Positivtest und Quarantäne – Warten aufs Gesundheitsamt

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Ein Gmünder hat Corona und geht in Quarantäne – was folgt, sind fehlende Daten im Gesundheitsamt und widersprüchliche Aussagen.

Schwäbisch Gmünd/Aalen

Alles, was schiefgehen kann, wird schief gehen. Das besagt Murphys Gesetz. Und genau so beschreibt Peter K. aus Schwäbisch Gmünd seine Erfahrungen mit Corona. Aber nicht mit dem Virus selbst, sondern den bürokratischen Teil. Vorneweg: Dem 54-Jährigen geht es gut. Der Verlauf seiner Erkrankung war eigenen Aussagen nach extrem mild. "Ich habe weder Geschmacks- noch Geruchssinn verloren", beschreibt er den Verlauf. Was den Gmünder jedoch zum Kopfschütteln bringt, war der Kontakt zum Gesundheitsamt.

Aber von vorne: Vor drei Wochen schlug bei dem Gmünder die Corona-Warn-App Alarm. "Angezeigt wurden mir 18 Risiko-Begegnungen." Er informierte umgehend seinen Arbeitgeber im Rems-Murr-Kreis. Peter K.s erstes Testergebnis: negativ. Zwei seiner Kollegen aber positiv. Das dortige Gesundheitsamt reagierte. Im Wohnheim für Menschen mit Behinderung, in dem K. arbeitet, wurden Massentests veranlasst. Auch das zweite Ergebnis des Gmünders ist negativ.

Eine Woche später auf dem Arbeitsweg fühlt er sich unwohl. Ohne typische Symptome für Corona. Er geht zum Arzt. Dieser gibt zunächst Entwarnung. K. wird krankgeschrieben. Sicherheitshalber lässt er den 54-Jährigen am 1. Dezember einen PCR-Test machen. "Am nächsten Morgen kam dann die Nachricht, dass ich Corona habe."

Sofort haben er und seine Familie sich in Quarantäne begeben. Und auf weitere Schritte vom Gesundheitsamt gewartet. Vergeblich. Nach drei Tagen rief seine Frau dort an und erhielt folgende Antwort: Es lägen keine Daten vor. "Auch auf die Frage, ob wir in Quarantäne sollen, sagte man uns: Nein, außer das Gesundheitsamt ordnet dies an", berichtet der Gmünder immer noch erstaunt. "Es ist unverantwortlich anderen gegenüber, wenn mein Sohn weiter zur Schule gehen sollte." Denn laut der Corona-Verordnung müssen alle im selben Haushalt lebenden Personen ebenfalls in Quarantäne. Wieder vergehen Tage ohne Rückmeldung vom Gesundheitsamt. Frau K. nimmt am 7. Dezember erneut Kontakt auf. Immer noch liegen keine Daten von Herrn K. vor. Diese schickte Frau K. anschließend per Mail ans Gesundheitsamt. "Da kam erst einmal eine Abwesenheitsmail zurück. Dabei hat meine Frau wenige Minuten zuvor noch mit der Mitarbeiterin gesprochen." Erneuter Anruf beim Amt, eine neue Mailadresse und die offizielle Bestätigung, dass die Familie in Quarantäne müsse.

Auf Nachfrage beim Gesundheitsamt sagt Susanne Dietterle, Sprecherin des Landratsamts, dass der Befund erst am 7. Dezember per Fax durch das Labor eingegangen sei. Herr K. und seine Kontaktpersonen wurden noch am selben Tag informiert. Nach zweimaliger Recherche konnte "kein Befundeingang am 1. oder 2. Dezember verzeichnet werden", sagt Dietterle. Laut Datenstand des Labors in Schwäbisch Gmünd, das Peter K. getestet hat, sei das Ergebnis jedoch am 2. Dezember erfolgreich übermittelt worden.

Damit war für den Gmünder das bürokratische Hickhack noch nicht vorüber. "Das Ordnungsamt wollte zunächst nur mir eine Bescheinigung für den Arbeitgeber ausstellen, aber nicht meiner Familie. Laut Verordnung jedoch bekommen alle eine. Das war dem dortigen Mitarbeiter wohl nicht bewusst." Richtig ist laut Dietterle, dass alle eine Bescheinigung erhalten.

Peter K.s Wunsch an die Behörden: "Schult euer Personal." Ihm sei bewusst, dass aufgrund der hohen Fallzahlen Mitarbeiter aus anderen Abteilungen eingesetzt werden würden. "Und Fehler passieren eben nun mal. Aber die widersprüchlichen Angaben führen einfach zu noch mehr Verwirrung." Laut Gesundheitsamt ist zwar nicht mehr nachvollziehbar, mit welcher Mitarbeiterin Familie K. gesprochen hat, jedoch nehmen sie dies zum Anlass "alle Teamleiter nochmals auf die Vorgaben der Corona-Verordnung Absonderung vom 1. Dezember ausdrücklich hinzuweisen", sagt Dietterle.

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