Als es in der Neuen Straße geblitzt hat

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Polizeiobermeister Rolf Schönleber registrierte am Messgerät die Geschwindigkeiten der vorbeifahrenden Verkehrsteilnehmer. Foto: GT-Archiv
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An der Notwendigkeit der Tempokontrollen hat sich in den vergangenen Jahrzehnten nichts geändert.

Schwäbisch Gmünd

Wegelagerer, Beutelschneider: Mit solchen unfeinen Begriffen werden Beamte, die im Straßenverkehr die Geschwindigkeit kontrollieren,  immer mal wieder belegt.  Das hat sich wohl auch in den vergangenen vier Jahrzehnten  nicht wesentlich verändert. Nicht verändert hat sich jedoch auch, dass Polizei und Kommunen gute Gründe für solche Kontrollen  bringen können.  Wie zum Beispiel im August 1971, als ein VW-Bus auf dem Parkstreifen der Neuen Straße zwischen Ober- und Unterbettringen stand. 

Der  grau lackierte Wagen stand nicht zufällig dort. Er kam aus Ulm und er gehörte der Verkehrspolizei, die  damit zweimal im Monat im Landkreis Schwäbisch Gmünd Tempokontrollen durchführte. „Wir sind keine Buschjäger. Unser Radarwagen steht immer ganz offen an der Straße“, sagte Polizeiobermeister Rolf Schönleber, der den Einsatz leitete.  Die Kontrolleure konzentrierten sich auf den bergab fahrenden Verkehr  der steilen Strecke. Ihren VW-Bus hatten sie gleich hinter einem Schild mit dem Hinweis „50 km“ abgestellt,  der eingebaute Radarschirm wurde auf einen Wagen von exakt 20 Grad  zur Fahrbahn eingestellt. 

Der erste Wagen, der durchfuhr, war gleich zu schnell - aber mit Absicht. Es war ein Mercedes der Polizei, dessen Tacho geeicht war.  Er zeigte 53 Stundenkilometer an, exakt so viel  wie das Radargerät, vor dem Rolf Schönleber saß. 

Einige Minuten später aber trat der Ernstfall ein:  Ein Wagen wurde mit 63 Sachen geblitzt.   Gleichzeitig  wurde das Auto fotografiert,  Datum, Uhrzeit und gemessene Geschwindigkeit wurden  auf dem Foto eingeblendet.  Ein weiterer Polizist gab per Funk Modell, Farbe, Kennzeichen und gemessene Geschwindigkeit an  andere Beamte weiter, die etwa 300 Meter  am Fuß  der Neuen Straße  standen. Sie stoppten den geblitzten Fahrer. Er hatte Glück, kam mit einer Verwarnung und zehn Mark Kosten davon. 

Ab 59 Sachen, so die damalige Regelung, wurde zu schnelles Fahren in geschlossenen Ortschaften  geahnet.  Bis zu einem Tempo von 63 km/h wurden zehn Mark fällig.  Von 64 bis 68 Stundenkilometern kostete die Schnelligkeit 20 Mark.  Fahrer, die noch mehr Gas gegeben hatten, bekamen eine Anzeige und mussten noch mehr zahlen.   Insgesamt passierten ein paar hundert Autos an diesem Nachmittag die Kontrollstelle.  Die meisten hielten sich an die Regel.  Die Polizei  musste in eineinhalb Stunden nur zehn Verwarnungen und zwei Anzeigen ausschreiben.  Der „Spitzenreiter“ war mit 72 Stundenkilometern unterwegs. Die meisten zahlten auch ohne Widerrede und Diskussion. 

Dabei hätten die Polizisten in solchen Diskussionen durchaus Argumente gehabt:  Drei Fußgänger waren im Jahr zuvor in der Neuen Straße von Fahrzeugen erfasst worden. Daraufhin war an sechs Stellen die Zahl „50“ auf die Fahrbahn gepinselt worden.  Doch Anwohner berichteten nach wie vor über Raser.  „Manche Kerle rasen  hier wie die Teufel den Berg hinab“, beschrieb ein Anlieger die Situation. „Unsere Kinder schweben in Lebensgefahr, wenn  sie bloß über die Straße wollen.“

Die Preisesind gestiegen

10 Mark bei 13 Stundenkilometern  Tempoüberschreitung - das war einmal. Der neue Bußgeldkatalog sieht  laut ADAC schon bei Überschreitungen bis zehn Stundenkilometern  innerorts 30 Euro   vor. 11 bis 15 Kilometer Überschreitung kosten 50 Euro, 16 bis 20 km/h 70 Euro.  Wer 26 bis 30 Stundenkilometer über dem Limit fährt, dem drohen laut ADAC 180 Euro Bußgeld, ein Punkt in Flensburg und unter Umständen auch ein einmonatiges Fahrverbot.  

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