Rat ringt um Flächenverbrauch in Gmünd

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Ein Beispiel für Flächenverbrauch: das Baugebiet Käppelesäcker Straßdorf. Das Thema beschäftigt die Stadträte.
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Stadt stellt geplante Entwicklung bis 2035 vor. Viel Widerspruch.

Schwäbisch Gmünd. Die Stadt Gmünd stellt zurzeit einen Flächennutzungsplan für Gmünd und Waldstetten bis 2035 auf, der die Verwendung ihrer Flächen definiert. Danach braucht Gmünd bis 2035 zusätzlich etwa 120 Hektar Wohnbaufläche und etwa 60 Hektar Gewerbeflächen. In diesen 60 Hektar sind die 55 Hektar des Gewerbegebietes Aspen bei Bargau nicht enthalten. Diese Zahlen nannte der Leiter des Amtes für Stadtentwicklung, Gerhard Hackner, am Mittwoch im Bauausschuss.

Hackner hatte dabei aufgezeigt, dass Gmünds Einwohnerzahl in der Folge der Gartenschau 2014 von 60 687 Einwohnern in 2015 auf 62 278 in 2020 angestiegen ist. Die Stadt rechnet mit weiteren 2791 Einwohnern bis 2035. Zudem geht die Stadt davon aus, dass etwa 15 Prozent der Einpendler sich in Gmünd niederlassen werden. Hierfür setzt die Stadt die Zahl 5156 Einwohner an.

Vor Hackner hatte Baubürgermeister Julius Mihm die Bedeutung des Flächennutzungsplanes betont. Dieser werde in einem mehrjährigen Prozess entwickelt und schaffe eine „geordnete Planung“. Aktuell steht die Stadt am Beginn der Bürgerbeteiligung. Im vierten Quartal 2022 soll der Flächennutzungsplan 2035 beschlossen werden. Das aktuelle Vorhaben der Firma Weleda zog Mihm heran, um zu verdeutlichen, worum es ihm geht. Ein solches Projekt schaffe Arbeitsplätze. Die Beschäftigten bräuchten Möglichkeiten, sich niederzulassen. Aktuell gebe es in Gmünd etwa 1000 Interessenten für einen Wohnbauplatz. So viele wie noch nie. Für sie gebe es aktuell jedoch „ganz wenige Angebote“. Dabei sei der Trend, sich in Gmünd niederlassen zu wollen, „ungebrochen“.

Christof Preiß (CDU) hinterfragte, was mit bereits vorhandenen Flächen passiere, er nannte Andritz oder Bosch AS, die Jobs abbauten, als Beispiele. Preiß sprach sich gegen die Abwanderung von Unternehmen in umliegende Orte aus. Er lobte die „leichte“ Zunahme der Einwohner. Die einst vom Oberbürgermeister genannten 10 000 Einwohner jedoch seien „mehr Spaß“ gewesen. Die Idee des Technologieparks Aspen sei gut. Gelinge dieser, brauche es Infrastruktur für die Arbeitskräfte. Und damit attraktive Angebote für Wohnbauplätze.

Die Grünen erwarten in der Summe „deutliche Veränderungen“ im Flächennutzungsplan, anstatt „flächenmäßig in die Vollen zu gehen“. Karl Miller (Grüne) ging auf „drei kritische Punkte“ ein: Er hinterfragte die prognostizierte Entwicklung der Einwohnerzahl und die damit verbundene Ausweisung von Wohnbauflächen. Er hinterfragte, weshalb 5156 Einpendler sich plötzlich in Gmünd niederlassen sollten. Aus den genannten Zahlen ergebe sich ein „riesiger“ Flächenverbrauch, der künftigen Generationen Gestaltungsspielraum nehme.

Eine „nachhaltige Planung hinsichtlich Ökologie und Ökonomie“ wolle die SPD, sagte Tim-Luka Schwab (SPD). Ökologisch sei das Vorgestellte des Flächenverbrauchs wegen eine „Katastrophe“. Die Verwaltung müsse die ökonomischen Vorteile ihrer „expansiven Flächenpolitik“ erläutern.

Auch für Prof. Dr. Andreas Benk (Die Linke) war die Prognose der Einwohnerentwicklung „nicht nachvollziehbar“ und teilweise „willkürlich“. Der Zuwachs habe sich kontinuierlich verlangsamt. Die Linke wolle zudem „endlich belastbare Aussagen über Aspen“ und die prognostizierten 2000 Arbeitsplätze. Zudem brauche es eine Diskussion, ob 5000 weitere Einwohner überhaupt wünschenswert seien.

Dr. Constance Schwarzkopf-Streit (FWF) forderte, wie ihre Vorredner, eine Erläuterung der vorgestellten Daten. Als „zu optimistisch“ sah Ullrich Dombrowski (Bürgerliste) die Vorhersagen. Er rechne damit, dass Gewerbeflächen frei würden. Gelänge es parallel nicht, Industrie und damit Arbeitsplätze wieder aufzubauen, werde Gmünd auch Einwohner verlieren. Räte und Verwaltung müssten sich die Zahlen nochmal ansehen. Den Wettbewerb zu angrenzenden Raumschaften betonte Dr. Peter Vatheuer (FDP/FW). Mache Gmünd diese Angebote nicht, gingen die Menschen woanders hin.

Sich für dieses Thema Zeit zu nehmen, dies sicherte Oberbürgermeister Richard Arnold schließlich den Fraktionen zu. Denn die Frage, mit der sich Verwaltung und Räte beschäftigten, beschäftige alle Städte, auch in der Folge des „Systembruchs“ nach der Pandemie. Arnold regte dazu eine Klausur an. Nach einer Beantwortung aufgeworfener Fragen wird der Bauausschuss das Thema am 30. Juni erneut diskutieren. Michael Länge

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