Am Schießtalsee: Der Pistenbully im Schlamm macht Pause

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Links des Bachs noch mit Schlamm, rechts schon ohne - dort ist das Ausbaggern erledigt.
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Zu wenig Frost: Die Baggerarbeiten im abgelassenen Schießtalsee sind nur halb fertig geworden – erst im Herbst wird der restliche Schlamm vom Seegrund entfernt.

Schwäbisch Gmünd

Der Pistenbully und die Bagger im See machen jetzt Sommerpause: Das Ausbagger-Projekt im Schießtalsee ist nur halb fertig geworden, nach der Badesaison folgt Teil zwei. „Wir hätten noch zwei, drei Wochen Frost gebraucht“, sagt Jürgen Musch, Leiter des Gmünder Tiefbauamts. 

Per Langarmbagger, mit einem in Schlamm statt Schnee arbeitenden Pistenbully und weiteren Baumaschinen haben Arbeiter in den letzten Wochen rund 5000 Kubikmeter Schlamm aus dem Schießtalsee geholt. Die Ausbagger-Aktion, die etwa eine halbe Million Euro kostet, ist nötig, um den See wiederzubeleben zu können. Die Stadt plant, den See im hinteren Teil zu renaturieren und den Bereich zum Freibad hin wieder für Schwimmer erlebbar zu machen.

Mit den rund 10000 Kubikmetern Schlamm, die sich laut Musch in 25 Jahren auf dem Grund des Schießtalsees angesammelt haben, wäre das nicht möglich gewesen. „Der Schlamm führt zu mehr Erwärmung und Algenbildung. Und wenn man nichts macht, dann ist der See irgendwann weg, weil er verlandet“, sagt Jürgen Musch. Etwa die Hälfte des Schlamms ist ausgebaggert und liegt jetzt auf Maisäckern zwischen Zimmern und Buch. Es ist eine Lösung, von der zwei Beteiligte profitieren: Landwirte und Stadt Gmünd. „Wir hätten sonst das Material durch den halben Ostalbkreis fahren müssen zur Deponie Reutehau bei Ellwangen“, sagt Musch. Die Erddeponie der GOA nördlich von Herlikofen nimmt keinen Seeschlamm auf. „Das ist dort nicht zulässig, es ist zu viel Organisches drin.“ Für die Landwirte, die Musch als Abnehmer gefunden hat, ist der Seeschlamm wie guter Humus. „Die können dadurch sogar Kunstdünger einsparen“, erzählt der Tiefbauamtschef. Bevor der Schlamm auf die Äcker gebracht wurde, ist er auf Schadstoffe überprüft worden, wie es die Bodenschutzverordnung des Landes vorschreibt. Ergebnis: unbelastet. Auch auf dem Acker musste vorher eine Probe genommen werden, um Vorher und Nachher-Zustand genau vergleichen zu können, erzählt Musch,. Mit erstaunlichem Ergebnis: „Der Schlamm verringert sogar die Schwermetallwerte.“

Dass die Arbeiten jetzt unterbrochen werden, hat technische und ökologische Gründe. Jürgen Musch erklärt's: „Bei starkem Regenwetter kann man nicht mehr auf der Ackerboden fahren“ - dort, wo der Seeschlamm mit einer Schichtdicke von 25 bis 30 Zentimetern verteilt wird. Außerdem soll der See rechtzeitig, wenn nach dem Winter das Leben wieder erwacht, wieder ein wirklicher See sein. „Bis die Amphibien kommen, ist das Wasser drin“, sagt Musch. In den nächsten Tagen wird der Sperrschieber am Abfluss geschlossen. „In drei bis vier Tagen dürfte der See dann voll sein“, sagt Bäderbetriebsleiter Thomas Vetter. 

In Zukunft soll das Ausbaggern keine solche Großaktion mit 600 abzutransportierenden LKW-Ladungen mehr werden. Damit die Schlammschicht nicht mehr auf bis zu zwei Meter Stärke anwächst, werde es regelmäßige „Wartungsintervalle“ geben soll, alle vier bis fünf Jahre sei es sinnvoll, sagt Jürgen Musch. 

Bevor es an die Renaturierung des Sees geht, rücken nach der Badesaison im Herbst noch einmal die Baumaschinen an. Technikinteressierte Spaziergänger im Schießtal können dann noch einmal erleben, dass ein Pistenbully, wie man ihn aus Skigebieten kennt, auch Schlamm statt Schnee bewältigt. 

  • Entschlammen und Ausbaggern kosten 475 000 Euro
  • Die Zahlen: Entschlammen und Ausbaggern kosten die Stadt rund 475 000 Euro. Kosten für eine Renaturierung des Sees: 915 000 Euro. Die Stadt wird das Projekt dann angehen, wenn es dafür Fördergelder der Stiftung Naturschutzfonds gibt, in diesem Fall müsste sie noch 91 000 Euro aus eigenen Mitteln finanzieren.
  • Die Idee: Der Schießtalsee soll wieder ein Badesee werden, der im hinteren Teil in ein Biotop übergeht. Freizeit und Natur sollen harmonisch zusammenpassen: Im kleineren Teil könnte naturnah gebadet werden – mit Schilfufer und Kontakt zur Tierwelt. 
Bäderbetriebsleiter Thomas Vetter (l.) und Jürgen Musch vom Tiefbauamt schauen sich den Schieber am Abfluss des Sees aus der Nähe an.

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