Rechtsextreme Freie Sachsen: Querdenker Stefan Schmidt will Bürgermeister werden

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Stefan Schmidt

Der ehemalige Seehof-Gastronom will im Erzgebirge Bürgermeister werden. 

Vom eigenen Gasthof bei Alfdorf in den „Widerstand“ nach Sachsen: Die Entwicklung des ehemaligen Rems-Murr-Gastronomen Stefan Schmidt in der Corona-Krise hat gezeigt, welches Radikalisierungspotenzial die Querdenker-Szene birgt. Und tut dies noch immer. Denn nun will Schmidt Bürgermeister im Erzgebirge werden – für die rechtsextremen „Freien Sachsen“.

Freie Sachsen: Erste Annäherungen auf Telegram

Bereits zuvor hatte sich eine Annäherung an das rechtsextreme Bündnis abgezeichnet: Schmidt, der sich in der regionalen Querdenker-Szene als Aktivist und Dauer-Demo-Veranstalter einen Namen gemacht hat, teilte schon vor Monaten Beiträge der „Freien Sachsen“ auf Telegram. Noch bevor er im Spätherbst bekanntgab, seinen „Lebensmittelpunkt“ in den Erzgebirgskreis verlagern zu wollen.

Schon damals war klar, worum es sich bei den Freien Sachsen handelt. Das sächsische Landesamt für Verfassungsschutz beobachtete das Bündnis bereits kurz nach dessen Entstehung. Verfassungsschutzpräsident Dirk-Martin Christian sprach schon im Sommer 2021 von einer „überregionalen Vernetzungsplattform für Rechtsextremisten aus der gesamten Bundesrepublik“. Seit Januar 2022 werden die Freien Sachsen nun auch bundesweit beobachtet.

NPD-Mann Stefan Hartung trifft Querdenker Stefan Schmidt

Dass Schmidt keine Berührungsängste mit Rechtsextremisten hat, zeigte sich nach seinem „Auswandern light“ auch außerhalb von Telegram: Als die Freien Sachsen am 18. Januar in Frankenberg den sächsischen Ministerpräsidenten Michael Kretschmer (CDU) beleidigten und ausbuhten, stand Stefan Schmidt nach unseren Recherchen in der ersten Reihe der teils offen rechtsextremen Protestler.

Angeführt wurde der Protest von Stefan Hartung, Vorsitzender des NPD-Kreisverbands Erzgebirge – und einer der Köpfe der Freien Sachsen. Ein Fernsehreporter fragte die Menge, ob sie kein Problem mit Hartungs NPD-Mitgliedschaft hätten. Die klare Antwort: nein. Im Video eines Querdenker-Aktivisten von diesem Tag ist zu sehen, wie Hartung kurz darauf ein Mikrofon an Stefan Schmidt übergibt.

Bürgermeister Schmidt? „Unser Mann für Johann’stadt!“

Nun wollen beide für die Freien Sachsen in politische Ämter: Hartung als Landtagskandidat, Schmidt als Bürgermeister von Johanngeorgenstadt im Erzgebirgskreis. Einer kleinen Gemeinde an der Grenze zu Tschechien mit etwa 3900 Einwohnern. „Unser Mann für Johann’stadt!“, schreibt das rechtsextreme Bündnis über den Exilschwaben.

Auf der Website der Freien Sachsen wurde Schmidt am Montag (28.02.) in einem Video vorgestellt. Er wolle sich für Selbstständige einsetzen, sagt er. Dafür, dass die „unsäglichen Corona-Maßnahmen aufgehoben werden“. Er wolle dafür sorgen, dass sich in der seit Jahren schrumpfenden, überalterten Gemeinde wieder junge Familien ansiedeln.

Wahl am 12. Juni: Noch ist Schmidts Kandidatur nur Wunschdenken

Finanziell solle Johanngeorgenstadt unabhängiger von Land und Bund werden, sagt Schmidt. Die Freien Sachsen als Bündnis formulieren es deutlicher: Man strebe den „Säxit“ an, den Austritt aus der Bundesrepublik Deutschland.

Ob Stefan Schmidt tatsächlich für das Bürgermeisteramt in Johanngeorgenstadt kandidieren kann, ist noch offen. Die Freien Sachsen fordern die Bürger der Erzgebirgsgemeinde aktuell dazu auf, die nötigen Unterstützerunterschriften zu leisten. Erst im Februar hatte die „Freie Presse“ aus Chemnitz berichtet, dass der amtierende, langjährige Bürgermeister Holger Hascheck (SPD) überraschend nicht noch mal antreten wird. Die Wahl findet am 12. Juni statt. Die Bewerbersuche gestaltet sich offenbar schwierig.

Johanngeorgenstadt: SPD-Bürgermeister, AfD-Hochburg

Nicht nur wegen der unklaren Bewerberlage lässt sich aktuell noch schwer einschätzen, wie Stefan Schmidts Chancen stünden. Zum einen war Schmidt als Kandidat der Querdenker-Partei Die Basis bei Wahlen bislang erfolglos.

Zum anderen scheinen die Berührungsängste mit Rechten nicht nur bei Schmidt, sondern auch bei einigen Bürgern von Johanngeorgenstadt nicht sonderlich ausgeprägt zu sein. Bei der Bundestagswahl 2021 erreichte die AfD dort laut „Sächsischer Zeitung“ 37,1 Prozent der Zweitstimmen – und lag damit deutlich über dem Landesdurchschnitt. ZVW/Alexander Roth

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