pläne sind vor drei Wochen in Stuttgart präsentiert worden. Muhterem Aras stellt in Aussicht, dass die Grundschule Hardt eine Modellschule sein könnte.

Am Ende ihres Besuchs, als der Eintrag ins Goldene Buch der Stadt geschafft ist („Schwäbisch Gmünd begeistert mich“, schreibt Aras), wollen die Kinder die Landtagspräsidentin kaum mehr gehen lassen. Sie bitten um Autogramme, klatschen ab, und zum Abschied nimmt Muhterem Aras immer wieder Kinder in den Arm. Und stellt ein Wiedersehen in Aussicht: „Ich lade Euch ein in den Landtag, versprochen.“ Mit Verpflegung: „Pommes“, schlägt Aras vor. 

Am Nachmittag, nach fünf Stunden Programm und vier besuchten Orten, kann man Muhterem Aras noch fragen: Was nimmt sie mit aus Gmünd am Ende ihres Besuchstags? „Ich bin berührt und beeindruckt, welcher Teamgeist hier herrscht“, sagt sie über Gmünd. Oberbürgermeister Richard Arnold sei ein „Ermöglicher“, findet Aras. Und fügt noch hinzu: „Hier wird Vielfalt nicht als Manko gesehen, sondern als Bereicherung.“ Um die „Vielfalt des Landes“ zu erleben, den Alltag der Menschen, seien ihr solche Besuche wichtig. Denn: „Es gehört zur Politik, dass man immer wieder nachsteuert, dass man darum erfährt: Was bewegt die Menschen.“

Ein "Sozialindex" für Brennpunktschulen

Das Programm von Muhterem Aras: Besuch der ehemaligen Synagoge in der Imhofstraße – Besuch der Grundschule Hardt, dort Eintrag ins Goldene Buch der Stadt Schwäbisch Gmünd – Mittagstisch und Treffen mit Bürgern und Schülern am Suppenstern im Himmelsgarten – Besuch bei der Gmünder Volkshochschule und der Jugendkunstschule.

Die Idee des Sozialindex: Kultusministerin Theresa Schopper (Grüne) plant, dass Schulen im Land vor allem in sozialen Brennpunkten besser ausgestattet und gefördert werden. Ein Modell für bessere Bildungschancen soll durch einen „Sozialindex“ entwickelt werden. Ähnliche Pläne gibt es auch in Sachsen und Nordrhein-Westfalen.

Muhterem Aras schreibt ins Goldene Buch.
Muhterem Aras beim Abschied.
Herzlicher Kontakt.

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