Altdeponie: Muss Wald abgeholzt werden?

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Frisch abgegraben: Nahe dem Haselbach-Talgrund haben Stadt und GOA eine LKW-Ladung mit öligem Erdreich entsorgt.
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Wie es mit der alten Mülldeponie im Laichle nun weitergehen kann.

Schwäbisch Gmünd. Die 600000 Kubikmeter alter Müll zwischen Laichle und Haselbachtal werden für immer bleiben. „Ein Rückbau kommt nicht in Frage“, sagt Jürgen Musch, der Leiter des Gmünder Tiefbauamts. Weil eine korrekte Entsorgung, wie sie heute üblich ist, nicht bezahlbar wäre. „Pro Kubikmeter kostet das grob geschätzt 300 Euro“, so Musch. Das wären dann 180 Millionen Euro.

Zwei realistische Möglichkeiten bleiben der Stadt, um den Zustand der schlecht gesicherten alten Deponie zu verbessern - und auf jeden Fall den zutage getretenen Müll zu beseitigen, auf den Linke-Stadtrat Andreas Dionyssiotis im Gemeinderat aufmerksam gemacht hatte. Was im Detail getan werden kann, soll ein Gutachten der GOA zeigen. „Das müsste in drei bis vier Wochen vorliegen“, sagt der Tiefbauamtschef. Dann sei es ein Thema für den Gemeinderat.

Die oberflächliche Lösung würde mit Landschaftsputzete anfangen: Der mit den Jahren an die Oberfläche gekommene Müll wird aufgesammelt. So wie es in früheren Jahrzehnten schon gemacht wurde, zum Beispiel 1984. Weil in dem steilen Gebiet am Rand des Haselbachtals immer wieder Boden abrutscht und sich setzt, wäre das Problem nicht dauerhaft beseitigt. „Alle 10 bis 15 Jahre könnte das wieder der Fall sein - nachhaltig wäre anders“, erklärt Musch. Gleichzeitig würde man die Beobachtung des Geländes und Kontrolle des Wassers, wie es über die Jahrzehnte immer wieder gemacht würde, fortsetzen. Denn was dort genau im Boden liegt, weiß keiner genau. Auf jeden Fall nicht nur Hausmüll, sondern auch Industriemüll: „Es war alles dabei, so, wie es damals üblich war“, sagt Stadtsprecher Markus Herrmann.

Die dauerhafte Lösung würde eine Großbaustelle bedeuten. „Wir würden die Deponie aus dem ruhenden Status in eine neue Deponie umwandeln“, sagt Jürgen Musch. Nicht um weiteren Müll abzulagern, aber um das nachzuholen, was bei der Schließung der Deponie vor rund 50 Jahren damals noch nicht üblich war: die Deponie endgültig zu sichern und abzudichten. Großbaustelle bedeutet auch, dass der Wald erst mal verschwindet. „Die Fläche müsste komplett abgeholzt werden“, so Musch. Dann würde das Gelände abgedichtet, aufwendig befestigt und neu mit Erde zugedeckt.

Liegt eine Gefährdung vor? Die Frage dürfte entscheidend sein, wenn eines der beiden Konzepte gewählt werden muss. Denn die große Lösung wäre für die Stadt zu teuer, sie würde sicher Millionen kosten. Bezahlbar wird sie nur, wenn es Landesförderung für die Sanierung gibt. „Und die bekommt man, wenn eine Gefährdung vorliegt“, erläutert Musch. Ob das so ist, diese Frage müsse im Landratsamt geklärt werden, das für die Kontrolle der Altdeponien im Kreis zuständig ist. „Bei Gefährdung sind 50 Prozent Förderung vom Land möglich“, so Musch. Um die alte Deponie abzudecken, würde man große Mengen an Aushub brauchen, wie er normalerweise auf der Erddeponie der GOA bei Herlikofen gegen Gebühr abgelagert wird. „Das würde maßgeblich zur Refinanzierung beitragen“, sagt Musch.

Eine LKW-Ladung ölverschmutzter Erde haben Stadt Gmünd und GOA vor einigen Tagen am Fuß der ehemaligen Müllhalde schon abgegraben. „Das Material wurde dann in die Müllverbrennung gefahren“, berichtet Jürgen Musch, der Tiefbauamtsleiter. Dort hatte sich ein öliger Film auf dem Wasser gezeigt, das aus dem Hang kommt. „Wir beobachten jetzt an der Stelle, ob noch Altöl nachläuft“, sagt Musch. Es liege aber „keine akute Gefährdung“ vor, so Musch. Das hätten die Wasserproben ergeben, die GOA-Deponieleiter Steffen Johner genommen hat. Bernd Müller

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