Absagen und traurige Kinder

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Keine Kinder, keine Stadtranderholung: Der Ziegerhof bei Reitprechts wird dieses Jahr wegen der Corona-Pandemie nicht mehr vermietet. Alle drei Ferienfreizeiten entfallen. Dafür werden die Außenanlagen gerichtet, und alles wird gründlich geputzt.
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Viele Zeltlager und Ferienfreizeiten fallen dieses Jahr wegen der Corona-Pandemie aus. Von Ersatzprogrammen und Betreuungslücken.

Schwäbisch Gmünd

Tom Brenner aus Schwäbisch Gmünd hat sich sehr auf die Ziegerhof-Freizeit bei Reitprechts gefreut. Zwei Wochen lang wollte er dort mit seinen Freunden spielen und Spaß haben. Doch die drei Freizeiten, welche die katholischen Kirchengemeinden Heilig Kreuz, St. Franziskus und St. Maria dort jedes Jahr organisieren, sind wegen der Corona-Pandemie abgesagt. Knapp 400 Kinder, deren Betreuer und Eltern haben fest mit der Freizeit gerechnet. "Bei uns wird es wohl eine Mischung aus Omas, Homeoffice und Freunden werden", sagt Toms Mutter, Sabine Brenner, zur Betreuungsfrage in den Sommerferien. Denn viele berufstätige Eltern haben ein Problem. Eltern hätten berichtet, dass sie selbst das "Ferienprogramm" veranstalten müssen, berichtet Klaus Knödler, Leiter des katholischen Verwaltungszentrums in Gmünd. Mit Hilfe von Großeltern, Verwandten und befreundeten Familien versuchten Eltern, die Sommerferien gut zu überbrücken. "Für andere Eltern ist das eine riesige Herausforderung – vor allem bei Familien mit alleinerziehenden Elternteilen, ist der Wegfall eines solchen Betreuungsangebots eine kleine Katastrophe."

Dies bestätigt die alleinerziehende und berufstätige Coco Fleischer aus Heubach. Deren neunjährige Tochter Louisa hätte bei der Kinderfreizeit Kidstown in Heubach mitgemacht. Fehlanzeige.

Viele Ersatzprogramme

Der Heubacher Stadtjugendring bietet stattdessen den so genannten Plan C an – ein Ersatzprogramm für 70 Kinder, das eine Woche lang an der Heubacher Schillerschule geboten wird. 40 Kinder haben sich angemeldet, sagt Manuel Huber, Geschäftsführer des Stadtjugendrings. Mit dabei ist auch Louisa Fleischer. Die restlichen Ferienwochen übernehmen die Betreuung Mutter, Vater und Großeltern im Wechsel.

Die Eltern, die ihre Kinder für Kidstown angemeldet hatten, zeigten sich alle verständnisvoll. Traurig seien vor allem die Kinder, die sich riesig auf die Kinderstadt gefreut hatten, berichtet Manuel Huber. Dies bestätigt Jonas Guth, der das Schwarzhorn-Zeltlager mitorganisiert, das dieses Jahr ebenfalls ausfällt. "Alle finden es schade, haben aber großes Verständnis", berichtet er. Rund 180 Teilnehmer wären mit zum Zeltlager gegangen. Über viele Wochen hinweg haben die Organisatoren gewartet, Gespräche mit den Verantwortlichen beim Landratsamt und beim Sozialministerium geführt. Und letzten Endes doch alles absagen müssen. "Wir haben leider keine rechtlich machbare Lösung gefunden", bilanziert Guth. Für die Kinder, die sich zum Zeltlager angemeldet hatten, überlegen sich die Organisatoren derzeit eine kleine Aufmerksamkeit.

Auch die Kolpingjugend Waldstetten musste ihre Freizeit für rund 60 Kinder absagen. Als Alternative haben sich die Betreuer ein buntes Programm in Kleingruppen mit Basteln, Bachwandern und Fußballturnier ausgedacht. Interessierte können sich noch bis zum 1. August über die Homepage der Kolpingjugend anmelden. Die Eltern hätten durchweg verständnisvoll reagiert, erzählt Betreuerin und Jugendleiterin Sarah Schembera. Viele freuten sich, dass es ein Ersatzangebot gibt.

Die Lauterner Jugendinitiative (JiL) unternimmt zwei Freizeiten mit geringerer Teilnehmerzahl als sonst. Mit 32 Jugendlichen und fünf Betreuern geht es für eine Woche nach Ravenna, mit 21 Kindern und vier Betreuern ins Allgäu. Für beide Freizeiten gibt's Hygienekonzepte, mehr Fahrzeuge und somit mehr Platz, berichtet Vorsitzende Anna-Lena Deininger. Der Aufwand sei enorm groß, viele Telefonate mussten bereits geführt werden. "Trotzdem haben wir uns für die Freizeiten entschieden, weil wir den Kindern und Jugendlichen gerade jetzt etwas bieten wollen." Auch die Freizeiten in Leinroden und an der Zimmerbergmühle werden stattfinden – mit Hygienekonzepten und in kleineren Gruppen.

Keine großen finanziellen Einbußen für die Macher

Die Betreuer: Enttäuscht sind nicht nur die Kinder. Für viele Betreuer gehörten "ihre" Freizeiten fest zu den Ferien dazu. Einigen Studenten bringe die Absage jedoch eine Entlastung. Wegen Corona seien viele Prüfungen in die Ferien verlegt worden, berichtet Jonas Guth. Das wäre zeitlich problematisch geworden. Andere Betreuer wiederum suchten sich nun Ferienjobs, sagt Klaus Knödler.

Die Finanzen: "Wir versuchen immer, die Freizeiten kostendeckend durchzuführen", weiß Klaus Knödler. Ein Gewinn werde nie erzielt. In manchen Jahren aber – je nach Freizeit – ein kleiner oder größerer Abmangel. "Dadurch, dass uns der Ziegerhof gehört, mussten wir 2020 keine Stornogebühren zahlen." Die Macher des Schwarzhornzeltlagers hatten schon einige Planungsausgaben, dafür aber keine Stornierungsgebühren. me

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