Alarmstufe Rot in der Veranstaltungsbranche

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Das Forum Gold und Silber und weitere Gebäude werden rot leuchten.
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Diese Aktionen starten Veranstaltungstechniker am Montagabend, 22. Juni, im Gmünder Raum.

Schwäbisch Gmünd. Alarmstufe Rot für Veranstaltungstechniker: Die Corona-Bestimmungen kommen einem Berufsverbot gleich, sagt Rolf Hirschauer von RH-Audio Veranstaltungstechnik in Iggingen. Während es für die Fixkosten der Unternehmen Soforthilfen gibt, fehlen Selbstständigen wie ihm das Geld für den Lebensunterhalt. Um auf diese Situation aufmerksam zu machen, hat Tom Koperek, Vorstand der Veranstaltungstechnik-Dienstleistung in Essen, für diesen Montag, 22. Juni, die bundesweite "Night of Light" initiiert. Im Gmünder Raum machen einige Firmen mit und strahlen Bauwerke rot an – als leuchtende Mahnmale sozusagen.

Schwäbisch Gmünd:

Mixtown Veranstaltungstechnik beleuchtet ab 22 und bis 1 Uhr das Forum Gold und Silber. Und als "lokales Highlight für diese Aktion werden wir Musikkompositionen von Mick Baumeister abspielen", kündigt Chris Kittel von Mixtown an. Der Gmünder Komponist sitzt wegen Corona auf Bali fest, hat aber Kontakt mit seinen Kollegen aus der Branche und beteiligt sich als betroffener Künstler an der Aktion. Da die Veranstaltung keinen Konzertcharakter bekommen soll, werde die Klaviermusik nur sehr leise zu hören sein. "Ein leiser, dennoch hörbarer Hinweis auf unsere Situation" – und ein augenfälliger. Mit LED färben die Lichttechniker das Forum Gold und Silber komplett in Rot ein. Via Videobeamer wird das Logo der Aktion "Night of Light" zu sehen sein, kündigt Dominik Arnold von Mixtwon an. Er und seine Kollegen wollen mit der Aktion darauf hinweisen, "dass wir nicht nur die Spaßmacher am Wochenende sind". Die Branche sei ein ernst zu nehmender Industriezweig, in dem viele Menschen beschäftigt sind und der viele Familien ernährt. Diese große Branche sei von Hundert auf Null ausgeschaltet worden. Das sieht auch Felix Weng so, Tontechniker und Projektleiter von Soundworld-Pro aus Bettringen. Er wird seine Kollegen von Mixtown daher bei der "Night of Light" unterstützen.

Iggingen:

Damit die Aktion auch wirklich augenfällig ist, hat sich Veranstaltungstechniker Rolf Hirschauer von RH-Audio den Wasserturm bei Iggingen als Mahnmal ausgesucht. Ab 22 Uhr und bis mindestens Mitternacht wird er den Turm mit zwölf sogenannten Moving Heads beleuchten. Der Strahl dieser kopfbewegten Scheinwerfer, die auf Sockeln stehen, sei kilometerweit zu sehen, kündigt er an. Allerdings könne er sie nur einsetzen, wenn es nicht regnet. Ansonsten werde er den Wasserturm mit festen Lampen anstrahlen. Doch der Wetterbericht lasse Hoffnung zu. Anders als die aktuelle Lage für Veranstaltungstechniker, meint er. Dennoch war für ihn gleich klar, dass er mitmachen will, als er von der Initiative gehört hat. Bürgermeister Klemens Stöckle habe ihm auch sofort Unterstützung zugesagt, etwa bei der Stromversorgung.

Waldstetten:

In Waldstetten werden zwei Gebäude rot leuchten. Dominik Hegele von D-Veranstaltungsservice aus Waldstetten und Manuel Grüninger von Equinox Pyrotechnik aus Lorch wollen das Rathaus sowie das Leicht-Ausstellungsgebäude anstrahlen. An der Fassade soll die Schrift stehen "Night of Light 2020". Dann kann sich jeder im Nachhinein über die Aktion informieren, sagt Dominik Hegele. Er verspricht sich davon, dass seine Branche mehr Gehör bei den verantwortlichen Politikern findet. Denn "die Veranstaltungs- und Kulturbranche hat keine Lobby".

Abtsgmünd:

Auch Christian Mathéus von der ProChecked GmbH in Abtsgmünd hofft, "dass wir mehr wahrgenommen werden". "Wir werden gemeinsam mit unserem Partner Silverdust GmbH, dem Veranstalter des Summer Breeze Festivals, deren Firmengebäude im Summer-Breeze-Weg 1 in Abtsgmünd beleuchten" – ab 22 Uhr die ganze Nacht, kündigt er an. Er wünscht sich mehr Unterstützung von der Politik, und zwar als Soforthilfen, nicht in Form von Krediten. Denn die Veranstaltungsbranche sei nicht nur die erste, die von den Corona-Bestimmungen betroffen war, sie werde noch sehr lange damit zu kämpfen haben, ist Christian Mathéus überzeugt.

Hohenstadt:

Auch Christoph Maier von Maier Audio in Schechingen geht davon aus, dass das Jahr für die Veranstaltungsbranche "komplett gelaufen" ist. Er sei 2020 für viele Aufträge gebucht gewesen, doch die Veranstaltungen seien alle abgesagt. Zum Glück sei er nur nebenberuflich als Audio-, Licht- und Medientechniker tätig. Doch aus Solidarität mit anderen Veranstaltungstechnikern und Künstlern beteilige er sich gerne an der "Night of Light". Gemeinsam mit Kollegen werde er den Wasserturm in Hohenstadt anstrahlen.

Heubach:

Andy Herdin von der Veranstaltungstechnik Century PA aus Böbingen wäre gerade auf Tournee, wenn es die Corona-Bestimmungen nicht gäbe. So wird er gemeinsam mit Kollegen an diesem Montag ab 22 Uhr drei Gebäude in Heubach rot anstrahlen: das Rathaus, den Blockturm auf dem Marktplatz und die alte Weberei neben dem Freibad. Aus der Idee, den Rosenstein rot anzuleuchten, sei aus Naturschutzgründen nichts geworden. An den drei Objekten in der Stadt werden er und seine Mitstreiter präsent sein, falls jemand Fragen zu der Aktion hat. Er gehe zwar nicht davon aus, dass montagnachts viele unterwegs seien. Doch er hoffe, dass die Branche durch die bundesweite Aktion Gehör in Berlin findet. Immerhin sind laut Veranstalter mittlerweile über 6000 Firmen dabei.

Mehr Infos zu der Aktion gibt es auf www.night-of-light.de.

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