Schwanenwirt Helmut Gloning feiert 80. Geburtstag

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Schwanenwirt Helmut Gloning wird 80 Jahre.

Kein großes Fest und den Sauerbraten höchstens zuhause. Trotzdem viel Grund zum Feiern.

Schwäbisch Gmünd. Wenn Helmut Gloning, der legendäre Schwanenwirt, auf die Straße geht, kommt es schon vor, dass ihm ein Bekannter zuruft: „Wo bleibt der Sauerbraten?“ „De Leut hots halt gschmeckt“, sagt Helmut Gloning und freut sich natürlich über solche Kommentare, die eine Erinnerung wach halten. An diesem Montag feiert der Gmünder seinen 80. Geburtstag. Das hätte ein großes Fest sein sollen, gemeinsam mit seiner Frau Emmi, die vor einer Woche 70 Jahre alt wurde. Freunde und Verwandte hätten auf der Gästeliste gestanden und vielleicht wäre wirklich der Sauerbraten auf den Tisch gekommen. Dank Corona wird nun zuhause gekocht, zu zweit gefeiert.

Emotionale Explosion

Zum Feiern hat Helmut Gloning allen Grund. Erfolgreich bringt er den „Schwanen“ über viele Jahrzehnte, kann sich nie über die Kundenfrequenz beklagen. Im Gegenteil. Bei Geburtstagsfesten oder auch an einem einfachen Samstagabend drängen sich Gäste auf Stühlen und Bänken. Ganz besonders, wenn die „hauseigene“ Band „Swany Feetwarmers“ oft freitags zu den Instrumenten greift. Dann platzt der Laden aus allen Nähten. Und Helmut Gloning ist in seinem Element, hängt über Kochtöpfen und Pfannen, lässt die Leute im Lokal gelegentlich auch wissen, dass hier einer schafft. Wenn mal was nicht wie am Schnürchen läuft, ist eine emotionale Explosion fast programmiert. Die Gäste kennen Helmut Gloning, das gehört zu seinem Markenzeichen. Ganz besonders ist es aber die gute schwäbische Küche, die das Fachwerkhaus in der Vorderen Schmiedgasse zum Mekka der Genießer werden lässt. Dass der „Schwanen“ funktioniert, das liegt auch am Service und dafür steht über viele Jahre seine Frau Emmi. Helmut Gloning weiß das zu schätzen: „Die gute Seele im Betrieb ist immer eine Frau“, lässt er sie an ihrem 70. Geburtstag wissen. Ohne sie hätten Gäste nämlich auf eine Besonderheit verzichten müssen: Es sind die legendären Schäumle in Schwanenform, geschaffen aus Eiweiß, Zucker und einem guten Tröpfle. Und die schwäbischen Brownies, die Emmi Gloning immer gerne dazu reicht.

Sechs Pfennig in der Stunde

Oft steuert Helmut Gloning, wenn die Küchenarbeit getan ist, seine Anekdoten bei, Geschichten aus einem auch unterhaltsamen Gasthausleben. „Ich sollte längst ein Buch darüber schreiben“, sagt er und betont: „Zehn Seiten habe ich schon geschrieben.“ Dann könnte er nicht nur beschreiben, wie sehr er schon in jungen Jahren diesen Beruf angestrebt hat. Er wollte Koch und Gastwirt werden wie sein Vater. 1955 beginnt er deshalb eine Lehre im Hotel „Josefle“ in Gmünd, damals eines der vornehmen Lokale. 20 Mark Monatsverdienst erhält er dafür. Dann rechnet er die Stunden vor, die damals geschuftet werden mussten und kommt auf einen sensationellen Stundenlohn. „Das waren so um sechs Pfennige.“ Das ließ sich steigern, als junger Koch beginnt er im Ratskeller in Ulm. „Einmal haben wir, weil Feste anstanden, 35 Stunden am Stück gearbeitet“, erinnert er sich. Eine harte Schule, die ihn für weitere Aufgaben fit macht. Jetzt wird er nämlich in Gmünd gebraucht. Der Vater stirbt, als Helmut Gloning 19 ist. Mit seiner Mutter betreibt er den Schwanen weiter. Dann kommt Emmi Gloning ins Haus, im wahrsten Sinn des Wortes. Sie ist mit einer Gmünder Familie zu Gast, Helmut wirft ein Auge auf sie und kann sie überreden, an Wochenenden doch beim Bedienen auszuhelfen. Dann stellt er die entscheidende Frage: „Dätsch net im Schwana bleiba?“ Sie bleibt, 1976 ist Hochzeit. In den Jahren danach kommen die Söhne Andreas und Michael, später Tochter Christine zur Welt. Sie ist heute im Hotelfach in der Schweiz tätig, die Söhne haben sich nach Erfahrungen in der Gastronomie inzwischen beruflich verändert. Der „Schwanen“, 1914 von Helmut Glonings Vater gekauft, ist für die Familie jetzt Geschichte. Vergessen ist er nicht. Auch weil der langjährige Inhaber noch viele Geschichten auf Lager hat.

Kuno Staudenmaier

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