Als das Tablet noch eine Kreidetafel war

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Alte Schulranzen, Schultüten aus alten Tagen und vieles mehr: Gerda Fetzer (l.) und Walburga Weinmann können den Besuchern im Gmünder Schulmuseum im Klösterle einiges aus dem Schulalltag von einst zeigen.

Wie war der Schulalltag Anfang des 20. Jahrhunderts? Welche Veränderungen gibt es zur Gegenwart. Antworten auf diese und weitere Fragen gibt's im Gmünder Schulmuseum.

Schwäbisch Gmünd

Ende der Ferienzeit heißt auch heute: Schulsachen einkaufen nach Liste und Schultasche packen. Ein Ritual, das schon seit 100 Jahren gilt. Nur das, was in den Ranzen hinein kommt, hat sich geändert. Heute füllen in den ersten Klassen dicke Malstifte, Füller, Buntstifte und Radiergummis, von Gummibändern gehalten, das farbenfrohe Mäppchen. Hefte für die einzelnen Fächer, liniert, kariert oder blanko, Schnellhefter und Plastikhüllen für Aufgabenblätter und Kopiervorlagen.

Ach ja, der Schulranzen, der sieht natürlich heute auch ganz anders aus. Von den jüngeren Schülerinnen und Schülern werden "rückengerechte", wasserdichte, mit modischen Motiven geschmückte aus Kunststoff bevorzugt. Dann folgen die lässigen Rucksäcke, die auch Tablet oder Laptop beherbergen. Das Mäpple mit den festgezurrten Utensilien wird durchs Schlampermäpple ersetzt, ein Etui mit Reißverschluss, in dem sich das "Werkzeug" völlig frei bewegen kann.

Das gab es lange Jahre nicht. Der Stolz der Schülerinnen und Schüler zu Beginn des 20. Jahrhunderts bis in die 1950er-Jahre war in den ersten Klassen der Griffelkasten. Zunächst ein schlichter rechteckiger Holzbehälter, durch den verschiebbaren Deckel zu öffnen. Das Luxusmodell, der Doppeldecker, verfügte über ein zweites "Stockwerk". Der Deckel war schlicht oder mit Bildern und Einbrennarbeiten geschmückt. Raffinierte Zugabe war die Lineal-Einteilung. "Dieser Deckel eignete sich gut für Spickzettel!", erinnert sich Gerda Fetzer an ihre eigene Schulzeit.

Etwas Besonderes ist der wohldurchdachte, selbst gemachte Griffelkasten aus den 1930er-Jahren, von Schulrat Gunzenhauser hergestellt: extra breit, mit zwei Griffmulden zum Deckelöffnen. Auch ein Vorläufer des Taschenrechners ist in einem Griffelkasten enthalten. Ein kleiner Abakus für alle vier Grundrechenarten, der große stand lange Zeit in vielen Klassenzimmern.

Tafeln statt Schulhefte

Schulhefte suchte man damals eher vergebens in den ersten Klassen. Man schrieb auf Tafeln. Im Schulmuseum sind von der kleinen Hausaufgaben-Tafel aus Schiefer bis zur flachen weißen Kunststoff-Tafel, die mit Scheuersand gereinigt wurde, viele unterschiedliche Modelle zu finden. Auch eine spezielle, fürs flüssige Schreiben mit einem weichen Bleistift in Lateinschrift bestens geeignet. Laut Gerda Fetzer mit dem großen Vorteil, man konnte "Fehler einfach mit dem Spuckefinger korrigieren". Es gab einfache Tafeln mit Vorder- und Rückseite, es gab Klapptafeln – man schrieb mit Kreide oder wasserlöslichen Stiften.

Dieser Deckel eignete sich gut für Spickzettel!

Gerda Fetzer über ein Exponat, das im Schulmuseum zu sehen ist.

Die schönen Schwünge der Lateinschrift wurden auf einer besonderen Tafel geübt. Mit einem Holzstift fuhren die Schüler die eingerillten Buchstaben auf der Tafel immer wieder nach, dann selbstständig mit dem Griffel auf eine Tafel ohne Spurrillen. Die Weiterentwicklung der schwarzen Schiefertafel führte zur grünen Tafel, mit oder ohne Linierung und Karo, mit einem weichen "Milchgriffel" zu beschreiben.

Nicht so bequem wie heute

Die Entwicklung des Schreibens zu Feder und Tinte ist ein weiteres schubladenfüllendes Kapitel im Schulmuseum. Die gespitzte Gänsefeder wurde von der Stahlfeder in einem Federhalter abgelöst. Kurrent-, Sütterlin- und Lateinschrift wurden mit unterschiedlichen Schreibfedern ausgeführt. Für Sütterlin trug die Feder ein Köpfchen. Vorläufer von Kolbenfüller oder Füllfederhalter mit Tintenpatrone oder Konverter waren Federn mit Reservoir. Sehr hilfreich für Vielschreiber, die unterschiedliche Schrifttypen benützten, der Federhalter mit unterschiedlicher Feder am oberen und unteren Ende mit einem kleinen Tintenreservoir. Nicht so bequem wie heute zu bedienen, denn damals füllte man die Tinte mithilfe eines Stäbchens ein.

Gerda Fetzer, Lehrerin im Unruhestand, ist Leiterin des Schulmuseums. Sie und ihre Mitarbeiterinnen sind nicht nur stolz auf die stattliche Sammlung an Schulranzen und Utensilien. Sie schaffen es immer wieder, durch spannend erzählte Geschichten und Anekdoten die Vergangenheit lebendig zu machen.

Wann das Schulmuseum das nächste Mal offen hat

Das Schulmusem im Klösterle am Münsterplatz 15 ist an diesem Wochenende, 29. und 30. August, jeweils von 13 bis 17 geöffnet.

Am Samstag, 29. August, sind anwesend Karl-Hermann Koschorreck und Gerda Fetzer.

Am Sonntag, 30. August, sind Heide Popa und ebenso Gerda Fetzer die Ansprechpartner. Weil vergangenen Monat die Sonderausstellung mit verschiedenen Poesiealben guten Anklang bei den Beuchern gefunden hat, werden nun noch weitere Poesiealben aufgelegt. Das Museumsteam freut sich auf viele Besucher und auch auf mitgebrachten Alben.

Weitere Infos über das Gmünder Schulmuseum gibt's im Internet unter www.schulmuseumgd.de.

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