Als das Schwätzbänkle noch vor der Haustüre stand

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Wenn das Schild „Schätzbänkle“ aufgestellt ist, darf sich Jede und Jeder niederlassen und reden. Am Sonntag machten Irene Duijm (links) und Hertha Haas den Anfang.
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Der Stadtseniorenrat lädt Menschen aufs Schwätzbänkle ein. Das ist kein einmaliges Ereignis, sondern soll selbstverständlich werden.

Schwäbisch Gmünd

Ein Schwätzbänkle braucht Irene Duijm, Vorsitzende des Stadtseniorenrats, zuhause nicht. Dort kann sie mit ihrem Mann Alfred Duijm zu jeder Zeit plaudern. Das können nicht alle Leute, vor allem ältere Menschen sind häufig allein und würden gerne reden. Dafür gibt es jetzt die Initiative Schwätzbänkle. Am Sonntag startete das Experiment mit Irene Duijm im Spitalhof und Alfred Duijm am Bockstorplatz als erste Ansprechpartner. Das Plaudern ließ nicht lange auf sich warten.

Hertha Haas ist Schulfreundin von Irene Duijm und lässt sich gerne nieder. „Wir haben ja so manches versäumt“, sagt sie, deren Mann gerade in Kur weilt. Während Corona hätten nicht nur die Kinder und die Jugend auf Vieles verzichten müssen. Turnen, Tanzen, Sportstudio oder Frauenkreis hätten ihr schon gefehlt. Auch ein Schwätzle in der Stadt gab es lange Zeit nicht.

Eine Gmünderin, die seit 40 Jahren in der Stadt wohnt, erzählt aus ihrem Alltag, erinnert sich gerne an die Landesgartenschau und die Remstal-Gartenschau. „2019 war ich schon in Pension, da war ich viel im Gartenschaugelände unterwegs“, sagt sie, die auf dem Bänkle auch gerne über Kultur reden würde. „Über das, was in Gmünd so läuft.“ Auf dem Weg zu einer Museumsführung im Prediger hat sie den Halt im Spitalhof eingelegt und schätzt das Gespräch, in dem ihr Irene Duijm und Hertha Haas auch die Spital-Gebäude erklären, vor allem deren ehemalige Nutzung als Städtisches Krankenhaus. Es geht auch ums Einkaufen in Gmünd, das „manchmal nicht einfach ist, weil Geschäfte so unterschiedlich geöffnet haben“, wie die Besucherin meint. Manche hätten einen Wochentag zu, andere am Mittwochnachmittag, manche seien über Mittag geschlossen oder öffneten nur wenige Stunden.

Immer wieder Geschichten von damals, Erinnerungen an den Hutkauf für Mutter und Tanten, damit sie alle bei Fronleichnam ordentlich auftreten konnten. Eine Zeit auch, in der man kein Schwätzbänkle aufstellen musste: „Ich bin in der Rappenstraße aufgewachsen“, so Irene Duijm. Da gab‘s noch die Holzbänkle vor der Haustüre. „Und es war selbstverständlich, dass sich dort Nachbarn kurz zum Plaudern hinsetzten.“

Miteinander in Kontakt kommen, das macht der Stadtseniorenrat durch weitere Initiativen möglich. „Unser Baustein Laufpate ist da wichtig“, so Duijm. Sie selbst geht zweimal in der Woche mit einer Frau spazieren, die wegen Problemen mit Hüfte und Knie auf den Rollator angewiesen ist. „Wir sind dann eine Stunde unterwegs und die Bewegung ist dabei nicht das einzige Bedürfnis.“ Natürlich gehe es dort ums Reden. Vor allem ums entspannte Schwätzen auch über die schönen Dinge des Alltags. „Es geht beim Schwätzbänkle nicht um Krisengespräche“, sagt sie.

Die Erfahrungen am Sonntag, bei denen Menschen ins Gespräch kamen, die sich zuvor nicht kannten, sind für den Stadtseniorenrat positiv. „Wir werden das nun wiederholen.“ Schon am Donnerstag, 16. September, soll das Schild „Schwätzbänkle“ wieder im Spitalhof und am Bockstorplatz sichtbar werden. Irene Duijm hofft, dass dieses Schwätzbänkle dann irgendwann zum Selbstläufer wird.

Wir werden das nun wiederholen.“

Irene Duijm,, Vorsitzende Stadtseniorenrat
  • Im Alter sind die Menschen einsamer
  • Die Initiative „Schwätzbänkle“ gegen die Einsamkeit kommt aus dem Landesseniorenrat. Eine Untersuchung hat ergeben, dass in der Pandemie die Einsamkeit in den mittleren und höheren Altersgruppen stark zugelegt hat. Über 80-Jährige sind demnach besonders von Einsamkeit bedroht. Sie war 2020 um 1,5 mal höher als in den Jahren 2014 bis 2017. Quer durch alle Altersgruppen fühlen sich zehn Prozent der Menschen einsam, heißt es in einem Beitrag von Professor Dr. Eckhart Hammer, dem Vorsitzenden des Landesseniorenrats.
    Der Stadtseniorenrat will am Ball bleiben: Das nächste Schwätzbänkle ist am Donnerstag, 16. September. kust

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