75 Jahre nach der Vertreibung aus Ungarn: Der Versöhnungsgedanke steht im Vordergrund

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75-Jahre-Vertreibung aus dem Ödenburgerland

Gmünder reisen nach Ungarn, um der Vertreibung von Deutschen vor 75 Jahren zu gedenken.

Schwäbisch Gmünd. Für die Nachwelt bestehe die Pflicht, sich zu erinnern. Solche Appelle formulierten gleich mehrere Redner im Rahmen der Gedenkfeiern. Gesprochen wurden diese Worte im beinahe 700 Kilometer entfernten Ödenburg, dem heutigen Sopron in Ungarn. Dort und vor allem in den beiden Teilorten Wandorf und Agendorf waren Menschen zusammengekommen, die der Vertreibung von Deutschen vor 75 Jahren gedachten. Über 3000 Deutsche aus Wandorf und Agendorf mussten damals alles zurücklassen und eine Reise in eine unbekannte Zukunft antreten. Für rund 1000 von ihnen war Schwäbisch Gmünd das Ziel. Aus der Stauferstadt nahmen nun einige Nachkommen dieser Vertriebenen an den Feierlichkeiten im fernen Ödenburgerland teil.

Den Auftakt machte ein Gedenkgottesdienst im Wandorfer Karmeliterkloster. Einen weiteren Gottesdienst gab es in der evangelischen Kirche in Agendorf. Die zweisprachig durchgeführten Gottesdienste wurden unter anderem durch eine Predigt des Bischofs Dr. Tamás Fabiny mitgestaltet. Bei den Gottesdiensten trug Wolfgang Holzmann, Nachkomme eines vertriebenen Wandorfers und Chef der Gmünder Kapelle „Die Gschlampadn“, gemeinsam mit Marion Bohnert zur musikalischen Gestaltung bei.

Unter den Teilnehmern waren auch Renate Holzmann und Roland Paar aus Schwäbisch Gmünd sowie Claudia Söder aus Freiberg am Neckar. Gemeinsam mit ihrem aus Wandorf vertriebenen Vater Ludwig Müllner hat sie das Internetportal „oedenburgerland.de“ mit detailreichen Informationen zur Vertreibung aufgebaut. Auf dieser Internetseite finden sich etliche Spuren der von Wandorf und Agendorf nach Schwäbisch Gmünd vertriebenen Menschen.

Bei den Gedenkfeiern konnte Alfred Schwenk diesmal nicht teilnehmen. Der gebürtige Wandorfer und wohnhafte Rehnenhöfler hatte bei den Feierlichkeiten vor fünf Jahren noch eine besondere Rolle gespielt. Als einer der letzten Zeitzeugen hatte er anlässlich des 70. Gedenktags der Vertreibung eine Rede gehalten. In Vorgesprächen zu den diesjährigen Feierlichkeiten hatte er allerdings in Gesprächen mit Gmünder Teilnehmern immer wieder den Versöhnungsgedanken hervorgehoben und davon gesprochen, welchen Wert eine zweite Heimat habe.

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