Sitzbänke werden zum poetischen Ort

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Spaziergang mit Wilhelm-Busch-Gedichten: Andrea Demsic an einer der „Lyrischen Bänke“ von Straßdorf.
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Quartiersmanagerin Andrea Demsic hat mit Karin Donath eine Idee umgesetzt, die begeistert.

Gmünd-Straßdorf. Seit September 2016 kümmert sich Andrea Demsic um ehrenamtliche Strukturen und koordiniert Angebote und Veranstaltungen. Bei ihr laufen die Fäden zusammen. Sie ist Mitarbeiterin des Deutschen Roten Kreuzes, sie macht ihren Job aber „in enger Kooperation mit der Ortsverwaltung Straßdorf“, wie sie betont.

Als gebürtige Straßdorferin kennt Demsic die Menschen und deren Mentalität durch und durch. Was ein großer Vorteil sein kann, wie sich in einem Fall zeigte, als Karin Donath mit einer Idee zu ihr kam: Warum nicht an die über 20 Sitzbänke rund um und in Straßdorf, wo die Menschen gern verweilen bei einem Spaziergang, etwas aufpeppen? Nicht mit Farbe, sondern mit Sinnsprüchen. Bei der Quartiersmanagerin traf die ehrenamtlich engagierte Mitarbeiterin des Ortschaftsrathauses auf offene Ohren, also wurde die Idee in die Tat umgesetzt. Im Lockdown wurden Sinnsprüche auf DIN A 3-Format geschrieben. Das Ganze laminiert und gelocht, so dass man diese an die Sitzbänke mit Kabelbinder ganz einfach anbringen konnte. Dies geschah im Dezember 2020. Und im Dezember 2021 kam der nächste Schritt: Gedichte wurden aufgeschrieben und befestigt. „Viele Menschen sind zu Fuß unterwegs. Und es zeigt sich, dass diese Idee gut ankommt“, freut sich die Straßdorfer Quartiersmanagerin Demsic.

Heiter soll es sein

Das Schöne daran ist auch, dass mit wenig Aufwand und äußerst günstig anderen Menschen Freude gemacht werden kann. Denn man achtete darauf, dass es heitere Gedichte sind, die zur guten Stimmung beitragen. Etwa von Wilhelm Busch oder auch Ernst Jandl und Christian Morgenstern.

Als Andrea Demsic ihren Dienst vor gut fünf Jahren antrat, war ihr äußerst wichtig, dass sie „keine One-Woman-Show“ ist. Und die aktuelle Aktion mit der Lyrik an Bänken, die durch Karin Donath ins Leben gerufen worden ist, zeigt dies. Netzwerk-Arbeit, Kontakt zur Bürgerschaft – auch in Lockdown-Zeiten, dies war und ist der Quartiersmanagerin sehr wichtig. Zumal die meisten Angebote, die sie seit ihrem Start in Straßdorf ins Leben rief, etwa der „Schwätz- und Spiele-Nachmittag“ im einstigen Friseursalon, der zum Bürgertreff umfunktioniert wurde, und sich heute im DRK-Zentrum findet, oder auch das Sommerferienprogramm für Senioren aufgrund der Pandemie nicht durchführbar war. „Und es hat wirklich Spaß gemacht, die passende, heitere Lyrik herauszusuchen“, beschreibt Demsic.

So lohnt sich der Spaziergang in und um Straßdorf gleich doppelt für die Interessierten. Man ist an der frischen Luft und tut was fürs körperliche Wohlbefinden. Wiederum Nahrung Geist und Seele sorgen die Gedichte.

Was sich auch zeigte, ist, dass sich andere animieren ließen. „Es hängen zwei Gedichte, die nicht von uns kommen. Aber mit ironischem Augenzwinkern und in der gleichen Machart an Bänken“, erzählt Andrea Demsic amüsiert.

Das ist ganz nach ihrem Geschmack, sie will zum Mitmachen animieren, seit sie ihren Dienst antrat. 2018 wurde der ehrenamtliche Fahrdienst, das DRK Bürgermobil mit ihr aus der Taufe gehoben. Für Telefon- und Fahrdienst steht ein 25-köpfiges, ehrenamtliches Team zur Verfügung.

„Hauptamt begleitet Ehrenamt“

Fürs große Dorfjubiläum organisierte sie 2019 das inklusive Kinder- und Jugendfest, saß in der Steuerungsgruppe, die das Fest organisierte. „Hauptamt begleitet Ehrenamt“, verdeutlicht sie erneut ihre Hauptaufgabe. Und sehnt nun die Zeit herbei, wo die Pandemie endlich endet und wieder vielfältige Aktionen durchgeführt werden können. Für alle Generationen und für jeden Geschmack etwas. Die Ideen gehen der Quartiersmanagerin nicht aus. Anja Jantschik

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