„Proschd auf den Moschd“

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Mostprämierung Bettringen
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Nach drei Jahren Pause feiern die Bettringer wieder die besten Moste aus privater Produktion.

Gmünd-Bettringen. Früher ein weit verbreitetes Alltagsgetränk, ist der Ausbau von Most heutzutage etwas für Kenner und für Naturschützer, weil durch den Erhalt von Streuobstwiesen wertvoller Lebensraum für Vögel und Insekten erhalten wird. In Bettringen – laut Sebastian Sorg eine „Moschthochburg“ – wird die Tradition von einigen Hobby-Obstbauern hochgehalten. Am Freitagabend stellte Sorg zusammen mit dem Team vom Hetzenbühlhof die fünfte Bettringer Mostprämierung auf die Beine, heuer im urigen Stadel auf dem elterlichen Hof inmitten blühender Obstbäume.

Trotz einer schlechten Ernte im Vorjahr hatten zwanzig Einzelpersonen sowie die Jungen Moster Bettringen ihr schwäbisches Gold eingereicht, darunter auch Moste von Bartholomä, Wäschenbeuren und anderen Gmünder Ortsteilen. Um 20 Uhr ging es mit der passenden Musik von „Moschd Wanted“ los, der Band, die sich eigens für die Mostprämierung in Bettringen vor Jahren firmierte. Mit „Mir dohoim im Schwabeland“ und „I gang glei in de Garte naus“, stimmten sie in der aktuellen Besetzung mit Sebastian Sorg, Daniel Stegmaier, Fabian Stegmaier, Dieter Zeman und Nils Pfeifer die Gäste auf das besondere Tasting ein. Und schon starteten die Proben: In vier Runden wurden den fünf „Mostologen“ Joachim Sorg, Hiltrud Weidlich, Roland Kurz, Ralf Schmid und Hermann Werner jeweils fünf Apfelweine kredenzt.

Wie bei der klassischen Weinprobe ging es zuerst ums Aussehen, sodann um den Geruch und schließlich um den Geschmack, der doppelt zählt. Eine große Bandbreite gleich bei der Farbe: von dem typisch goldenen Aussehen bis zu eher bleichen oder vereinzelt gar trüben Erzeugnissen.

Allzu weit lagen die Juroren meist nicht auseinander. Werner sprach von 18 sehr interessanten Proben. Auch Ciderexperte Ralf Schmid befand, dass die Proben insgesamt „ganz gut“ waren, der ein oder andere Fehler habe mit dem Ausbau zu tun. Doch sei auch die ein oder andere sehr schöne Frucht herausgekommen, betonte er.

Gut organisiert, wie die ganze Veranstaltung war, ließen die Ergebnisse dank der flinken Auswertung durch Lea Kugler und Lara Sorg nicht lange auf sich warten: Den ersten Platz machte Niklas Schmid aus Rechberg mit 72 von 80 Punkten, den zweiten Platz Christa Haas aus Bettringen mit 69 und Johannes Zengerle, ebenfalls Bettringen, den dritten mit 65 Punkten. Nun durften auch die Gäste probieren. Interessant war, wie sehr Geruch und Geschmack auseinanderliegen können: Auch wenn der Most etwas sauer roch, konnte er gut munden.

Dazu schmeckte der schwäbische Wurstsalat oder ein Käsebrot, serviert vom Freundeskreis Kirchenmusik, während die Band den Steff Müller-Song „I mog mein Backsteinkäs“ zum Besten gab. Carmen Stehle und Herbert Krieg hielten zusammen mit Martin Rott in der Küche die Fäden in der Hand. Und Alexander Seiz entführte in der Pause in die Geschichte des Mosts, der in Württemberg und Baden von 1890 bis 1950 seine Hochzeit hatte. Er sei guter Hoffnung, dass er wieder hoffähig wird, sieht er derzeit ein Revival. Ein Revival wird es auch in der Moschthochburg Bettringen geben: „Wir sehen uns nächstes Jahr wieder, Proschd auf den Moschd“, beendete Sebastian Sorg den offiziellen Teil. Birgit Markert

Ich bin guter Hoffnung, dass der Most wieder hoffähig wird.

Alexander Seiz
Mostprämierung Bettringen
Mostprämierung Bettringen
Wie bei der klassischen Weinprobe ging es zuerst ums Aussehen, sodann um den Geruch und schließlich um den Geschmack.

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