Die Familiengeschichte der Rechberger liegt nun offen

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In der Burgruine Rechberg wurde die wissenschaftliche Bearbeitung der Hauschronik der Familie von Rechberg vorgestellt.
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Der Gmünder Historiker Florian Setzen hat die älteste Hauschronik des Adelsgeschlechts wissenschaftlich bearbeitet.

Schwäbisch Gmünd-Rechberg

Gmünd, Waldstetten, aber auch der nördliche Bereich des Landkreises Göppingen - diese ganze Gegend ist eng mit dem Rechberg und der Adelsfamilie dieses Namens verbunden. Deshalb ist das Buch, das am Freitag in der Burgruine auf dem Rechberg vorgestellt wurde, von breitem Interesse. Der in Gmünd geborene Historiker Florian Setzen hat das „Stammbüchlein“ der Grafen und Herren von Rechberg wissenschaftlich überarbeitet und damit für alle Interessierten aufbereitet. Setzen beschäftigt sich seit mehr als 20 Jahren mit der Geschichte des Hauses von Rechberg.

Der gebürtige Gmünder Johann Frey, damals Vogt der rechbergischen Herrschaft Waldstetten hat das „Stammbüchlein“ 1643 - mitten im 30-jährigen Krieg - verfasst. Es enthält den Stammbaum der Rechberger, aber auch Berichte über die Nachbarterritorien wie die Reichsstadt Gmünd.

Schwelle zum Hochadel

Im 17. Jahrhundert, so Setzen, war die Familie von Rechberg an der Schwelle zwischen Nieder- und Hochadel. Mitglieder wirkten zum Beispiel als Bischöfe von der Schweiz bis zur Ostsee. Setzen stellte fest, dass die überlieferte Familiengeschichte der Rechberger sehr wenig über die Stauferzeit brachte, obwohl die Familie in jener Zeit bereits bestand. Darüber hinaus aber liefert sie jede Menge Geschichte. Ein interessantes Detail war zum Beispiel, dass das Gewann Pfeilhalde zwischen Gmünd und Waldstetten seinen Namen sehr zu Recht trägt: Die dortigen Güter mussten Pfeile zur Verteidigung der Burg Rechberg liefern. Das „Stammbüchlein“, so Setzen, liefere auch eine - wenn auch diplomatisch geschönte - Beschreibung der Schlacht von Waldstetten 1449. Und es zeige, dass die Sage vom Hausgeist der Burg, dem Klopferle, nicht wie viele ähnliche Sagen eine Erfindung des 18. oder 19. Jahrhunderts ist, sondern sehr viel älter.

Der Erste Bürgermeister Gmünds, Christian Baron, begrüßte die Aufarbeitung der Rechbergischen Hauschronik und die Beschäftigung mit der Geschichte allgemein sehr: „Wer sich nicht in die Geschichte vertieft, weiß auch nicht, welchen Kurs wir fahren.“ Die Ortsvorsteherin von Rechberg, Anne Zeller-Klein, unterstrich, dass die Familie von Rechberg nach wie vor große Bedeutung im Ort habe - zumal sie größter Grund- und Waldbesitzer dort sei.

Ermöglicht wurde die Veröffentlichung durch die Kooperation des Autors mit dem Gmünder Stadtarchiv als Herausgeber, dem Leiter des Kreisarchivs Göppingen, Dr. Stefan Lang, und mit Bernhard Graf von Rechberg, der das Original der Hauschronik zur Verfügung stellte. Bernhard Graf von Rechberg ging bei der Buchvorstellung nochmals auf den Verkauf der Burg Rechberg an den Göppinger Hans Bader ein, die damals für Diskussionen gesorgt hatte. Der Verkauf sei der beste Weg gewesen, um die Burg zu erhalten, sagte der Graf.

Der Archivar des Landkreises Göppingen, Dr. Stefan Lang, der auch das Archiv der Familie von Rechberg betreut, lobte die kreisübergreifende Zusammenarbeit. Er könne sich weitere Kooperationen vorstellen. Das kann auch der Leiter des Gmünder Stadtarchivs, Dr. Niklas Konzen. Er wies darauf hin, dass Setzens Edition der Hauschronik der Familie von Rechberg für alle kostenlos zu lesen ist. Es gibt sie nicht als Buch, dafür wurde sie am Freitag online gestellt.

„Das Stammbüchlein der Grafen und Herren von Rechberg des Vogts der Herrschaft Waldstetten Johann Frey aus Schwäbisch Gmünd von 1643“ ist im Internet erreichbar über einen Link auf dem Blog der Kommunalarchive des Ostalbkreises. Die Adresse: https://ostalbum.hypotheses.org.

In der historischen Forschung gibt es keine Landkreis-Grenzen.“

Dr. Stefan Lang, Kreisarchivar Göppingen

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