Spenden aus Gmünd helfen Armen

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Mit einem Abschiedsessen endete in Armeniens Hauptstadt Yerevan die 28. Saison der „Küche der Barmherzigkeit“. Hripsime Manukyan half bei der Essensausgabe. Im November startet die 29. Saison.
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Die 28. Saison der Suppenküche ist zu Ende. Zu den Bedürftigen gehören inzwischen nicht nur Menschen aus Yerevan, sondern auch Menschen aus Syrien und Bergkarabach.

Schwäbisch Gmünd /  Yerevan. Nubar Afikyan ist 1934 in der Türkei geboren. 1939 zogen seine Eltern mit der Familie nach Syrien. Sie fanden dort eine große armenische Gemeinde vor. Denn nach dem Völkermord der Jungtürken an den Armeniern von 1915 an nahm Syrien viele armenische Flüchtlinge auf. Jahrzehnte später lebt Nubur Afikyan in Armenien. Denn in Syrien ist Krieg.

Lena Sargsyan wurde in Talin westlich von Armeniens Hauptstadt Yerevan geboren. Mit 13 Jahren begann sie, in einer Fabrik zu arbeiten, später als Putzfrau in einer Kantine. Heute lebt Sargsyan mit ihrem Mann und ihrer Tochter in Yerevan. Sie sind arbeitslos.

Angela Abaghyan zog mit ihrer Familie im Spätherbst 2020 von Stepanakert in Bergkarabach nach Yerevan. Des Kriegs wegen. Ihr Mann kehrte zurück an die Front. Abaghyan hat vier Söhne und eine Tochter. Wie viele andere Menschen hat Abaghyan durch Krieg und Flucht alles verloren.

Drei Schicksale. Drei Menschen mit Angehörigen, die die „Küche der Barmherzigkeit“ auffängt. Ein Stück weit zumindest. Denn die drei Menschen und ihre Angehörigen gehörten zu denen, die in der vor wenigen Tagen zu Ende gegangenen 28. Saison der „Küche der Barmherzigkeit“ Essen bekamen. Entweder im „Haus der Hoffnung“. Oder in einer Ausgabestelle in der armenischen Hauptstadt. Oder in ihren Wohnungen. So unterschiedlich diese drei Menschen sind, spiegeln sie die Vielfalt der Menschen, die inzwischen von der „Küche der Barmherzigkeit“ bedacht werden. Dereinst, vor 26 oder 27 oder 28 Jahren, kümmerte sich die Suppenküche insbesondere um alte Menschen in Yerevan, die aufgrund ihrer kargen Rente in Not waren. Inzwischen sind Jahrzehnte vergangen. Zwei Kriege haben Auswirkungen auf das Leben in dem kleinen Land. Menschen mit armenischen Wurzeln sind aus Syrien nach Yerevan gekommen. Und immer mehr Menschen aus Bergkarabach, dem zwischen Armenien und Aserbaidschan umkämpften Landstrich, leben seit dem Krieg im Spätherbst 2020 ebenfalls in der armenischen Hauptstadt. Insgesamt hat die „Küche der Barmherzigkeit“ in dieser 28. Saison, die im November des vergangenen Jahres begonnen hat, 228 Menschen unterstützt. 123 haben täglich Essen bekommen. 51 von ihnen sind, auch in Corona-Zeiten unter Beachtung der Hygienevorschriften, in die Suppenküche gekommen. Um diese eine warme Mahlzeit am Tag zu erhalten - mit einem Brot und Obst für den Abend. Und 72 Menschen aus syrisch-armenischen Familien, die alle des Krieges wegen Syrien verlassen haben, und aus Bergkarabach konnten sich Tag für Tag Essen im „Haus der Hoffnung“ abholen. 36 weitere Personen erhielten im Stadtteil Erebuni Essen. Und 69 Personen gehören zu Familien aus Bergkarabach. Sie haben den Landstrich im Krieg im Spätherbst 2020 verlassen, leben in Unterkünften in Yerevan und sind dort von der „Küche der Barmherzigkeit“ versorgt worden.

Zu den insgesamt knapp 230 Menschen, die in und um Yerevan Essen erhalten, kommen etwa 365 Kinder und Jugendliche. Sie kommen aus schwierigen familiären Verhältnissen, die Eltern sind oft arbeitslos, viele Väter sind deshalb nach Russland gegangen, um Arbeit zu finden, Mütter und Großmütter ziehen die Kinder alleine groß. Aufgefangen werden sie von Projekten, deren Namen erzählen, worum es geht: „Geschätzte Kindheit an der Grenze“ in der an der Grenze zu Aserbaidschan gelegenen Siedlung Tschinari. Oder „Hoffnungsvolle und gesunde Kindheit“ für Kinder, die aus Bergkarabach oder aus Syrien kommen. Sie leben entweder in der Hauptstadt Yerevan oder in Talin, dieser Stadt westlich von Yerevan. Oder in Gymri, der zweitgrößten Stadt Armeniens im Norden des Landes, 1988 vom Erdbeben hart getroffen. Oder in einem der vielen Dörfer wie Voskevan, Berd oder Tavush im Norden nahe der Grenze zum verfeindeten Aserbaidschan.

Zurück zu Nubar Afikyan, Lena Sargsyan und Angela Abaghyan. Sie und ihre Angehörigen müssen nun, da die Suppenküche den Sommer über geschlossen bleibt, einige Monate ohne Hilfe klar kommen. Sie und die anderen Bedürftigen werden den Sommer über versuchen, mit Obst und Gemüse, einem der „Reichtümer“ des Landes, klar zu kommen. Auf den November wartend, wenn die Suppenküche wieder öffnen wird. Um all diesen kleinen Leuten ein wenig nur zu helfen, mit warmem Essen, Brot, Obst und ein paar freundlichen Worten. Diesen kleinen Leuten, die, ob aus Bergkarabach, Syrien oder Armenien selbst kommend, wie in der Ukraine, die eigentlich Leidtragenden von Kriegen und Korruption sind.

Dazu beitragen will der Lenkungskreis mit Landrat a.D. Klaus Pavel, Bürgermeister Christian Baron, den Dekanen Ursula Richter und Robert Kloker, dem früheren CDU-Landtagsabgeordneten Dr. Stefan Scheffold und GT-Lokalchef Michael Länge, die im Sommer 2021 von den Pfarrern Karl-Heinz Scheide und Alfons Wenger die Verantwortung für die „Küche der Barmherzigkeit“ übernommen haben.

Wie Sie die Armenienhilfe unterstützen können

Auf dem Spendenkonto des Deutschen Roten Kreuzes Baden-Württemberg für die Armenienhilfe sind im Jahr 2021 130 000 Euro eingegangen. Die Kosten für die zweite Hälfte der 27. Saison und die erste Hälfte der 28. Saison im Jahr 2021 beliefen sich auf 180 000 Euro. Deshalb bittet die Armenienhilfe „Küche der Barmherzigkeit“ um Spenden. Diese können auf dieses Konto der Kreissparkasse Ostalb eingezahlt werden:
BIC OASPDE6A
IBAN DE68614500500440752987

Movses Poghosyan findet immer wieder freundliche Worte.
Köchin Ruzanna Tsaturyan in der „Küche der Barmherzigkeit“.
Die „Küche der Barmherzigkeit“ funktioniert auch deshalb, weil es in Armenien viele junge Menschen gibt, die das Projekt ehrenamtlich unterstützen. Wie hier beim letzten Essen der 28. Saison.

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