Ab sofort gibt's Selbsttests für Kinder

  • Weitere
    schließen
+
Abstand halten ist im Kindergarten unmöglich. Doch die Stadt will den steigenden Coronazahlen an Kitas mit Tests begegnen.
  • schließen

Warum der Landrat "eine maßgebliche Rolle der Kitas" bei der Ausbreitung des Coronavirus sieht. Und wie die Stadt Schwäbisch Gmünd dagegen vorgehen will.

Schwäbisch Gmünd

Die Stadt Schwäbisch Gmünd fährt ab sofort eine neue Teststrategie an Kindertagesstätten und Schulen: Am Montag sind 10 000 Schnelltests bei der Stadt angekommen, die Vertreter von Schulen und Kitas ab diesem Dienstag abholen können, sagt Klaus Arnholdt, Leiter des Schul- und Sportamts. Die Schüler, die derzeit im Präsenzunterricht sind, sollen die Selbsttests unter Anleitung der Lehrer im Klassenzimmer anwenden. Eltern von Kindergartenkindern können die Tests in den Kitas machen. Der Abstrich werde dabei vorne in der Nase genommen. Das Lösungsmittel sei in einer Flasche für 25 Tests abgefüllt, erklärt Klaus Arnholdt, weshalb die Kinder die Tests nicht mit heim nehmen können. Das gelte zumindest für die aktuell gelieferten Schnelltests, es könne jedoch sein, dass kommende Woche "Spucktests" geliefert werden.

"Wir müssen uns da jetzt erst mal herantasten", sagt er. Ziel sei, dass die Tests Routine werden. Vorgesehen ist, dass die Kinder sich zweimal die Woche testen können. Klaus Arnholdt geht davon aus, dass ausreichend Tests dafür geliefert werden. Die jetzigen stammen aus Tübingen. Das Land werde der Stadt die Kosten dafür erstatten.

"Die Tests sind natürlich freiwillig", erklärt der Schulamtsleiter, der allerdings hofft, dass viele das Angebot annehmen. Oberbürgermeister Richard Arnold will in einem Brief an die Eltern dafür werben – und die Dringlichkeit der Tests hervorheben. "Wir haben gemerkt, dass die Kinder das Virus in die Familien tragen, selbst wenn sie selbst gar nicht krank werden", sagt er. Kindergartenkinder seien oft zusammen mit Schulkindern und steckten diese an. "Wir müssen dringend diese Ketten durchbrechen", betont Richard Arnold. Der Weg dorthin sei, nicht nur das Personal an Schulen und Kitas zu testen, sondern auch die Kinder.

An den Grundschulen sei die Maskenpflicht eingeführt worden, damit bei einem Coronafall nicht die ganze Klasse in Quarantäne muss. "Den Preis halte ich für hoch für die Kinder", sagt der OB. Besser sei es, die Kinder regelmäßig zu testen, damit dann auch die Maskenpflicht an Grundschulen aufgehoben werden könne. Diese sei "eine große Herausforderung", weiß auch Klaus Arnholdt, der entsprechende Rückmeldungen von einigen Eltern bekommen hat.

Über die Strategie, die Tests bei Schülern und Kindergartenkindern auszuweiten, hat Richard Arnold am Wochenende mit Boris Palmer, Oberbürgermeister von Tübingen, gesprochen. Dort läuft ein vom Land genehmigtes Modellprojekt, das zeigen soll, dass mit Tests Öffnungen von Gastronomie und Geschäften möglich sind. Boris Palmer, der Schorndorfer Oberbürgermeister Matthias Klopfer und er selbst haben diesen Weg für alle drei Städte beschreiten wollen, erzählt Richard Arnold. Doch das Staatsministerium habe das Pilotprojekt nur für Tübingen genehmigt. "Wir gehen jetzt unseren eigenen Weg", sagt der Gmünder OB. Mit Tests in den Kitas, den Schulen, den Betrieben – letztlich auch mit dem Ziel, dass die Geschäfte und die Gastronomie offen sein dürfen.

