Respektvoll miteinander streiten - gerne mehr!

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Michael Länge
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Über die VHS-Podien „Hass, Hetze, Mord“ und „Meinungsfreiheit“.

Zwei bemerkenswerte Podien an Gmünds VHS: Bei „Hass, Hetze, Mord. Vom Attentat auf Matthias Erzberger bis zur Diffamierung von Politikern heute“ berichteten im April Grünen-Chefin Ricarda Lang und Landrat Dr. Joachim Bläse von Beleidigungen und Bedrohungen heute. Sie und Staatsschutzchef Thomas Georgi nannten auch Verrohung der Sprache und soziale Medien als Ursachen. „Null Toleranz“, wenn Grenzen überschritten werden, sagte Bläse. Richtigerweise!


Sieben Wochen später berichten der Politologe Hamed Abdel-Samad und PH-Dozentin Dr. Sandra Kostner, dass sich 2021 nur noch 45 Prozent der Menschen trauten, ihre Meinung zu sagen. Verantwortlich seien Politiker, Medien und Wirtschaft. Politiker sprächen keinen Klartext, sagen Kostner und Abdel-Samad. Eine „erschreckende Bereitschaft zum Ausgrenzen“ hat Kostner in zwei Jahren gesehen. Abdel-Samad fehlte der Raum, in dem man sagen kann, was man denkt, „ohne geknüppelt zu werden“.


Zwei Podien, bemerkenswert, jedes für sich. Zusammen betrachtet, werfen sie Fragen auf. Wie diese: Haben Kostner und Abdel-Samad übersehen, dass diese Stadt, dieses Land über Monate „Spaziergänge“ genannte, nicht angemeldete Versammlungen geduldet hat? Und Beschimpfungen von Polizisten? Der Meinungsfreiheit das Wort zu reden, ist ehrenwert. Für das Schweigen der Bürger - undifferenziert - Politiker, Medien und Wirtschaft verantwortlich zu machen, ist nah am Populismus. Abdel-Samad hat hinzugefügt: „Wenn die Meinungsfreiheit den Bach runter geht, sind wir alle verantwortlich.“ Damit wünscht er sich, richtigerweise, mehr Streit. Der aber kann und darf, in Erinnerung an Erzberger, nur respektvoll sein. 

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