Alte Schulhefte als wahre Zeitzeugen

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Karin Miller (li.) und Gerda Auster gehören zu den fleißigen Helfern im Archiv des Gmünder Schulmuseums – und beide haben sichtlich Spaß daran, in den alten Heimatkundeheften zu blättern.

Das Schulmuseum in Schwäbisch Gmünd besitzt eine sehenswerte Sammlung von Heimatkundeheften. Was die Schulhefte aus alten Tagen alles preisgeben.

Schwäbisch Gmünd

Das Schulfach "Heimatkunde" ist den Zweit- bis Viertklässler heute fremd. Für sie ist daraus im baden-württembergischen Bildungsplan "Sachunterricht" geworden. Schaut man in die Erläuterungen, zeigt sich: Der Unterschied ist nicht so groß, wie man annehmen könnte. Geblieben sind Kompetenzen, die Schüler erwerben sollen, wie, die Welt erleben, wahrnehmen, erkunden, verstehen. Das alles ist auch in den Schulheften des Gmünder Schulmuseums zu finden – allerdings mit einem Unterschied: Heutzutage sind Schulhefte mit vielen eingeklebten Kopien, mit vorgegebenen Fragen und Karten gefüllt, die den Gedankengang führen, bestimmte Dinge abfragen. Die Heimatkundehefte im Archiv des Schulmuseums zeigen ein anderes Vorgehen.

Hefte sind gut erhalten

Schlägt man ein älteres Heft auf, wird man gleich in den Stadtrundgang einbezogen, wandert mit Klasse und Lehrern von der Schule zum Marktplatz. Alles angeschaut, gut eingeprägt, geht es wieder zurück in die Schule. Auf dem Schulhof wird dann ein Sandrelief gebaut, mit Rathaus und Häusern, anschließend eine Karte gezeichnet. Minutiös genau sind alle Häuser neben Marktplatz samt Rathaus zu sehen und bezeichnet. Das war 1957. "Dann kommt der Blick von oben", erklärt Gerda Fetzer vom Schulmuseum enthusiastisch, "bis nur noch kleine Punkte zu sehen sind. So lernte man, Karten zu lesen".

Deutlich sind in den einzelnen Heimatkundeheften die wirtschaftlichen Veränderungen dokumentiert. Die Hefte nach dem Zweiten Weltkrieg zeigen gute Qualität von Umschlag und Innenpapier. Beides wird minderwertiger in der Kriegszeit, wie die drei Schulhefte der Lorcherin Anneliese Ziegele aus dem Jahr 1944 beweisen. Kriegsgrauer schlapper Kartoneinband, aufgedrucktes oder geklebtes Namensfeld, gestempelt mit Hakenkreuz-Adler und Vermerk "Deutsche Hauptschule".

So, wie Ursula Buschle 1957 in der Klasse 3a Wind und Wetter beschreibt, glaubt man, die Erläuterung von Windstärken im Internet zu lesen: Windstille – der Rauch steigt senkrecht auf, Sturm – Bäume brechen oder entwurzeln. Anders aber "Der Wind wirft die Wetterfahne herum. Dann zeigt der Pfeil (Spitze) nach der Richtung, aus der der Wind kommt (Wetterfahne). Die Gmünder sagen: Der Gockeler guckt ens Regaloch!"

Auffallend ist, wie sauber die Hefte in ordentlicher Schrift geführt sind. Bei Gerda Fetzer in der 4a ist sogar eine individuelle Entwicklung abzulesen. Erst die vorgeschriebene Schrift, brav ausgerichtet ein Bogen neben den anderen in Lateinschrift. Dann der Sprung in die "eigene" Handschrift. Latein erkennbar, aber durchaus nicht mehr brav nebeneinander, sondern kraftvoll in selbst gewählter Weite.

Ausdrucksstarke Zeichnungen

Eindrucksvoll die Darstellung der Entwicklung des Sonnenstandes in Ursula Buschles Heft von 1956. "Die Sonne, ein Kletterer" zeigt, wie der Sonnenstand vom 21. Dezember, 21. März und dem 21. Juni, der Sommersonnenwende, auf dem Stamm emporklettert, um dann den ganzen Sommer die gleiche Position zu behalten. Edona Schmitt klärt in ihrem Heimatkundeheft von 1925 den Unterschied zwischen Tee und Sud. Die Technik genau beschrieben, dann mit gepressten Kräutern und Gewürzen samt Erklärungen illustriert. Druckreif sind die selbst gezeichneten Vorlagen aus der Tierkunde von Erika Brede, in feinstem Sütterlin betextet, aus dem Schuljahr 1937/38.

Die Arbeiten von Volker Sperrle in der vierten Klasse zeigen in Text und Zeichnung ausdrucksstark die Entwicklung "Vom Kienspan bis zum elektrischen Licht". Oder lebhafte Beschreibungen vom Eichhörnchen, den Römern in Gmünd und Umgebung oder Arbeit und Werkzeug der Holzfäller im Wald. Deutlich ist die Freude des Viertklässlers in seinen Wörtern und den akkurat und schön ausgeführten Bildern zu spüren.

Das Schulmuseum besitzt eine sehenswerte Sammlung von Heimatkundeheften. Eine Sammlung, die anregt, mal genauer bei den eigenen Gängen durch Stadt und Umgebung hinzuschauen. Wahre Zeitzeugnisse mit ihren Einblicken in das Leben vergangener Jahrzehnte, in Bräuche, Familie und Gesellschaft.

Das Gmünder Schulmuseum im "Klösterle" ist jeden letzten Samstag und Sonntag im Monat von 13 bis 17 Uhr geöffnet. Weitere Informationen gibt's unter http://www.schulmuseumgd.de.

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