101 Jahre lang ein glückliches Leben geführt

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Ingeborg Greil in ihrem farbenprächtigen Garten.
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Ingeborg Greil blickt an ihrem Geburtstag auf viele Erinnerungen zurück – und freut sich auf ihr nächstes Rockkonzert.

Schwäbisch Gmünd-Rehnenhof. Ingeborg Greil aus dem Rehnenhof blickt auf 101 Lebensjahre zurück und kann zufrieden behaupten, dass sie im Leben viel Glück erfahren hat. Von Andrea Rohrbach Schwäbisch Gmünd. Ihren großen Wunsch, nach ihrem 100. Geburtstag noch ein Konzert der Rockgruppe Frontm3n zu besuchen, hat sich Ingeborg Greil im Januar erfüllt. Auf die Einladung zum nächsten Konzert freut sich die charmante Dame jetzt schon.

Als ältester Fan der Altrocker wird sie als „Special-Guest“ von den Musikern behandelt , schmunzelt das Geburtstagskind. Dazu gehört ein Backstage-Besuch zu dem die Band sie einlädt. Dass beim Konzert im Januar speziell für Ingeborg Greil der Titel „Lucky Lipps“ von Frontm3n gespielt wurde, habe sie nicht richtig wahrgenommen, sie sei mir Tochter Arlette auf der Tanzfläche gewesen.

Auch sonst hat sich bei der immer freundlich lächelnde Dame im letzten Jahr wieder einiges getan. Als Siebenjährige befand sich Ingeborg Greil als Passagier auf der „Oesterreich“, dem ersten großen Motorschiff auf dem Bodensee das 1928 in Dienst gestellt wurde und mit Ingeborg an Bord auf Jungfernfahrt ging. 93 Jahre später betrat Inge das stolze Schiff erneut um das Geburtstagsgeschenk ihrer Familie, eine Bodenseefahrt auf der „Oestereich“einzulösen.

Dass sich mit 101 Jahren das eine oder andere Zipperlein einstellt, damit kommt Ingeborg Greil gut zurecht, täglich zwei Stunden Gartenarbeit verschaffen ihr die nötige Bewegung, wobei „hier viele Pausen dazugehören“ meint sie und lacht erneut. Wenn Ingeborg bei Nacht nicht einschlafen kann, rezitiert sich Gedichte aus der lang vergangenen Schulzeit, „das hält den Geist fit“, der Erlkönig oder Schillers Glocke verhelfen ihr dann oftmals den Schlaf zu finden.

Wenn Ingeborg über ihre 101 Lebensjahre nachdenkt, kann sie nur ein Fazit ziehen „ich habe im Leben viel Glück gehabt“. Am 10. Juni 1921 wurde sie in Bregenz geboren, und lernte hier auch ihren zukünftigen Ehemann Heinz kennen. Der junge Soldat besuchte seine Cousinen, mit denen Inge befreundet war.

Tanzen in Lindau

Obwohl sich Ingeborgs Vater nicht begeistert zeigte, traf sich das junge Paar zum Tanz in Lindau, nach wenigen gemeinsamen Tänzen kam der Heiratsantrag und bald darauf zog Ingeborg zu ihrem Heinz in dessen Heimatstadt Berlin. Bei der Silvesterfeier 1940/1941 lernte Inge ein weiteres Mal die Kriegsgräuel kennen, bei einem Luftangriff auf das Olympiastadion wurde sie von Heinz getrennt und verschüttet.

Mit bloßen Händen konnte Ingeborg von Heinz und einigen Soldaten gerettet werden. Am 9. April 1941 heirateten Ingeborg und Heinz, 50 Jahre führte das Paar eine glückliche Ehe, Ingeborg kann sich nicht daran erinnern, dass ihr Heinz nur einen einzigen Tag schlechte Laune gehabt habe.

„Mit seinen Schuhen legte er täglich auch Probleme und Ärger vor der Haustür ab“, erklärt sie dazu. Den Kinder Dieter, Wolfgang, Roland und Nesthäkchen Arlette war Heinz stets ein verständnisvoller und liebevoller Vater. 1943 fiel das Haus der Greils in Berlin einem Bombardement zum Opfer, wieder wurde Ingeborg verschüttet und wieder spricht sie von Glück, dass hilfreiche Menschen sie aus dieser Lage befreiten, sie sicher tödlich hätte enden können.

Ohne Dach über dem Kopf zog Ingeborg mit Sohn Dieter zurück an den Bodensee und musste dort beobachten, wie das gegenüberliegende Friedrichshafen in Schutt und Asche gebombt wurde. Berufliche Gründe führten Ingeborgs Schwiegervater nach Schwäbisch Gmünd, Ingeborg zog mit Sohn Dieter ebenfalls in die Oberbettringer Straße.

Dass sie heute in ihrer Wohnung im Rehnenhof wohnen kann, sieht Ingeborg Greil ebenfalls als großes Glück an, Sohn Roland wohnt in der Nähe und unterstützt seine Mutter auf alle mögliche Art. Dass ihr schöner Garten stets gepflegt aussieht freut Ingeborg sehr, auch hier habe sie „Glück gehabt“, ein freundlicher Nachbar kümmert sich gerne um anfallende Arbeiten, die Ingeborg nicht mehr verrichten kann. Als Dankeschön „belohnt“ Ingeborg die Nachbarsfamilie mit selbstgebackenen Kuchen und Torten – „Arbeit wird mit Arbeit verrechnet“.

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