200 Mal Geburtstag gefeiert

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Emma Rothaupt feiert ihren 100. Geburtstag.

Emma Rothaupt lebt seit 100 Jahren in der Rappenstraße in Schwäbisch Gmünd und ist somit die langjährigste Bewohnerin des Bauvereins.

Schwäbisch Gmünd

Wer rastet, der rostet", sagt Emma Rothaupt schmunzelnd – angesichts ihrer Wohnung im dritten Stock in der Rappenstraße. Einen Aufzug gibt es nicht. "Das tägliche Treppensteigen ist mein Sport und hält mich fit." Und fit ist Emma Rothaupt. Ihren Haushalt versorgt sie nahezu selbstständig und selbst Einkaufen ist für sie eine willkommenen Abwechslung.

Emma Rothaupts Geburtstag wurde vor 100 Jahren mit dem 30. Juli 1920 amtlich eingetragen. Das sei aber nicht korrekt, meint sie selbst und lächelt dabei. Sie habe einige Minuten nach Mitternacht das Licht der Welt erblickt, von daher sei der 31. Juli das korrekte Datum. "Meine Mutter musste das ja schließlich besser wissen – sie war ja bei meiner Geburt dabei." Die Lösung: Ihren Geburtstag feiert Emma Rothaupt seit 100 Jahren jährlich einfach zweimal.

Emma Rothaupt kam als drittes von fünf Kindern in Schwäbisch Gmünd, in der Rappenstraßen zur Welt. "Ich bin eine waschechte Gmünderin", meint die fidele Dame. Vater Hyazinth – "er hieß wirklich so und konnte sich zeitlebens nicht mit diesem Namen anfreunden" – wurde als Postchauffeur in unterschiedliche Städte versetzt, in Schwäbisch Gmünd wurde die Familie Rothaupt jedoch sesshaft.

Die junge Emma besuchte die Mädchen-Realschule St. Ludwig, dann kam der Krieg "und nahm mir meine schönsten Lebensjahre", erinnert sich Emma Rothaupt. Zeitgleich mit dem Ausbruch des Krieges beendete sie ihre Schneiderlehre, die sie bei Klosterschwestern im "Badzüberle" am Kalten Markt absolvierte – "alte Gmünder müssten den Begriff noch kennen", sagt die 100-Jährige.

Einige Jahre später stellten die Schwestern die Schneiderei ein und Emma Rothaupt übernahm die Schneiderwerkstatt mit einigen anderen Frauen. Es folgte ein Schritt in Richtung Unabhängigkeit. Emma Rothaupt wollte den Meisterbrief. "Dafür ging's mit einer Freundin mit dem Zügle nach Göppingen." Die Schneiderei sei mit viel Arbeit und wenig Verdienst verbunden gewesen, erinnert sie sich. Zum Glück erhielten die zwei Freundinnen daher für den achttägigen Meisterkurs bei Verwandschaft kostenlos Kost und Logis in Rechberghausen.

Die Seele mit Nadel und Faden

Ich bin eine waschechte Gmünderin.

Emma Rothaupt

Doch irgendwann neigte sich die Zeit im "Badzüberle" ihrem Ende entgegen. "Die Schneiderwerkstatt dort wurde unrentabel." Emma Rothaupt konnte ein Zimmer bei Bekannten in der Rappenstraße als Werkstatt anmieten. Doch "der Kundenverkehr wurde dem Ehepaar mit der Zeit zu viel", erinnert sich die Jubilarin. Nachdem die Geschwister "rausgeheiratet" hatten, war viel Platz in der elterlichen Wohnung – ab da arbeitete Emma Rothaupt von zuhause aus und kann heute von sich nach 100 Jahren in der Rappenstraße als langjährigste Mieterin des Bauvereins sprechen.

Voller Freude nahm Emma Rothaupt 1970 das Angebot der Stadt Schwäbisch Gmünd, Abendkurse fürs Nähen im Jugendhaus zu geben, an. Der "gescheite Stundenlohn" sei ihr sehr willkommen gewesen. Bis zu ihrem 70. Lebensjahr war Emma die Seele mit Nadel und Faden im Jugendhaus – "morgens meine Schneiderwerkstatt, abends die Kurse, davon konnte ich gut leben".

Die Näherei hat Emma seit einigen Jahren allerdings eingestellt. Die Augen machen nicht mehr mit. Ihren Haushalt und das Einkaufen lässt sie sich jedoch nicht nehmen: "Ich brauche etwas zu tun, das hält mich in Bewegung und geistig fit." Die mit den Jahren gekommenen Wehwehchen seien kein Grund zum Jammern, "auch wenn es manchmal zwickt". In ihrer Wohnung fühle sie sich wohl. Die Nachbarschaft sei nett und greife ihr auch gerne einmal unter die Armen. "Ich möchte niemals woanders wohnen als hier in meiner Wohnung."

Der Glauben gibt ihr Kraft

Ihrem christlichen Glauben verdanke sie ihr hohes Lebensalter, davon ist Emma Rothaupt überzeugt. In die Kirche geht sie derzeit aber nicht, der Corona-Krise wegen. Doch ihre regelmäßigen Gottesdienstbesuche fehlten ihr, gesteht Emma Rothaupt. "Aber es gibt ja sehr schöne Gottesdienste im Fernsehen."

Ihren 100. Geburtstag wird Emma Rothaupt mit einem Fest begehen. Auf den Besuch ihrer 16 Nichten und Neffen mitsamt deren Familien freue sie sich schon sehr.

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