Altersgenossen ärgern sich wegen Alois-Fremdnutzung

  • Weitere
    schließen
+
-

In einem Video singen Teilnehmer einer Corona-Demonstration vor dem Rathaus das "Alois"-Lied mit verändertem Text.

Schwäbisch Gmünd

Ein kurzes Video macht derzeit die Runde bei vielen Mitgliedern Gmünder Altersgenossenvereine: Es zeigt Teilnehmer einer der abendlichen Demos gegen die Corona-Einschränkungen, die die Alois-Melodie anstimmen und wohl mit einem veränderten Text singen. "Das erweckt bei Passanten den Eindruck, Altersgenossenvereine würden hinter der Bewegung stehen", sagt der Vorsitzende des Dachverbands, Gerhard Bucher. "Wir distanzieren uns davon und weisen darauf hin, dass unser Altersgenossen-Lied missbräuchlich verwendet wird", meint er weiter.

Der Dachverband könne aber wohl rechtlich nicht dagegen vorgehen. Es handle sich um eine alte Melodie und einen überlieferten Text, beides sei urheberrechtlich vermutlich nicht geschützt. Im Video ist etwa zu hören, "Schpenn net rom, schpenn net rom, Alois", auch die dritte Alois-Strophe wird gesungen, ein anderer Zusammenhang hergestellt.

Das Video, das inzwischen viele Altersgenossen auf ihrem Handy haben, ärgert den stellvertretenden Vorsitzenden des Altersgenossen-Dachverbands, Harald Quicker, auch aus einem anderen Grund: "Wir durften im vergangenen Jahr kein Altersgenossenfest feiern, singen ist in Coronazeiten in der Öffentlichkeit nicht erlaubt und die machen es trotzdem." Die Alois-Melodie und abgeänderte Textpassagen zu nutzen, lasse jeden Respekt vor der Tradition in Schwäbisch Gmünd vermissen.

Für so etwas ist unser Alois-Lied nicht gedacht.

Petra Büttner AGV-Dachverband

Der Vorstand des Dachverbands sprach darüber auch in einer Telefonkonferenz in dieser Woche. Dabei stellten die Mitglieder klar, "dass wir die Inhalte, die in den Demonstrationen geäußert werden, verurteilen". Auch Petra Büttner, Vorsitzende des AGV 1959 und Mitglied im Dachverband-Vorstand ist entsetzt. "Für so etwas ist unser Alois-Lied nicht gedacht."

Eine Äußerung von Seiten der Veranstalter dieser Demos gibt es nicht. Stefan Schmidt, der eine Dauer-Demonstration auf dem Schwäbisch Gmünder Marktplatz gegen die Corona-Maßnahmen beim Ordnungsamt angemeldet hat, lehnt eine schriftliche oder auch mündliche Beantwortung der Fragen der Gmünder Tagespost ab.

Das Alois-Lied spielt in der 158-jährigen Geschichte der Altersgenossenfeste eine wichtige Rolle. Altersgenossen und Festbesucher singen es in Begleitung von Bläsern, die vom Johannisturm aus spielen. Melodie und Text stammen nicht aus einer Hand. Im Jahr 1750 soll die Melodie des heutigen "Alois" von Zinkenisten gespielt worden sein. Das hat der 2011 verstorbene Dirigent des 1. Musikvereins Stadtkapelle Schwäbisch Gmünd, Dietmar Spiller, aus Archiven zusammengetragen. Er vermutete, dass die Komposition für Hochzeiten verwendet wurde, vielleicht schon damals vor der Johanniskirche vorgetragen. Nach 1850 sei die Melodie in Vergessenheit geraten, 13 Jahre später aber bei Beginn der Altersgenossenfeste wieder reaktiviert worden. Der Liedtext könnte nach Recherchen Dietmar Spillers um 1900 dazugekommen sein. Damals gab es einen Kutscher mit den Namen Alois, der die Besucher von Gaststättenbesuchen heimgebracht hat. Fahrgäste sollen als Dank ein "Bhuet de Gott, Alois" gesungen haben, aus dem wenig später das "Grüß di Gott, Alois, wurde".

Zurück zur Übersicht: Stadt Schwäbisch Gmünd

Mehr zum Thema

WEITERE ARTIKEL