Kommentar: Michael Länge zur Diskussion zur Grundschule Hardt

Schmerzhafte Defizite

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Michael Länge

Kommentar: Michael Länge zur Diskussion zur Grundschule Hardt

Reden wir über Integration. Bettringen Nordwest wird ab Herbst 2023 nicht mehr zum Schulbezirk der Grundschule Hardt gehören. Gmünds Stadträte folgten mit diesem Beschluss am Mittwoch im Gemeinderat nicht dem Ansinnen der Grundschule Hardt. Diese hatte sich ein Jahr mehr gewünscht, bis Herbst 2024 also, bis die Schüler von Bettringen Nordwest für die Grundschule Hardt wegfallen.

Dies ist für die Grundschule Hardt bitter. Weil es die Chance auf Zweizügigkeit, zwei Klassen auf einer Stufe also, weiter schmälert. Die kontroverse, mitunter emotionale Diskussion im Gemeinderat aber war dennoch wertvoll. Denn sie zeigt zwei Defizite.

Das erste Defizit: Wenn Fabian Wolf als stellvertretender Ortsvorsteher Bettringens vor etwa 50 Stadträten und der gesamten Stadtspitze dem erkrankten Bettringer Ortsvorsteher öffentlich empfiehlt, nicht die Presse zu verfolgen, damit es ihm nicht schlechter gehe, offenbart dies ein äußerst fragwürdiges Verständnis von der Aufgabe der Presse in einer Demokratie. Wenn Wolf dies ernst meint, muss er sich fragen, ob er als Stellvertreter des Ortsvorstehers an der richtigen Stelle sitzt.

Das zweite Defizit: SPD-Stadtrat Alessandro Lieb hat den Finger in die Wunde gelegt. „Wir müssen uns hier ehrlich machen“, sagte er und meinte damit, dass es bei der Entscheidung über die Änderung der Schulbezirke nicht nur um das Wir-Gefühl Bettringens geht, das der Stadtteil - erfreulicherweise - stärken will. Es geht auch nicht nur um die Grundschule Hardt, die die Stadt nun - erfreulicherweise - mehr in den Blick nehmen will. Sondern es geht auch darum, dass manche Eltern ihre Kinder nicht in Schulen schicken wollen, an denen es viele Kinder mit ausländischen Wurzeln gibt. Es ist, sagte Lieb zurecht, ein gesellschaftliches Problem.
Stadtspitze und Stadträte müssen fragen: Warum ist das so? Ist es richtig so? Und, wenn nicht, wie können wir dieser Haltung besser begegnen?
Reden wir über Integration. Mehr!

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