Spazieren gegen die Einsamkeit

  • Weitere
    schließen
+
Spazierpatin Irene Duijm (links) mit ihrem Schützling . Die Idee entstand im Herbst 2020, mittlerweile sind vier Spazierpaten im Einsatz, weiter werden gesucht.

Gmünder Seniorennetzwerk sorgt für Begleitung beim Gang in der Natur. Weitere Ehrenamtliche sind willkommen. Es gibt regelmäßige Schulungen.

Schwäbisch Gmünd

Spazierengehen an der frischen Luft ist gesund, aber im Alter trauen sich das manche nicht mehr allein zu, weil sie niemand haben, der sie begleitet. Die Furcht davor, allein nicht zurechtzukommen, ist groß. Oder es gibt, wie bei Ingeborg Kleiner, ein Hindernis vor der Haustür: der Rollator muss die wenigen Treppenstufen bis zur Straße hinuntergehoben werden. Das ist für die sonst so rüstige 93-Jährige allein nicht zu bewältigen.

Emelie Gritsch erledigt das mit links. Die junge Studentin geht seit Anfang Januar mindestens einmal in der Woche mit ihrer Dame spazieren. Diese wiederum war glücklich, nach vier Wochen Wohnung endlich mal wieder draußen zu sein. An Gesprächsstoff fehlt es beiden nicht. Kleiner erzählt, wie es früher in Schwäbisch Gmünd war, von ihren Urlauben, von der Familie. Von den Veränderungen, die das Mühlbergle erfahren hat im Lauf der Zeit, vom Milchgässle. Für Emelie Gritsch, die an der Pädagogischen Hochschule Gmünd studiert, ist das authentische Heimatkunde, sehr spannend erzählt, die ihr Schwäbisch Gmünd nahe bringt.

Die 19-Jährige sagte sich: „Probier mal was anderes!“, und entschied, sich als Neuling in Gmünd ehrenamtlich zu engagieren. Heute geht sie zwei- bis dreimal in der Woche eine Stunde mit Ingeborg Kleiner spazieren. Ein Telefonat und die Verabredung steht für den Spaziergang unter Corona-Bedingungen. Die sind festgelegt: Abstand halten, Maske tragen, Hände desinfizieren. Dafür wurde sie mit einem Hygienepäckchen ausgestattet und über die Regeln informiert: sich möglichst nicht berühren, nicht den Arm ergreifen.

Auch Irene Duijm, mit 73 Jahren selbst Seniorin, ist Spazierpatin. Sie geht mit einer jüngeren Seniorin, die nicht mehr gut zu Fuß ist, in Straßdorf spazieren. „Man sollte gut zuhören können“, beschreibt Spazierpatin Duijm eine wesentliche Voraussetzung für ein gutes Miteinander. Die Anzahl der Treffen hängt vom Wetter und vom jeweiligen Gesundheitszustand der Spaziergängerin ab.

Individuell anpassen

Karolina Gorjainow ist die Gesamtkoordinatorin des Seniorennetzwerks. „Spazierpate“, ein weiterer Baustein gegen Einsamkeit in Coronazeiten, läuft seit drei Monaten. Vier Spazierpaten sind im Einsatz, weitere werden gesucht. Bevor die persönliche Begegnung zwischen Paten und „Spaziergänger“ stattfindet, führt Karolina Gorjainow ein Gespräch mit dem älteren Menschen, der Begleitung braucht. Dazu gehört auch die Frage, ob lieber eine männliche oder weibliche Begleitung gewünscht wird, wie lang der Spaziergang sein sollte und wie oft. Dann kommt die Auswahl des Spazierpaten, möglichst aus einem wohnortnahen Umfeld. Wenn jemand mit älteren Menschen empathisch umgehen kann und Freude daran hat, gemeinsam mit diesen an der frischen Luft zu sein, ist dieses Engagement für beide ein Gewinn.

Das Seniorennetzwerk Schwäbisch Gmünd wurde von Birgit Schmid aufgebaut, gefördert und engagiert begleitet von Dieter Lehmann, ehemaliger Leiter des Amts für Familie und Soziales. Es wird kontinuierlich weiter ausgebaut. „Auf Landesebene lässt das Gmünder Seniorennetzwerk anderen die Kinnlade herunter fallen!“, so Renate Wahl, Leiterin des Seniorentreffs Spitalmühle, wenn es um die Vielzahl der gut durchdachten Angebote geht. Von Wohnberatung über Sorgentelefon, Morgenohr, Herzenswege und anderem ist ein dichtes Netz gespannt, um Senioren das Gefühl zu geben: „Ich bin nicht allein!“

Für Gmünds Ersten Bürgermeister Christian Baron ist das ganze Paket wichtig. Im Herbst 2020 entstand im Brainstorming von Renate Wahl und Karolina Gorjainow die Idee zum Spazierpaten, eine Handreichung wurde entwickelt und ihm das Projekt vorgelegt, dann mit Unterstützung von Gemeinderat Allesandro Lieb auf den Weg gebracht. Um die Qualitätsstandards im Seniorennetzwerk, zu dem der Spazierpate gehört, zu gewährleisten, nehmen alle Ehrenamtlichen jährlich an der Seminarreihe „Schulungen für Ehrenamtliche“ teil. Gesamtkoordinatorin Karolina Gorjainow erkundigt sich in regelmäßigen Abständen bei beiden Beteiligten, ob das Spazierengehen funktionieret, ob offene Fragen oder beim Spazierengehen Probleme entstanden sind.

Für Fragen und Anmerkungen ist die Gesamtkoordinatorin des Seniorennetzwerks Karolina Gorjainow zuständig. Telefon (07171) 6035024, E-Mail: karolina.gorjainow@schwaebisch-gmuend.de. Mehr Informationen gibt's online unter: www.schwaebisch-gmuend.de/gmuend-hilft.html

Auf Landesebene lässt das Gmünder Seniorennetzwerk anderen die Kinnlade herunter fallen!“

Renate Wahl,, Leiterin des Seniorentreffs

Zurück zur Übersicht: Schwäbisch Gmünd

Mehr zum Thema

WEITERE ARTIKEL