Rehe kommen zum Rosen frühstücken

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Bewohner in Gmünds Weststadt bekommen Besuch von Rehen.
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Mit welchen hartnäckigen Besuchern sich Bewohner in Gmünds Weststadt auseinandersetzen müssen und wie die Menschen reagieren.

Schwäbisch Gmünd. Wenn das Ehepaar Gabi und Thomas Knies von ihren tierischen Besuchern in ihrem Garten in der Erwin-Rommel-Straße in Gmünds Westen berichte, vermag sich der Zuhörer kaum das Lachen verkneifen. Seit mehreren Jahren werden nicht nur die Knies‘, sondern auch die angrenzenden Nachbarn in schöner Regelmäßigkeit von Rehen besucht.

Das mag zunächst kollektives Entzücken hervorrufen, aber in der Zwischenzeit sehen die Bewohner der Straße die Tiere nahezu als Plage an. 2015 habe sie das erste Mal Schäden an ihren Rosen bemerkt, erinnert sich Gabi Knies und schob diese Schäden auf eine ihr unbekannte Erkrankung der Pflanzen zu, allerdings fehlten als „Beweisstücke“ abgestorbene Blätter und Blüten.

Bald wurden sie und ihr Mann beim Blick aus ihrem Schlafzimmerfenster ihrer „Gäste“ ansichtig, vier Rehe vergnügten sich an den Knieschen Anpflanzungen „die Rehe kamen in den Garten und fraßen alle jungen Triebe und Knospen der Rosen ab“, erzählt Gabi Knies. Die Rosen in der Erwin-Rommel-Straße müssen wohl von besonderer Qualität sein; das Schalenwild kam immer öfters, zwischenzeitlich hat sich fast ein Rhythmus eingestellt, meint das Ehepaar: Die Tiere kommen morgens „zum Frühstück“, nach dem Mittagessen wird auf einem sonnigen Plätzchen ein Nickerchen gemacht.

Vertreiben lassen sich die Besucher kaum: Rufen, in die Hände klatschen, auf sie zugehen, für all das haben die Waldbewohner nur einen fast spöttischen Blick übrig, den Eindruck haben die Bewohner.

Viel Geld haben die Knies und auch die Nachbarn in den „Rehschutz“ investiert. Bewegungsmelder ,die eine Lampe steuern oder Ultraschall-Tiervertreiber - alles brachte die Tiere nur kurzfristig dazu, ihr Revier zu verlassen. Am besten habe ein Bewegungsmelder funktioniert, der Hundegebell ertönen ließ: tolle Sache, allerdings bellte das Gerät zu jeder Tageszeit, „von Nachtruhe konnte keine Rede mehr sein“. Auch ein Zaun von rund 1,50 Meter Höhe bedeutet für die Besucher kein Hindernis, eine Zaunecke wurde sogar einfach heruntergedrückt um einen besseren Zugang zum Grundstück zu erhalten, erzählt Gabi Knies und kann sich trotz allem ein Schmunzeln nicht verkneifen.

Wo die Tiere herkommen? Das Ehepaar kann sich nur vorstellen, dass die Rehe in dem verwucherten Gelände unterhalb ihres Hauses oder nebenan auf der Baustelle heimisch sind, und „zum Äsen kommen sie in die Erwin-Rommel-Straße“. Einige Nachbarn versuchen jetzt mit „Verbissschutz“ ihre Pflanzen zu schützen, andere müssen sogar ihre Eingangstore erhöhen, die Tiere sind clever und findig und finden immer einen Weg zum saftigen Grün.

Noch höherer Zaun?

Ihr großes Gartengrundstück mit einem noch höheren Zaun absichern kommt für das Ehepaar nicht in Frage, niemand wolle in einem Hochsicherheitstrakt leben. Die Freude am Garten ist etwas vergangen. Salat, Kräuter oder Rosen? Alles wird im zarten Grün bereits gefressen, die Rehe seien „echte Gourmets“. Ein Hochbeet anlegen? „Dann haben die Tiere es ja noch einfacher“.

Aber das Ehepaar sieht noch weitere Gefahren, die „Gäste“ fühlen sich seit Neuestem sogar auf der Straße wohl, Autos empfinden sie nicht als störend, der Weg zur Goethestraße ist mit lediglich ein paar Dutzend Stufen vom Adjudantenstäffele erreichbar und wer rechnet schon mitten in der Stadt mit Wildtieren auf der Fahrbahn. Oberforstrat Jens-Olaf Weiher erklärt, wie andere Wildtiere auch, seien Rehe Gewohnheitstiere, die sich ihrer Umgebung anpassen, gibt aber leichte Entwarnung: Das „gelernte Verhalten“ werde genetisch nicht weitergegeben.

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