50 Ehejahre in den Sand gemalt

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Einen ganz besonderen Gottesdienst feierte Dekan Robert Kloker am Sonntag in Schwäbisch Gmünd: Fünf Paare sind jeweils seit 50 Jahren verheiratet. Zur goldenen Hochzeit gab's viele gute Segenswünsche.
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In einem Spezialgottesdienst feiern fünf Ehepaare in Schwäbisch Gmünd gemeinsam das Fest der goldenen Hochzeit. Sie sind seit 50 Jahren verheiratet.

Schwäbisch Gmünd

Eine festlich geschmückte St.-Michaels-Kirche in Gmünds Weststadt erwartet die Besucher am Sonntag zu einem besonderen Gottesdienst. Rote Rosen zieren den Altar, ein großes Herz – geschmückt mit Rosen – hängt dahinter. Das Ehepaar Cordula und Hermann Reichert wollte seine Freude über die goldene Hochzeit mit anderen Jubelpaaren teilen, erklärt Dekan Robert Kloker zu Beginn der Feier. Unter den vier weiteren Paaren befinden sich die Ehepaare Renate und Dr. Rudolf Böhmler, Maria und Professor Dr. Ulrich Müller sowie Monika und Dr. Ulrich Schwalbach, die „das Geschenk der goldenen Hochzeit feiern dürfen“, wie es Kloker nennt.

Gemeinsam bringen die Paare 250 Ehejahre in das Gotteshaus, merkt der Geistliche an. Der Begriff goldene Hochzeit sei eine „treffende und schöne Bezeichnung“ für das Jubelfest, meint Dekan Kloker. Gold sei glänzend wie die Erinnerungen, wertvoll wie die mit den Jahren erreichte Reife und wertbeständig wie die Liebe und das Geschenk Gottes. Das einfühlsam interpretiere „The Rose“, gesungen von Ute und Stefan Schwenk, führt in den Gottesdienst ein, der unter dem Motto „Du, Ich, Wir – alles ist Gnade Gottes“ steht.

Cordula Reichert erinnert im Gebet an das gemeinsame Leben mit all seinen Freuden, Sorgen, Nöten und auch Verletzungen, für die sie im Namen aller Anwesenden um Vergebung bittet. Gleichzeitig dankt sie für die von Gott anvertraute Familie. Die Lesung verweist auf die gottgewollte lebenslange Treue – „nur der Tod wird dich von mir scheiden“. Im Evangelium versinnbildlicht der Dekan, „was Gott verbunden hat, darf der Mensch nicht trennen“. In den Fürbitten geht es um Gottes Gnade und den Segen für alle Paare, die schon lange zusammen sind. Paare sollten die Faszination füreinander wieder entdecken. Das gemeinsame Leben der Paare solle nicht an Problemen zerbrechen. Es geht um Vergebung für erfolgte Verletzungen und um einen glücklichen Neuanfang.

Der Gmünder Sandmalkünstler Chris Kaiser zeichnet zur Erzählung von Cordula Reichert das Leben eines Paares in 50 Ehejahren, unterteilt in die vier Jahreszeiten, in den Sand. Die glückliche und lebensfrohe Zeit des ersten Kennenlernens wird als frühlingshafte Schneeglöckchen in den Sand gemalt. Ein leichtfüßiges, junges Paar tanzt händchenhaltend dazu. Auf die Leichtigkeit des gemeinsamen Frühlings folgt der Sommer und die Gedanken der gemeinsamen Verbundenheit. Auf der großen Leinwand erscheint eine Bergkette, auf der die Seelen des Paares emporgehoben werden. Hand in Hand tanzt das Paar der Sonne entgegen – „wo du hingehst, da will auch ich hingehen“, sagt Cordula Reichert. Der Herbst kommt mit dem Alltag und allen den damit verbundenen Verpflichtungen und Sorgen und einer möglichen Entfremdung von Paaren. Ein blattloser Baum, mächtig, aber allein auf weitem Feld stehend, symbolisiert das Gefühl des Alleinseins. Durch Gottes Gnade erscheint schemenhaft im Nebel ein sich wieder annäherndes Paar. Der Winter des Ehelebens bahnt sich an. „Winterzauber“: wertvoll wie Gold soll das Leben weitergehen. Reichert: „Die Wertigkeiten verschieben sich.“ Schneeflocken bedecken langsam das Bildnis des Baumes und der weit entfernt liegenden Besiedlung. „Einer trage des anderen Last“, erzählt Reichert. Der Schnee verdeckt am Ende die gesamte Szenerie und deckt „wie Gottes Liebe“ alle Sorgen und Nöte zu. Hand in Hand entfernt sich das Paar durch den dichten Schnee, „Du, Ich, Wir – alles ist Gnade Gottes“.

Der Begriff goldene Hochzeit ist eine treffende und schöne Bezeichnung für das Jubelfest.“

Robert Kloker, Dekan

So heißen die Hochzeitstage

5 Jahre verheiratet: hölzerne Hochzeit

10 Jahre verheiratet: Rosen-Hochzeit

25 Jahre verheiratet: Silber-Hochzeit

50 Jahre verheiratet: goldene Hochzeit

60 Jahre verheiratet: diamantene Hochzeit

65 Jahre verheiratet: eiserne Hochzeit

70 Jahre verheiratet: Gnaden-Hochzeit

75 Jahre verheiratet: Kronjuwelen-Hochzeit

Zwischendrin gibt's allerhand weitere Jubiläen, beispielsweise nach einem Jahr die Papierhochzeit, weil die Ehe nach einem Jahr noch einem unbeschriebenen weißen Blatt Papier ähnle.

Nach drei Jahren feiern Eheleute die Lederhochzeit. Ganz so wie Leder als reißfestes Material gilt, besagt der Name des dritten Hochzeitstages, dass die Beziehung an Festigkeit gewonnen hat.

Nach neun Jahren Ehe wird laut Hochzeitskalender die Keramikhochzeit gefeiert. Die Beziehung ist so widerstandsfähig wie Keramik, bekommt aber leicht einen Sprung.

Oder nach 12,5 Jahren die Petersilien-Hochzeit. Sie soll laut Hochzeitsexperten das Paar daran erinnern, dass ein bisschen Würze die Ehe gesund halte und langlebig werden lasse. An diesem Tag, auf halbem Weg zur Silberhochzeit darf groß gefeiert werden.

Nach 30 Jahren Ehe feiern die Paare die so genannte Perlenhochzeit. Die namensgebenden Perlen stehen für die Höhen und Tiefen, die das Paar seit der Heirat vermutlich erlebt hat. Das Entscheidende: Sie haben all die Jahre zusammengehalten und können nun ihren 30. Hochzeitstag feiern.

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