Die Inzidenz als Entscheidungsgrundlage für Öffnungen kritisiert Richard Arnold: "Die Zweifel an der Aussagekraft der Inzidenzwerte sind mehr als angebracht." Es gelte, andere Faktoren zurate zu ziehen, statt die Inzidenz "hochzuhalten wie eine Monstranz". "Wir testen in Gmünd sehr umfassend", das müsse berücksichtig werden. Zudem die sinkende Gefahr für die Hochbetagten als Risikogruppe, die mehr und mehr geimpft seien, sowie die Situation in den Kliniken. Vom Stauferklinikum bekomme er die Rückmeldung, dass "alles unter Kontrolle" sei.

Die Zweifel an der Aussagekraft der Inzidenzwerte sind mehr als angebracht.

Richard Arnold, Oberbürgermeister

Die Coronafälle an den Kitas

Auf diesen Fallzahlen ist die Aussage von Landrat Dr. Joachim Bläse begründet, dass sich "eine maßgebliche Rolle der Kitas" bei der Ausbreitung des Coronavirus herauskristallisiere:

  • 75 Kinder und 114 Erzieherinnen sind im Ostalbkreis von September 2020 bis heute positiv auf Corona getestet worden, erklärt Landratsamtssprecherin Susanne Dietterle.
  • 31 Kinder und 24 Erzieherinnen seien es allein in den vergangenen drei Wochen gewesen. Das bedeutet: "Wir stellen eine gewisse Beschleunigung fest", berichtet sie.
  • 26 Kitas seien im Kreis betroffen.
  • 269 Kitas mit gut 11 000 Kindern gebe es insgesamt im Ostalbkreis. Angesichts dieser Zahl "wären generelle Schließungen nicht verhältnismäßig", erklärt der Landrat: "Dennoch müssen wir die Kitas beobachten und gemeinsam mit den Trägern nachjustieren."

Maßnahmen der Corona-Verordnung ab Donnerstag

Der Führungsstab Corona im Landratsamt hat am Montag das Infektionsgeschehen im Ostalbkreis analysiert. Anlass war die an drei aufeinanderfolgenden Tagen überschrittene Sieben-Tage-Inzidenz von 100. Damit die Ergebnisse der Bund-Länder-Schalte vom Montag berücksichtigt werden können, wird die Landkreisverwaltung die Überschreitung der 100er-Marke amtlich erst an diesem Dienstag bestätigen. Somit treten die Maßnahmen der Corona-Verordnung des Landes dann am Donnerstag, 25. März, in Kraft, teilt das Landratsamt mit. Weil aber in der Bund-Länder-Schalte inzidenzabhängige Ausgangssperren sowie Regelungen für den Einzelhandel und die Gastronomie in der Diskussion sind, hofft Landrat Dr. Joachim Bläse auf positive Regelungen für letztere, die der Landkreis womöglich im Vorgriff auf eine Landesregelung per Anordnung festlegen könnte.

Bei einigen Händlern sei die Unsicherheit groß, seitdem die Sieben-Tage-Inzidenz am Freitag auf über 100 gestiegen ist, weiß Simone Klaus, Geschäftsführerin des Gmünder Handels- und Gewerbevereins. Bei ihr kamen am Wochenende um die 15 Nachfragen von Händlern an, wie sie diese Woche verkaufen dürfen: nach Terminvereinbarung oder nur per Bestellung und Abholung? Sie konnte dabei nur auf die Entscheidung des Landrats und der Ministerpräsidentenkonferenz verweisen. Simone Klaus wirbt für "Click & meet": Die Händler können garantieren, dass die Kontaktdaten der Kunden aufgenommen werden und nur ein Kunde auf 40 Quadratmeter Verkaufsfläche in den Laden darf. jul

-

Zurück zur Übersicht: Stadt Schwäbisch Gmünd

WEITERE ARTIKEL