Aus dem Gastro-Komplex wird ein Einfamilienhaus

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Das ehemalige Gasthaus „Rad“ in Rechberg: Der alte Teil (links) wird abgebrochen, der neue Teil saniert.
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Was mit der traditionsreichen Gaststätte „Rad“ in Rechberg geschieht: Der gesamte Altbauteil wird abgerissen.

Schwäbisch Gmünd-Rechberg

Jahrhundertelang war das „Rad“ in Rechberg eine markante Gaststätte auf der Höhe zwischen Rems- und Filstal, die vor allem im 20. Jahrhundert immer weiter wuchs und der erste dominierende Anblick für aus Richtung Straßdorf kommende Verkehrsteilnehmer war. Nun, nach jahrelangem Leerstand, verändert das „Rad“ Funktion und Erscheinungsbild drastisch. Der Komplex wird zu einem Einfamilienhaus mit Garten.

„Den Rechbergern wird der künftige Anblick gefallen“, ist sich Rainer Nuding sicher. Er hat das rund 2500 Quadratmeter große Anwesen gekauft und versichert, dass er weder vorhat, dort wieder Gastronomie oder anderes Gewerbe anzusiedeln noch Grundstücke oder Häuser zu verkaufen.

„Wir haben das nicht zum Geldverdienen gekauft“, so Nuding. Stattdessen will der Mann, der in Bad Ditzenbach (Landkreis Göppingen) eine Firma besitzt, an dieser markanten Stelle im Ort, an der die Straße nach Hinterweiler von der Ortsdurchfahrt abzweigt, ein Wohnhaus für seine Tochter schaffen.

Dafür laufen bereits die Abbrucharbeiten. Im Hof sind Stall und frühere Backstube gefallen, derzeit beißt sich der Bagger durch den Altbau-Teil an der Kaiserbergstraße, in dem früher die Gaststätte untergebracht war. Dieser sehr alte Teil des Anwesens sei, auch durch den langen Leerstand, in der Substanz stark geschädigt gewesen, sagt der neue Besitzer.

Erhalten werden soll nur der Neubauteil an der Hohenstaufenstraße, in dem die Hotelzimmer waren. Dieser Teil, erzählt Rainer Nuding, soll im Kern saniert und auch energetisch auf den neuesten Stand gebracht werden. Dabei bringt Nuding, dessen Unternehmen auf die Bereiche Heizung, Lüftung und Sanitär spezialisiert ist, seine Fachkenntnisse ein. Aus diesem Gebäudeteil werde das Wohnhaus seiner Tochter.

Die habe sich immer ein Haus mit einem großen Garten in einem kleinen Ort gewünscht, sagt Rainer Nuding. Diesen Wunsch möchte er ihr erfüllen. Auch er selbst schätze eher kleine Orte als große Städte als Heimat. Rechberg sei ein wirklich schönes Dorf zum Wohnen. Und der Ausblick von der Dachterrasse des Neubauteils, der sowohl ins Fils- als auch ins Remstal geht, sei traumhaft, weiß Nuding.

Wann aus diesem Teil des „Rad“ ein Wohnhaus wird, ist allerdings noch nicht ganz klar. Nach dem derzeit laufenden Abriss sei erstmal Schluss, einen Zeitplan für die Sanierung des Neubauteils gebe es noch nicht. Nuding versichert jedoch, dass das Grundstück nach dem Abriss und bis zur Sanierung wieder in einen ansehnlichen Zustand gebracht wird.

Wir haben das nicht zum Geldverdienen

Rainer Nuding,, Grundstücksbesitzer

Höchste Stelle zwischen Gmünd und Donzdorf

Das „Rad“ in Rechberg hat eine jahrhundertelange Geschichte. Der Heimatforscher Theo Zanek hat sie in einem Buch „Alte Gmünder Gasthausherrlichkeit II“ (erschienen im Einhorn-Verlag) aufgearbeitet. Danach war das „Rad“ seit altersher eine Raststätte mit großen Stallungen an der Straße von Gmünd nach Donzdorf. Dort, an der höchsten Stelle der Straße, wurden nach dem beschwerlichen Aufstieg die Pferde gewechselt. Möglicherweise, so Zanek, sei die Raststätte im 17. Jahrhundert eine Zeit lang auch Zollstation gewesen.
Schon früh stand neben dem „Rad“ eine Bäckerei, dementsprechend gehörte zum Gasthof auch ein Café. Die Gaststätte war bekannt für gutbürgerliche deutsche Küche.

Vom Hof her frisst sich der Bagger durch die alte Bausubstanz des früheren gutbürgerlichen Restaurants. Einige Bereiche sind schon gefallen.

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