Altern bei guter Gesundheit als ein Geschenk Gottes

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Schwester Romana, früher Martha Katharina Göser, blickt zurük auf 100 Lebensjahre.
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Schwester Romana von der Klostergemeinschaft der Franziskanerinnen blickt auf 100 Lebensjahre zurück. Was sie erlebt hat.

Schwäbisch Gmünd

Liebevoll am Arm geführt von Generaloberin Schwester Birgitta Kunsch, betritt die 100-jährige Schwester Romana den Raum im Kloster der Franziskanerinnen der ewigen Anbetung in der Gmünder Bergstraße. Es sei ein Geschenk Gottes, noch laufen zu können und in der Schwesterngemeinschaft sein zu dürfen, mein sie.

Als mittleres von acht Kindern kam Schwester Romana am 14. Januar 1922 in Winzingen als Martha Katharina Göser zur Welt. Die vielen Kinder seien dem Umstand zu verdanken, dass der Vater aufgrund einer Hörbehinderung nicht in den Ersten Weltkrieg eingezogen wurde, erzählt sie. Der Vater ernährte die Familie durch seine Anstellung bei der WMF, Schwester Romana konnte sieben Jahre lang die Schule in Winzingen besuchen, am Lernen habe sie immer große Freude gehabt.

Einen Vorgeschmack auf das wahre Leben lieferte eine Erkrankung der Mutter, die daraufhin zur Erholung musste. Die Mädchen der Familie Göser waren daraufhin für den Haushalt verantwortlich. „Mit einem Neun-Personen-Haushalt war man schon gut beschäftigt“, schmunzelt Schwester Romana und erzählt von Handwäsche und Bergen von Brotteig, die es zu kneten galt. Vor den „Karren spannen“ ließ sich Schwester Romana nie. Mit ihrer Mitgliedschaft in der Schönstattjugend, die 1914 von Pater Josef Kentenich gegründet wurde und als internationale geistliche Erneuerungsbewegung gilt, hatte sie sich bereits in jungen Jahren das Ziel gesetzt, jeden Tag die beste Version von sich selber zu sein. Den Jungs, damals „Hitler-Fans“, hatte sie früh die Stirn geboten.

Als 17-jährige verließ Martha Katharina Göser das Elternhaus, um im Canisius-Haus in Gmünd Kindergruppen und Schüler zu betreuen. Die Betreuungsgruppen von damals seien erheblich größer gewesen als heutzutage, erinnert sich die Schwester. Um die große Jungengruppe im Zaum zu halten, die sie später eigenständig betreute, beschäftigte die freundliche Schwester die Knaben mit Wanderungen und anderen Aktivitäten. Mit Erfolg. Später habe ein zwischenzeitlich Erwachsener berichtet, das Einwirken von Schwester Romana habe sich als segensreich erwiesen, auch wenn er es als Junge nicht verstand.

Neben der Kinderbetreuung wurden damals von den Canisius-Mitarbeiterinnen auch Hausmeistertätigkeiten gefordert, Kehrwoche und Schneeschippen seien normal gewesen. Ihre Tätigkeit im Canisius-Haus beschreibt Schwester Romana als schöne Zeit und erzählt von Theateraufführungen der Jugend, die unter ihrer Regie einstudiert wurden.

Pforte und Refektorium

Mit 25 Jahren entschied sich Martha Katharina Göser zum Beitritt in die Schwesterngemeinschaft. Nachdem sie lange Jahre „das freundliche Gesicht an der Pforte des Canisius-Hauses“ war, nahm sie in späteren Jahren das Refektorium des Klosters - den Speisesaal - unter ihre Obhut und sorgte dort für ein angenehmes Umfeld für ihre Mitschwestern beim Essen. Selbst die Hagebutten zur Zubereitung des Tees hat sie selbst gesammelt und getrocknet.

Eine große Freude bereitet Schwester Romana der Sonnenaufgang, den sie von ihrem Turmzimmer-Fenster aus beobachten kann. Für diesen Raum, der nicht per Aufzug zu erreichen ist, nimmt sie gerne zu Fuß die tägliche Strecke in die Kapelle zum Morgen- und Abendgebet auf sich. Umgeben von der Wärme und Zuneigung ihrer Mitschwestern darf Schwester Romana ihren 100. Geburtstag feiern und will all die Menschen, die sie auf ihrem Lebensweg getroffen hat, in ihr Gebet einschließen.

Im Neun-Personen-Haushalt war man gut beschäftigt.“

Schwester Romana, über ihre Kindheit

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