Als Lehrerin rund um die Welt

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Oberbürgermeister Richard Arnold war begeistert von Eva Willer, der er am Donnerstag im Haus Deinbach zu ihrem 100. Geburtstag gratulierte.
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Eva Willer feiert ihren 100. Geburtstag und begeistert Gmünds Oberbürgermeister.

Schwäbisch Gmünd-Großdeinbach. Sind Sie auch schon 100?“, welcher Oberbürgermeister würde sich nicht über so eine Begrüßung bei einem Geburtstagsbesuch freuen? Die Bemerkung kam von Eva Willer, die am Donnerstag ihren 100. Geburtstag feierte.

„Viel fehlt nicht mehr“

OB Richard Arnold nahm die Bemerkung mit Humor und konterte „viel fehlt nicht mehr“ und bewies seine „pflegerischen“ Fähigkeiten, indem er das Geburtstagskind persönlich mit dem Rollstuhl zur Kaffeetafel begleitete und damit die Lebensgeister der Jubilarin weckte, mit einem strahlenden Gesicht und ausgestreckten Beinen ließ Eva Willer den Transport sichtlich gerne über sich ergehen.

Persönliche Bekannte oder Familie gebe es nicht mehr bedauert Sabine Illing, die ehrenamtliche Betreuerin der Dame. Die, am 30. Juni 1922 geborene Eva Willer lebte noch bis vor einem halben Jahr alleine in ihrer Wohnung im betreuten Wohnen in Heubach. Ein Sturz zwang sie in die Kurzzeitpflege, die in einen stationären Aufenthalt im Haus Deinbach endete.

Während ihrer Berufstätigkeit als Grundschullehrerin hat Eva Willer den ganzen Globus bereist, in dicken Fotoalben sind die Erinnerungen aus aller Welt gesammelt. Wenn Eva nicht gerade die Erstklässler unterrichtete, die sie sehr in ihr Herz geschlossen hatte - „Auf die musste man gut aufpassen“ - , hielt sich die schlanke Jubilarin mit Sport und Wandern fit. Sehr gesundheitsbewusst wurden regelmäßige Kururlaube gemacht und noch heute versucht Eva Willer mit kleinen Gymnastikübungen die Gelenke beweglich zu halten. Dazu passt auch das sportlich kurz geschnittene Haar, „das in 100 Jahren noch keinen Friseur gesehen hat“, schmunzelt die Betreuerin.

Tragisches Ende

Während des Zweiten Weltkriegs flüchtete Eva Willer nach Frankreich, eine Flucht mit Happyend, den hier lernte sie ihren späteren Mann Ulrich kennen. Die Ehe blieb kinderlos und endete tragisch auf einer Urlaubsreise zur Feier der erreichten Pension, als Ulrich plötzlich und unvorhergesehen verstarb. „Er war ein lieber Mensch“ meint Eva.

Nach Ulrichs Tod zog Eva Willer vor 30 Jahren nach Heubach, um ihre Mutter zu pflegen, nach deren Tod wollte sie nicht mehr zurück nach Leipzig.

Betreuerin Illing beschreibt die zierliche Jubilarin als „hilfsbereit und mit einem trockenen Humor gesegnet“, trotzdem vertrete die Dame immer ihren Standpunkt. Im Haus Deinbach musste Eva Willer ihren Tagesrhythmus etwas anpassen, als Frühaufsteherin war sie in Heubach bereits um fünf Uhr in der Früh auf den Beinen um ihre Wohnung zu putzen „um acht Uhr gab es bereits Mittagessen“ lacht Illing. Nach einer Gymnastikeinlage legte sich Eva Willer zu einem Nickerchen nieder, pünktlich um zwölf Uhr stand der Kaffee mit vorzugsweise Obstkuchen auf dem Tisch.

Mit Ständchen und bunter Kaffeetafel wurde im Haus Deinbach der runde Geburtstag gefeiert. Dass sie jetzt 100 Jahre alt ist, kann Eva Willer nicht recht glauben, aber „eigentlich wäre es jetzt auch gut“, meint sie.

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