Neu im Kino

Spencer

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Spencer mit Kristin Stewart.
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Der Augenaufschlag passt, die Garderobe auch. Vieles ist genau so an dieser Diana, wie man es kennt, wenn man das Leben der „Königin der Herzen“ medial verfolgt hat. Mit „Spencer“ zeichnet Pablo Larraín aus ihrer Innensicht erzählend das Psychogramm einer Frau, die unter der Last royaler Zwänge fast erstickt und sich von dieser regelmäßig über der Toilettenschüssel befreit.

Man muss interessiert sein an diesem weiteren Blick auf Bekanntes. Kristin Stewart in der Rolle der Lady Di sorgt aber auf jeden Fall für wahrhaftiges Mitgefühl.

Darum geht es: Weihnachten 1991, Schloss Sandringham. Die Royals sind schon da, Lady Di reist verspätet im Porsche an - der erste Affront gegen die Etikette. Bleierne Traditionen haben Diana fest im Griff. Nur wenn sie mit ihren Söhnen zusammen ist, scheint es ihr gut zu gehen. Ansonsten wird nicht nur der Kamin nicht angezündet; auch die Herzen bleiben kalt - trotz üppiger floraler Deko an der langen Dinner-Tafel, an der niemand spricht. Immer wieder flieht Diana auf die Toilette, in den Garten, in ihr Elternhaus - verfolgt von Menschen, die sie vor den sie verfolgenden Fotografen schützen sollen. Koch und Kammerzofe sind die einzigen, mit denen sie ehrlich reden kann. Die Prinzessin bewegt sich im zehnten Jahr ihrer Ehe ständig am Rande eines Nervenzusammenbruches - und hat ständig den Geist von Anne Boleyn vor Augen. Drei Tage dauert der Albtraum dieser Frau aus einer einstigen Traumverbindung. Dann düst sie ab.

Fazit: Nebel, düstere Gänge, karge Felder, dunkle, zugetackerte Vorhänge - dazu eine Familie, die ausschließlich gefühllos ist. Viel sich wiederholendes Leid hängt über Diana. Die quälende Kälte, die die Prinzessin bei den Majestäten wohl verspürt haben mag, aber ist ständig spürbar - eine Stärke und zugleich Schwäche des Filmes. Grautöne sucht man hier vergeblich. Bedeutungsschwer drückt zudem die Musik jedes noch so gut komponierte Bild fast in die Bedeutungslosigkeit. Bulimie als dramaturgische Endlosschleife, zuviel Gewese um die Outfits von Lady Di - nicht alles ist gelungen an diesem Film. Kristen Stewart aber spielt so grandios, dass man dranbleibt. Zur Belohnung gibt es Fast-Food, Popmusik und einen Geburtsnamen. ⋌Dagmar Oltersdorf

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